Folgen von Extremwetterlagen

Erdrutsche und Felsstürze: Auf den Straßen im Südschwarzwald steigt die Gefahr

Im Südschwarzwald gibt es immer häufiger Felsstürze und Erdrutsche. Grund sind extreme Wetterereignisse als Folge des Klimawandels. Eine Herausforderung für den Straßenbau.

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Von Autor/in Petra Jehle

Die Zahl der Felsstürze im Südschwarzwald hat zugenommen, so die Experten des Landesamtes für Geologie, Rohstoffe und Bergbau (LGRB) beim Regierungspräsidium Freiburg. Eine umfassende Statistik gibt es nicht, denn Felsstürze, Steinschläge und Erdrutsche sind nicht meldepflichtig und werden deshalb nicht zentral erfasst. In den Landkreisen Waldshut und Lörrach wurden in den letzten fünf Jahren 37 größere Felsabgänge erfasst, mehr als in den Jahren zuvor, so das LGRB. Ein Grund dafür sind die Folgen des Klimawandels: extreme Wetterlagen und starke Regenfälle erhöhen die Gefahr, bestätigt Geologe Dominik Ehret vom LGRB.

Felsstürze im Schlüchttal

In alpinen Gebieten sind Felsstürze nicht ungewöhnlich, so Ehret, sie bestehen aus Granit und Gneis. Wenn sich Felsen aus Höhen von 100 Metern lösen und mit hoher Wucht nach unten donnern, kann das schwere Schäden verursachen. Wie es am 27. Juli im Schlüchttal (Kreis Waldshut) passiert ist. Ein tonnenschwerer Felsbrocken löste sich und zerschlug einen neu gebauten Schutzzaun aus Metall. Ein zweiter Felsbrocken flog über den Zaun, hierließ Löcher auf der asphaltierten Straße und donnerte dann auf der anderen Straßenseite ins Wasser der Schlücht.

Die Gefahr von Felsstürzen und Erdrutschen in den Tälern des Südschwarzwaldes ist gestiegen
Er hatte mehr Energie und mehr Gewicht als bisher angenommen. Nach dem jüngsten Felssturz ist das Schlüchttal vorerst gesperrt. Enrico Mock

Auch für das Straßenbauamt im Landkreis Waldshut war das ein außergewöhnlicher Felssturz, so Michael Bauer. Aus Sicherheitsgründen wird der Abschnitt täglich von den Mitarbeitenden des Straßenbauamts im Landkreis Waldshut kontrolliert. 2023 wurden dort nach mehreren Felsstürzen bereits Sicherheitszäune zur Felssicherung angebracht. Diese haben zwar einen großen Teil der Steine aufgehalten, aber eben nicht alle. Seit dem Felssturz im Juli ist die betroffene Straße bis auf Weiteres gesperrt. Für Anwohner, Pendler und Touristen bedeutet das weite Umwege.

Ein Hangrutsch wie in Riedlingen?


Was ein Erdrutsch auslösen kann, hat das Zugunglück Riedlingen (Kreis Biberach) auf schreckliche Weise gezeigt: drei Menschen starben und 36 Menschen wurden verletzt. Langanhaltende Regenfälle und große Regenmassen führen immer öfter dazu, dass Hänge abrutschen.

Wir gehen davon aus, dass es durch den Klimawandel auch eine Zunahme solcher Ereignisse geben wird.

Hangbewegungen auch in der Wutachschlucht

Ein Problem, mit dem auch die Straßenbauer in der Wutachschlucht (Kreis Waldshut) seit Jahrzehnten kämpfen. Die Schlucht ist aus der Sicht von Geologen noch vergleichsweise jung. Laut Christine Ernst vom Regierungspräsidium Freiburg gibt es dort seit 20.000 Jahren eine sogenannte Großrutschung, also eine geologische Hangbewegung. Mitten durch die Schlucht führt eine Verbindungsstraße, deren Befestigung und Sicherung eine Daueraufgabe ist. Mehrfach wurden Sicherungspfeiler aufgebracht und rutschende Straßenabschnitt neu asphaltiert - vergeblich.

 Tiefer Riss im Asphalt an der L170 an der Wutachschlucht.
Der Riss auf der L170 bei der Wutachschlucht ist etwa 10 cm breit und rund einen Meter tief.

Bei einer Messung hat sich gezeigt, dass ein Straßenabschnitt der Verbindungsstraße bis zu zwei Zentimeter pro Woche den Hang hinab gerutscht war. Als Sofortmaßnahme wurde eine provisorische Entwässerung eingebaut. Der Streckenabschnitt wurde halbseitig gesperrt. Fahrzeuge, die mehr als 3,5 Tonnen wiegen, dürfen die Verbindungsstraße nicht nutzen.

Die Gefahr von Felsstürzen und Erdrutschen in den Tälern des Südschwarzwaldes ist gestiegen
Mehrere Asphaltschichten sollten der Landstraße in der Wutachschlucht Halt geben. Nun steht eine Generalsanierung an. Enrico Mock

"Wir haben zur Überprüfung der Sicherheit Messsysteme eingebaut, die uns immer digital die Werte liefern. Sobald sich der Hang arg oder ruckartig bewegt, werden wir alarmiert", so Christina Ernst, Projektleiterin Wutachschlucht im Regierungspräsidium Freiburg. Nach umfangreichen Planungen soll am 11. August die Sanierung der Straße beginnen. Sie wird etwa acht Monate dauern und 1,5 Millionen Euro kosten.

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