Auf der Landstraße L154 (Kreis Waldshut) haben die Arbeiten zur Felssicherung begonnen. Die Verbindungsstraße, die durch die Albtalschlucht vom Hochrhein in den Hotzenwald führt, war im Mai 2015 nach einem Felssturz gesperrt worden. Die Sicherung der Felsen galt lange Zeit als zu teuer und zu schwierig. Doch mehr als zehn Jahre haben Bürgerinnen und Bürger sowie Kommunen nicht locker gelassen und mit teilweise skurrilen Protestaktionen für die Wiederöffnung "ihrer" Albtalstraße gekämpft.
Wiedereröffnung des Albtals war lange fraglich
Die hohen Kosten und der Naturschutz - das waren die Knackpunkte, wegen denen eine Sanierung der Landstraße lange Zeit als unmöglich galt. In den ersten Berechnungen war von Kosten von 20 bis 30 Millionen Euro für die Sicherung der Straße auf einer Länge von 2,5 Kilometern die Rede.
Zudem standen die Bauarbeiten in der Schlucht, in der seltene Tiere und Pflanzen leben, im Widerspruch zum Naturschutz. Das Albtal ist Natur-, Landschafts- und Vogelschutzgebiet mit europaweitem Schutzstatus. Nach ersten Voruntersuchungen sagte der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) im Februar 2022 dem SWR, dass die Finanzierung schwierig sei. Und er selbst sei auch skeptisch, ob die EU dem geplanten Eingriff in das Naturschutzgebiet überhaupt zustimmen würde.
Das ist sehr fraglich, ob man das bei der EU überhaupt rechtlich durchbekommt.
Abgespeckter Sanierungsplan macht es möglich
Inzwischen hat das Landratsamt Waldshut die Planung des Projekts vom Land übertragen bekommen und ein neues, deutlich abgespecktes Sanierungskonzept erstellt. Die Kosten konnten auf 13 Millionen Euro gesenkt werden.
Auch das Genehmigungsverfahren wurde vereinfacht. Ein förmliches Planfeststellungsverfahren sei nicht mehr notwendig, so das Landratsamt Waldshut.
Es ist gemeinsam gelungen, Sicherheit, Naturschutz und Wirtschaftlichkeit in Einklang zu bringen.
Umweltschutzverbände ziehen Widerspruch zurück
Mit dem neuen Sanierungskonzept seien der Umfang der Arbeiten und der Eingriff in Natur und Landschaft deutlich reduziert worden, so das Landratsamt Waldshut. Deswegen würden die neuen Naturschutzgutachten positiver ausfallen als die älteren.
Gerhard Bronner, der Vorsitzende des Landesnaturschutzverbandes Baden-Württemberg, sagte, dass er die Öffnung der Albtalstraße eigentlich für verkehrstechnisch unnötig und angesichts der Kosten für nicht verantwortbar halte. Trotzdem hätten Umweltschutzverbände ihren Widerspruch zurückgezogen. Denn es sei gelungen, den Eingriff in hochwertige Biotope auf einen Bruchteil zu reduzieren.
Eigentlich unnötig und nicht verantwortbar!
Albtalstraße ist ein historisches Baudenkmal
Die Albtalstraße wurde vor rund 170 Jahren gebaut und gilt als Bau- und Kulturdenkmal. Sie verbindet den Hochrhein mit dem Hotzenwald und ist auch bei Touristen beliebt. Denn sie schlängelt sich malerisch an steilen Felswänden entlang durch die Schlucht, die die Alb über Jahrhunderte gegraben hat.
Die hiesige Bevölkerung bekommt ein Stück Heimat zurück.
Die Straße ist vor allem für ihre fünf in den Felsen hinein geschlagene Tunnel bekannt. Eine Gruppe, die sich nach dem historischen Vorbild der aufständigen Hotzenwälder die "Salpeterer" nennt, hatte seit der Schließung für die Wiederöffnung der Verbindungstraße gekämpft. Mit skurrilen Aktionen, lauten Protesten, aber auch mit konstruktiven Vorschlägen.
Im Jahr 2024 hat das SWR Fernsehen über den teils skurrilen Protest berichtet:
Erleichterung und Freude bei Bürgern und Kommunen
Die Abgeordneten von Bund und Land aller Parteien reagierten erfreut über die Nachricht, dass die Bauarbeiten nun begonnen haben. Der Waldshuter Landrat Martin Kistler spricht von einer gemeinsamen Anstregung. Er dankte Verkehrsminister Winfried Hermann, den Salpeterern und den Naturschutzverbänden, die sich gemeinsam kompromissbereit gezeigt hätten. Die für das Albtal gefundene Lösung könne ein Blaupause für andere Vorhaben sein.
Spatenstich für die Felssicherungen Meinung: Wiedereröffnung der Albtalstraße - eine vertane Chance
Zehn Jahre lang war die Albtalstraße gesperrt, nun soll sie wieder freigegeben werden. Doch die nötigen Felssicherungen sind teuer - zu teuer, meint SWR-Reporterin Petra Jehle.
Akute Lebensgefahr während der Bauzeit
Zehn Monate wird es dauern, um die Felsen zu sichern. Weil das Albtal ein Naturschutzgebiet ist, werden die Arbeiten auf zwei Jahre verteilt und jeweils in die Wintermonate gelegt. Im Herbst/Winter 2026/2027 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.
Die steilen Felsen sollen an 19 Flächen mit Netzen überspannt und an 28 Abschnitten mit Schutzzäunen gesichert werden. Weil die alten Absperrungen immer wieder von Fussgängern und Wanderern zur Seite geschoben wurden, hat das Landratsamt Waldshut nun die Sicherheitsvorkehrungen verschärft. Während der Bauarbeiten herrsche akute Lebensgefahr, so die Behörde. Auch der Albsteig, der oberhalb der Schlucht verläuft, wurde vorübergehend gesperrt. Es wurde Sicherheitspersonal abgestellt, das die Baustelle überwacht.