Der Regen der vergangenen Wochen hat auch seine guten Seiten: Schon jetzt sprießen zahlreiche Pilze aus Baden-Württembergs Waldböden. Einige sogar etwas früher als gewöhnlich. Wem bei dem Gedanken an eine saftige Pilzpfanne jetzt schon das Wasser im Mund zusammenläuft, der muss sich nicht bis zum Herbst gedulden. Die Sammel-Saison ist eröffnet.
Wo kann man jetzt schon Pilze finden?
Liss Hoffmann vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) zufolge wird man aktuell vor allem da fündig, wo es in den vergangenen Wochen viel Niederschlag gegeben hat. Wer dort in Laub- und Mischwäldern sucht, habe große Chancen auf Erfolg. Sie empfiehlt, an Wegen und Waldrändern zu suchen. Besonders pilzreich sind demnach Wälder mit alten Bäumen und Totholz.
Welche Pilze kann man schon im Sommer finden?
Pfifferlinge, Sommer-Steinpilze, Röhrlinge, Täublinge, Bovisten und sogar Birkenpilze: Wer Glück hat, kann all diese Delikatessen jetzt schon in den Wäldern entdecken. Auch Krause Glucken, Schopf-Tintlinge, Große Schmierlinge und Wiesenchampignons sprießen schon in den heimischen Wäldern.
Durch die Regengüsse gebe es zudem schon Fichtenpilze, sagt Liss Hoffmann vom BUND. Ein SWR-Team war diese Woche mit einer Pilzexpertin bei Hinterzarten (Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald) unterwegs und stieß dort unter anderem auf Trompetenpfifferlinge. Laut der Expertin ungewöhnlich früh.
Wie viele Pilze darf man aus dem Wald mitnehmen?
Das Ministerium für Ländlichen Raum in Baden-Württemberg weist darauf hin, dass nur "geringe Mengen zum eigenen Verbrauch" gesammelt werden dürfen. Hoffmann spricht von maximal einem Kilo pro Person. Um nicht zu viel einzupacken, empfiehlt sie die "Handstraußregel": Also nicht mehr sammeln, als man gut in der Hand transportieren kann. Wen die Gier packt, dem droht ein Bußgeld.
Worauf muss man beim Pilze sammeln noch achten?
Wie immer gilt natürlich: Nur Pilze sammeln, bei denen man sicher ist, dass sie nicht giftig sind. Außerdem: Pilze mit einem Messer abschneiden oder vorsichtig herausdrehen, damit das Myzel - also die "Wurzel" - keinen Schaden nimmt. Das Loch, das der Pilz im Boden hinterlässt, sollte man wieder zudecken.
Und: Nicht überall dürfen Pilze entnommen werden. In Naturschutzgebieten, Nationalparks und Aufforstungsflächen ist das Sammeln von Pilzen grundsätzlich verboten. Einige essbare Pilzarten wie Schwarzhütige Steinpilze, Kaiserlinge, Schafporlinge und Tuber dürfen generell nicht gepflückt werden.
Verwechslungsgefahr: Achtung vor ungenießbaren und giftigen Pilzen
Bei all der Freude über die ungewöhnlich frühen Pilzfunde gilt: Bei manchen Pilzen sollte man genau hinschauen - Verwechslungsgefahr! Der Steinpilz und der Gallenröhrling sehen sich sehr ähnlich. Zwar ist der Gallenröhrling ungiftig, schmeckt aber extrem bitter. Erkennbar ist der Gallenröhrling an einem netzartigen Muster entlang des Stiels und an rosafarbenen Poren bei größeren Pilzen.
Auch der Pfifferling hat einen Doppelgänger, der dem Magen nicht gut bekommt - den "Falschen Pfifferling". Während der Pfifferling einen goldgelben Hut hat, ist der Falsche Pfifferling orange bis rötlich gefärbt. Seine Lamellen lassen sich leicht vom Hutfleisch lösen. Der Pfifferling hat hingegen Leisten, die am Stiel herablaufen.
Expertin: Pilze nicht per App bestimmen
Wer sich unsicher ist, ob der gesammelte Pilz auch tatsächlich zum Verzehr geeignet ist, sollte den Pilz stehen lassen oder sich an eine oder einen der zahlreichen Pilzsachverständigen der Deutschen Gesellschaft für Mykologie wenden. Über eine Karte auf der Website lässt sich die passende Ansprechperson in der Region finden. Liss Hoffmann rät davon ab, Pilze mit einer App, Fotos oder Videos zu bestimmen.
Was tun bei Verdacht auf Vergiftung?
Wer befürchtet, sich an einem Pilz vergiftet zu haben, sollte sich dringend Hilfe suchen. Übelkeit, Erbrechen, Magenschmerzen, Durchfall sowie Herz-Kreislauf-Probleme sind typische Symptome einer Pilzvergiftung. Sie können innerhalb weniger Stunden nach dem Verzehr eines giftigen Pilzes auftreten, aber auch erst Tage danach. In Baden-Württemberg ist für solche Fälle die Vergiftungs-Informations-Zentrale in Freiburg zuständig. Sie ist unter der Telefonnummer 0761/19240 zu erreichen.