Es war eines der schwersten Zugunglücke der vergangenen Jahre in Deutschland. Vor einem Jahr ist bei Riedlingen im Kreis Biberach ein Zug entgleist. Drei Menschen starben, 36 wurden zum Teil lebensgefährlich verletzt. Besonders bei den Einsatzkräften, die vor Ort waren, ist das Unglück noch präsent.
Drei Tote und 36 Verletzte Das Zugunglück 2025 bei Riedlingen: Chronologie einer Katastrophe
Tödliches Zugunglück am 27. Juli 2025: Bei Riedlingen entgleist ein Regionalzug. Drei Menschen sterben, viele werden verletzt. Was ist damals passiert und was waren die Folgen?
Heute rollen wieder Züge auf der Bahnstrecke
Sie haben Waggons nach Menschen durchsucht, sich um Verletzte gekümmert. Und das über viele Stunden bis spät in die Nacht. Einsatzleiter Thomas Steinhardt und Stadtbrandmeister Stefan Kuc von der Feuerwehr Riedlingen haben die Unglücksstelle vor Kurzem wieder besucht. Heute rollen dort wieder Züge. Bei den beiden Feuerwehrmännern ruft der Anblick Erinnerungen hoch.
"Wenn man die Züge hier fahren sieht denkt man immer gleich an dieses Ereignis. Es ist jetzt schon wieder ein Gänsehaut-Feeling, wenn man hier steht", sagt Thomas Steinhardt. Er war am Unglückstag Einsatzleiter vor Ort. Schon kurz nach dem Eintreffen sei klar gewesen: Das wird kein alltäglicher Einsatz.
Zugunglück bei Riedlingen bringt Rettungskräfte an ihre Grenzen
"Hier hat sich dann auch zum ersten Mal das Ausmaß gezeigt, weil dann eben auch schon Schwerverletzte und Tote sichtbar waren ", erinnert sich Stefan Kuc, der den Einsatz damals mitkoordiniert hatte. Das Zugunglück hat die Helfer nicht nur mental, sondern auch körperlich an ihre Grenzen gebracht - teilweise sogar darüber hinaus.
Allein der Zugang zur Unfallstelle war schwierig, die Böschung zu den Gleisen bewachsen und steil. Dann mussten die Menschen aus dem Zug befreit werden. "Das war wirklich harte Arbeit", sagt Thomas Steinhardt.
Abschlussbericht veröffentlicht Hangrutsch war Ursache für Zugunglück bei Riedlingen: Experte kritisiert Bestandsschutz älterer Züge
Drei Menschen sind beim Zugunglück bei Riedlingen gestorben. Jetzt haben Ermittler einen Bericht zur Ursache veröffentlicht.
Die Bundesstelle für Eisenbahnunfalluntersuchung (BEU) bestätigte zuletzt in ihrem Abschlussbericht auch die schon vor einem Jahr vermutete Unfallursache. Demnach hatte Starkregen einen Hangrutsch entlang der Bahnstrecke ausgelöst. Der Regionalzug entgleiste.
Notärztin musste schwere Entscheidungen treffen
Damals waren bis zu 700 Einsatzkräfte vor Ort. Zu den ersten an der Unfallstelle gehörte Notärztin Alice Eiserbeck von der Universitätsklinik Ulm. Sie musste die Verletzten zunächst in Kategorien einteilen - je nach Schwere der Verletzungen. "Die Herausforderung war wirklich: Kurz zu sichten - in welche Kategorie kann man jemanden einteilen? Und dann aber weiterzulaufen, auch wenn jemand schwer verletzt ist und Schmerzen hat."
Diesen Einsatz müssen die Helfer verarbeiten. Es helfen Gespräche untereinander, manche nehmen aber auch professionelle Hilfe in Anspruch. Ein Angebot des Dekanats Biberach ist auch der Gedenkgottesdienst, der am Montagabend um 17 Uhr in der Nähe des Unglücksorts in Zell-Bechingen stattfindet.
Dort sollen sich Betroffene und Helfer begegnen können. "Man muss versuchen, es zu verarbeiten, dass man damit leben kann", sagt Stadtbrandmeister Stefan Kuc. Aber: "So ein Ereignis vergisst man nicht. Das kann man nicht vergessen."