Erfolgreiches Projekt soll ausgeweitet werden

Wie "Kältepools" Fischen bei Hitze das Leben retten

Große Hitze, niedriger Pegel: Für viele Fische wird die Dreisam aktuell zur Todesfalle. Die extra angelegten Kältepools sollen sie schützen - mit Erfolg. Doch ein Problem bleibt.

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Von Autor/in Nikolaus Rhein

Auch in diesem Sommer hat die Dreisam bei Freiburg wieder mit Niedrigwasser zu kämpfen. Die in einem "V" angeordneten Baumstämme fallen einem daher umso mehr ins Auge: In der Freiburger Innenstadt auf Höhe der Brauerei Ganter erstrecken sie sich in regelmäßigen Abständen auf einer Länge von 400 Metern. Es mag auf den ersten Blick nicht so aussehen - aber genau diese Baumstämme retten gerade Leben.

Kältepool: Kühler Rückzugsort für Fische seit 2022

Durch den gesunkenen Pegel heizt sich die Dreisam aktuell besonders stark auf, an manchen Stellen misst der Fluss über 30 Grad - lebensgefährlich für Fische. Viele Arten sterben schon bei deutlich niedrigeren Temperaturen. Andere schwimmen umher und suchen nach kälteren Bereichen. Bei den vor ein paar Jahren extra angelegten Kältepools werden sie fündig.

2022 hat das Land Baden-Württemberg in Zusammenarbeit mit dem Regierungspräsidium Freiburg, dem Landesfischereiverband Baden-Württemberg und der IG Dreisam die Kältepools angelegt. Seitdem wurde immer mal wieder nachgebessert, das letzte Mal im vergangenen Sommer. Inzwischen gibt es die Kaltwasserbecken in der Dreisam an drei Stellen: In der Freiburger Innenstadt, bei Nimburg und bei March-Buchheim.

Kältepool an der Dreisam in Freiburg
In Freiburg wurden auf Höhe der Brauerei Ganter Kaltwasserbecken auf einer Länge von 400 Metern angelegt. Ingo Kramer, Landesfischereiverband Baden-Württemberg

Mehr Fische, höhere Biodiversität - Kältepools zeigen Wirkung

Mit viel Aufwand wurden die künstlichen Becken gebaut. Doch dieser Aufwand hat sich gelohnt: Denn seit es die Kältepools gibt, habe sich der Fischbestand in der Dreisam erheblich verändert, sagt Ingo Kramer vom Landesfischereiverband Baden-Württemberg. Die Pools zeigten Wirkung, so der Biologe.

Wir hätten nie gedacht, dass das so ein großer durchschlagender Erfolg ist, für die Fische und die Biodiversität in der Dreisam. Wir haben in diesen Kaltwassergebieten eine deutliche Zunahme der Fischarten.

Ein Kältepool aus der Vogelperspektive
So sehen die Kältepools aus der Vogelperspektive aus: Zwei Baumstämme bilden ein V und kanalisieren so die Strömung. Direkt hinter den Baumstamm-Buhnen befindet sich das ausgebaggerte und bis zu zwei Meter tiefe Becken. Ingo Kramer, Landesfischereiverband Baden-Württemberg

So war zum Beispiel die Bachforelle als typischer Dreisam-Fisch vor ein paar Jahren nahezu aus dem Fluss verschwunden. Nun kommt sie im Bereich der Pools wieder deutlich häufiger vor. "Die Fische brauchen diese Rückzugsmöglichkeiten und kalten Temperaturen, um überhaupt weiter existieren zu können", sagt Kramer. Vor allem die Bachforelle könne bei dem aufgeheizten Flusswasser im Prinzip nur in den Kaltwasserpools überleben.

Abkühlung für Fische: Viele Flüsse sind zu warm

Wegen ihres positiven Effekts sollen künftig weitere Kältepools in der Dreisam angelegt werden: Bei Nimburg sollen laut dem Regierungspräsidium Freiburg drei weitere Kältepools entstehen. Auch in der benachbarten Elz gibt es bereits Kältepools: Bei Teningen und Emmendingen würden Ende Juli zwei weitere solcher Pools gebaut, so das Regierungspräsidium.

An der Kinzig und der Rench (Ortenaukreis), der Wiese (Kreis Lörrach) und der Wutach (Kreis Waldshut) wurden zuletzt ebenfalls kühle Rückzugsmöglichkeiten für Fische angelegt. Der Erfolg der Kältepools wird auch außerhalb von Baden-Württemberg registriert: Immer mehr Bundesländer hätten großes Interesse daran, solche Becken in ihren Gewässern anzulegen, berichtet Kramer.

Fische im Kältepool in der Dreisam
Angenehme Temperatur: In den Kaltwasserpools in der Dreisam können sich Fische abkühlen.

Ein Kältepool kostet zwischen 25.000 und 30.000 Euro

Taugt die Dreisam also als Modellprojekt? "Wenn man ganz ehrlich ist, dann hat die Schweiz damit angefangen", sagt Kramer. Als dort am Hochrhein kalte Zuflüsse erweitert wurden, hätten die Fische schnell gemerkt, wo das kühlere Wasser herkommt. Sie seien gezielt dorthin geschwommen, um sich vor den hohen Temperaturen zu retten.

Das war Anlass für uns, in der Dreisam diese kalten Grundwasserstellen zu finden und dort die Pools anzulegen.

Flächendeckend wird es die Kältepools laut Kramer allerdings wohl erst einmal nicht geben. Denn Planung, Genehmigung und das Ausbaggern der Becken - all das ist sehr teuer: Ein einzelner Pool kostet laut Regierungspräsidium Freiburg zwischen 25.000 und 30.000 Euro. Denn zusätzlich zu dem eigentlichen Anlegen müssten die Becken auch vor Hochwasser geschützt werden, damit die Baumstamm-Buhnen bei stark angestiegenem Pegel nicht wegschwimmen.

Störfaktor Mensch: Badegäste vertreiben Fische

Aber der eigentliche Risikofaktor sind nicht mögliche Hochwasser, sondern der Mensch: Wenn Badende die Pools für eine schnelle Abkühlung nutzen, verscheuchen sie die Fische, sagt Kramer. Das Problem daran: Wegen des stark aufgeheizten Flusswassers fänden die Fische keine anderen Rückzugsorte.

Die Fische die ich aus einem solchen Pool verscheuche, weil sie Angst haben, weil sie fliehen müssen vor dem zu starken Besucherdruck, die schicke ich in den sicheren Tod.

Zum Schutz der Fische: Erst Infoschilder - und dann Badeverbote?

Kramer hat nicht grundsätzlich etwas gegen das Baden in der Dreisam. Aber bei den Kältepools stört es ihn. Er wünscht sich, dass die Menschen die Pools, "die extra für die Fische sind, schützen und dort nicht ins Wasser gehen." Allerdings bezweifelt der Biologe, dass es ausreicht, an die Vernunft der Badenden zu appellieren. Aus seiner Sicht brauche es Badeverbote in Teilen der Dreisam.

Das Regierungspräsidium Freiburg hat nun in einem ersten Schritt reagiert und zumindest Infoschilder an den Kältepools aufgestellt. Falls das nicht ausreiche, um die Menschen zu sensibilisieren, seien auch Badeverbote im Bereich der Kältepools eine ernsthafte Option. Der Großteil der Dreisam bleibe aber in jedem Fall frei zugänglich.

Für die Menschen wäre ein teilweises Badeverbot wahrscheinlich zu verschmerzen. Für viele Fische in der Dreisam könnte es dagegen der letzte Rettungsanker sein.

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Nikolaus Rhein
Nikolaus Rhein ist Reporter für Hörfunk, Online und Fernsehen beim SWR im Studio Freiburg.

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