Seit März finden in Eschenz archäologische Grabungen statt. Dabei werden die Reste der Kleinstadt Tasgetium freigelegt, die die Römer vor mehr als 2.000 Jahren bauten. In der Römerzeit zählte der Ort neben den heutigen Städten Bregenz (Brigantium) und Konstanz (Constantia) zu den wichtigsten am Bodensee.
Überreste römischer Reihenhäuser freigelegt
Dort wo, die Archäologinnen und Archäologen derzeit graben, war laut der Projektverantwortlichen Simone Benguerel vom Amt für Archäologie des Kantons Thurgau einst das Herz einer römischen Kleinstadt. Sie und ihr Team haben die zentrale Straße ausgegraben. "An dieser Straße rechts und links befanden sich Wand an Wand so richtige Reihenhäuser", so Benguerel. So wie man das heute noch kenne, nur dass die Häuser aus einfachem Holz gebaut worden waren. Außerdem gab es laut der Archäologin Vorplätze, Laubengänge durch die man durchspazieren konnte.
Gefäße, Kleingeld, Speisereste
Besonders an diesem Fund ist für Benguerel, dass das Holz der Häuser so gut erhalten blieb. Denn römischen Bauherren stabilisierten vor rund 2.000 Jahren den dortigen, sumpfigen Untergrund mit Holzrosten. Im nassen Boden haben sich die römischen Bauhölzer und andere Objekte aus organischem Material über die Jahrtausende konserviert. Gefunden haben die Archäologen typischen Siedlungsabfall wie zerbrochene Gefäße, Speisereste und ab und zu verlorenes Kleingeld. Benguerel ist gespannt, was noch zum Vorschein kommt.
Neuer Konstanzer Stadtteil mit alten römischen Spuren
Eschenz ist der nicht der einzige Ort in der Bodenseeregion, an dem die Römer Spuren hinterließen. In Konstanz entdeckten Archäologen gerade eine seltene ländliche Siedlung aus der späten Römerzeit, wo heute der neue Stadtteil Hafner entsteht. Auf mehr als 13 Hektar fanden die Archäologen zunächst Spuren von Siedlungsstellen aus der Bronze‑ und Eisenzeit, also dem zweiten und ersten Jahrtausend vor Christus.
Besonders spannend für die Archäologen sind die aktuellen Grabungen an der Stelle, wo der neue Stadtteil Hafner an die Landesstraße angeschlossen werden soll. Dort konnten ein bis zwei Gehöfte nachgewiesen werden, mindestens zwei Speichergebäude und ein Grubenhaus. Zudem fanden die Archäologen hochwertiges römisches Speisegeschirr und Scherben von einfachen Gefäßen aus dem dritten bis fünften Jahrhundert nach Christus.
Haben in der Römerzeit schon Germanen in der Region gelebt?
Laut dem Konstanzer Kreisarchäologen Jürgen Held sind solche ländlichen Siedlungen der späten Römerzeit selten. Die Römer hätten sich zu der Zeit bereits aus dem Hegau an den Rhein und den Bodensee zurückgezogen, wo sie stark befestigte Kastelle, wie etwa in Konstanz ab dem Jahr 300 nach Christus errichteten. Noch offen sei, ob hier bereits von den Römern geduldete Germanen lebten, so Held.
Die Siedlungen in Konstanz und Eschenz zählen neben Bregenz zu den wichtigsten Siedlungen in der Römerzeit. In Bregenz (lateinisch: Brigantium) gründeten die Römer ihr erstes Kastell. Laut der Thurgauer Archäologin waren Konstanz und Eschenz wichtige Durchgangsorte, an denen auch Zoll kassiert wurde. Im Hinterland habe es einige Gutshöfe gegeben, die wichtig für den Handel gewesen seien.
Laut dem Arbeitskreis für Landeskunde und Landesgeschichte beim Regierungspräsidium Freiburg wurden bisher 120 solcher Gutshöfe (auf lateinisch: villae rusticae) entdeckt. Vor einigen Monaten sind etwa Archäologen bei Baggerarbeiten in Ludwigshafen am Bodensee (Kreis Konstanz) auf eine solche mittelalterliche Siedlung gestoßen.