Dass es beim Autozulieferer ZF Friedrichshafen einen heftigen Konflikt zwischen der Geschäftsleitung und dem Betriebsrat gibt, ist spätestens seit vergangener Woche bekannt, als eine Betriebsversammlung abgebrochen wurde. Jetzt aber bekommt der Betriebsratsvorsitzende Achim Dietrich auch Gegenwind von Vertretern der Belegschaft.
Will die CGM den Betriebsratsvorsitzenden stürzen?
So kommt es nächsten Dienstag (28.7.) am Arbeitsgericht Ravensburg zu einem sogenannten Anhörungstermin in einem einstweiligen Verfügungsverfahren, wie ein Gerichtssprecher dem SWR bestätigte. Der Termin war ursprünglich für Freitag vorgesehen. In Gang brachte das Verfahren die Christliche Gewerkschaft Metall, kurz CGM, die damit gegen den ZF-Betriebsratsvorsitzenden Achim Dietrich vorgehen will.
Die Gewerkschaft spricht in ihrer Pressemitteilung von einem Amtsenthebungsverfahren. Sabine Jastrob, die Geschäftsführerin der CGM mit Sitz in Friedrichshafen, sagte, man wolle Dietrich eine "Ohrfeige" verpassen.
Schwere Vorwürfe gegen Ratschef Dietrich
Jastrob wirft Dietrich unter anderem vor, er missbrauche den Betriebsrat, um die Interessen seiner Gewerkschaft, der IG Metall, durchzusetzen. Er sei für verhärtete Fronten im Unternehmen verantwortlich und habe den Abbruch der Betriebsversammlung vergangene Woche inszeniert. Und er sorge mit dem Betriebsrat für eine "Blockadehaltung". Beispielsweise könnten bei ZF in Friedrichshafen bei Bedarf keine Überstunden gemacht werden. Zuvor müsse dazu die Einigungsstelle gerufen werden.
Gegenüber dem SWR erklärte CGM-Geschäftsführerin Jastrob, ihre Gewerkschaft und die CGM-Vertreter im ZF-Betriebsrat unterstützten die Forderungen der Arbeitnehmerseite durchaus, etwa wenn es darum gehe, übertarifliche Sonderzahlungen zu erhalten. Mit der Art und Weise, wie die "Lichtgestalt Achim Dietrich" diese aber durchsetzen wolle, sei die CGM nicht einverstanden.
ZF-Betriebsratssprecher weist die Vorwürfe zurück
Der Sprecher des Betriebsrates, Gunnar Flotow, erklärte hingegen, die Anschuldigungen der CGM seien haltlos und diffamierend. Er wirft ihr vor, sie wolle spalten: "Wer Beschäftigte gegeneinander in Stellung bringt, spielt am Ende nur einer Seite in die Hände: der Arbeitgeberseite", so Flotow. Eine starke Gruppierung im ZF-Betriebsrat ist die CGM dabei nicht. Sie ist klar in der Minderheit. Im Betrieb N (Nutzfahrzeugsparte) am Standort Friedrichshafen etwa stellt sie laut Flotow nur vier von 33 Mitgliedern.
Beobachter sind erstaunt über die Eskalation im ZF-Betriebsrat
Dass es nun zwischen den Arbeitnehmervertretern zu einer gerichtlichen Auseinandersetzung kommt, ist dem Arbeitsgericht zufolge ungewöhnlich. Es ist eine Einschätzung, die auch andere Beobachter gegenüber dem SWR äußerten. Unklar ist, wie die Sache ausgeht. Dem Gericht zufolge lässt sich nicht ausschließen, dass es zunächst eine vorläufige Regelung geben und die Sache später in einer Hauptverhandlung entschieden wird.
Das Unternehmen selbst hält sich in der Sache zurück. Ein ZF-Unternehmenssprecher teilte mit: "Zu einem so sensiblen Thema können wir uns nicht äußern, zumal es sich um ein laufendes Verfahren vor Gericht handelt."