Cyberangriffe auf Unternehmen und Kommunen in Bodensee-Oberschwaben nehmen zu. Mit ihrem jährlich stattfindenden IT-Sicherheitskongress will die IHK Bodensee-Oberschwaben zeigen, wie sich Betriebe und Verwaltungen schützen können – dabei ging es am Mittwoch in Vorträgen von Fachleuten um Themen wie Prävention, Warnsignale bis hin zu den Grundlagen der Cybersicherheit. Ziel ist es, Unternehmen für die Gefahren sensibilisieren. Denn Cyberkriminalität stellt Firmen in der Region Bodensee-Oberschwaben vor Herausforderungen.
Schaden durch Cyberkriminalität in dreistelliger Milliardenhöhe
Insgesamt wurden laut Bundeskriminalamt im Jahr 2025 über 333.000 Fälle von Cyberkriminalität in ganz Deutschland registriert. Der jährliche Schaden für die deutsche Wirtschaft wird auf über 200 Milliarden Euro geschätzt. Auch in der Region Bodensee-Oberschwaben gab es in den vergangenen Jahren immer wieder Hackerangriffe. Das Polizeipräsidium Ravensburg verzeichnete in ihrem Zuständigkeitsbereich im vergangenen Jahr 490 Fälle von Cyberkriminalität.
Porno und Hakenkreuze in Gemeinderatssitzung in Bodman-Ludwigshafen
Vor gut einem Jahr wurde die Gemeinde Bodman-Ludwigshafen im Kreis Konstanz Ziel eines Hackerangriffs. Während einer Gemeinderatssitzung tauchten auf den Bildschirmen plötzlich ein Pornofilm und Bilder mit Hakenkreuzen auf. Seitdem hat sich in der Verwaltung einiges geändert. Eine neue und sicherere Video-Übertragungsplattform sei im Einsatz, so eine Sprecherin der Gemeinde. Zudem wurden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu Cybersicherheit geschult und ein Notfallplan für Hackerangriffe erstellt.
Das Ermittlungsverfahren zu dem Hackerangriff sei mittlerweile eingestellt worden. Ein Täter konnte nicht gefunden werden.
Einer der größten Angriffe: Medizin Campus Bodensee Ziel von Hackern
Vor fast vier Jahren wurde der Medizin Campus Bodensee (Bodenseekreis) Opfer einer Hackerattacke - einer der größten Cyberangriffe in der Region. Monatelang war der Klinikverbund dadurch im Betrieb eingeschränkt. In den Kliniken in Friedrichshafen und Tettnang hatten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zeitweise kein Zugriff etwa auf Patientenakte, Daten und Mails. Operationen mussten abgesagt und Notfälle in anderen Krankenhäuser behandelt werden.
Der MCB ist eines von rund 1.500 Unternehmen weltweit, das von der Hackergruppe "HIVE" erpresst wurde. Der Hackerangriff soll einen Schaden von rund 600.000 Euro verursacht haben.
Die gesamte Informationstechnik des MCB wurde seit dem Hackerangriff erneuert und sicherer aufgebaut, so Geschäftsführer Jan-Ove Faust auf SWR-Anfrage. Zu den technischen Schutzmaßnahmen gebe es jetzt auch klare Notfallpläne, falls Systeme ausfallen sollten. Der Krankenhausbetrieb kann dann im Ernstfall eingeschränkt weiterlaufen.
Pilotprojekt der Gemeinde Wolfegg: Wie können sich Kommunen schützen?
Die Gemeinde Wolfegg im Kreis Ravensburg hat im vergangenen Jahr ein Pilotprojekt gestartet, um ihre Verwaltung besser vor Cyberangriffen zu schützen. Eine externe Firma prüft die Verwaltung im Hinblick auf Cybersicherheit auf Herz und Nieren - kleinere Sicherheitslücken seien durch simulierte Angriffe bereits aufgedeckt und geschlossen worden, heißt es aus der Wolfegger Verwaltung. Auch MItarbeiterinnen und Mitarbeiter werden für das Thema IT-Sicherheit sensibilisiert und geschult.
Ziel ist es, die IT-Sicherheit in der Gemeindeverwaltung in Wolfegg auf ein Niveau zu heben, dass bisher nur große Stadtverwaltungen wie Stuttgart haben. Auch andere Kommunen in Baden-Württemberg sollen von dem Pilotprojekt profitieren. Der Städte- und Gemeindetag begleitet das Projekt.
Wie kann sich jeder einzelne vor Cyberkriminalität schützen?
Nicht nur Unternehmen oder Kommunen können Ziel von Cyberkriminellen werden. Auch Privatmenschen sind angreifbar. Beispielsweise über professionell gestaltete Fake-Webseiten oder gefälschte E-Mails. In diesem Zusammenhang warnt das Polizeipräsidium Ravensburg besonders vor Anlagebetrug. Niemand könne sicher sein, nicht Opfer einer solchen Betrugsmasche zu werden.
Woran erkennt man einen Anlagebetrug? Außergewöhnlich hohe Gewinnversprechen seien ein eindeutiges Warnsignal, so ein Sprecher des Polizeipräsidiums Ravensburg. Einige Anlagebetrüger würden bewusst mit geringen Beträgen beginnen, um Vertrauen aufzubauen und ihre Opfer später zu deutlich höheren Investitionen zu bewegen. Ein weiteres Warnsignal sei Zeitdruck, seriöse Anbieter würden ihren Kunden ausreichend Zeit für eine Entscheidung geben.
Die Polizei rät: Die Internetadresse des Anbieters sorgfältig prüfen. Und zu recherchieren, ob bereits Anwälte oder Verbraucherschutzorganisationen vor dem Anbieter oder der Plattform warnen. Verdachtsfälle sollten sofort bei der Polizei und Bank gemeldet werden.