Noch zwei Wochen, dann wird das Deutschlandticket erneut teurer. 63 Euro wird es dann kosten. Was sagen Pendlerinnen und Pendler zu der Preissteigerung?
Auf Gleis 2 am Bahnhof in Emmendingen herrscht dichtes Gedränge. Auch Tim Hartmann ist unter den Pendlern. Um zu seiner Berufsschule in Freiburg zu kommen, nutzt der 17-jährige Azubi das Deutschlandticket.
Dass das bald teurer wird, ist für Tim nicht wirklich nachvollziehbar: "Es heißt ja immer, man soll auf die Deutsche Bahn umsteigen, weil die so zuverlässig ist. Aber es ist schon schwierig, wenn sie immer teurer wird." Der Azubi ist aufs Deutschlandticket angewiesen - und hat Glück: Denn sein Ausbildungsbetrieb übernimmt 75 Prozent des Ticketpreises. Daran wird auch die Preissteigerung auf 63 Euro nichts ändern.
Aus 9 Euro sind 63 Euro geworden
Das Deutschlandticket ist im Sommer 2022 als 9-Euro-Ticket gestartet. Mit dem niedrigen Preis wollte die Bundesregierung die Bürger entlasten, da wegen des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine die Energiepreise stark angestiegen waren. Ein knappes Jahr später wurde das Ticket dann offiziell auf den Weg gebracht - für 49 Euro im Monat. Anfang 2025 wurde der Preis auf 58 Euro erhöht. Ab Januar 2026 werden es 63 Euro sein. Hintergrund ist ein Streit um die Finanzierung des Tickets zwischen Bund und Ländern.
Eigentlich soll das Deutschlandticket Anreize für die Menschen schaffen, verstärkt auf Bus und Bahn umzusteigen. Dass es nun erneut teurer wird, können viele der rund 1,8 Millionen Deutschlandticket-Inhaber in Baden-Württemberg nicht nachvollziehen. Denn nicht alle genießen den Vorteil, dass der eigene Arbeitgeber das Ticket fördert.
Faires Angebot oder verkehrspolitische Fehlleistung?
Wo liegt die Schmerzgrenze? Denn klar ist auch, dass es auf lange Sicht nicht bei der künftigen Preiserhöhung auf 63 Euro bleiben wird. Mehr zahlen oder das Abo kündigen? Diese Fragen stellen sich für die Menschen in Baden-Württemberg. Bei einer SWR-Umfrage am Stuttgarter Hauptbahnhof fallen die Reaktionen auf die Teuerung unterschiedlich aus. "Weil die Bahn so unzuverlässig ist, sollte man eigentlich beim alten Preis bleiben", findet eine Reisende. "Bei 49 Euro hat es sich noch richtig gelohnt. Aber bei 63 Euro bin ich wirklich am überlegen", meint ein anderer.
Auch eine weitere Reisende sieht die Preiserhöhung kritisch: "Eigentlich soll das Angebot ja der breiten Masse zugänglich sein. Und umso teurer es wird, umso mehr Leute werden dann wieder ausgeschlossen." Es gibt aber auch Reisende, für die der höhere Preis gerechtfertigt ist: "Das ist wahrscheinlich trotzdem noch ein in Europa einmaliges Angebot", meint zum Beispiel ein Reisender.
Verkehrsclub Deutschland kritisiert teureres Deutschlandticket
Deutliche Kritik kommt vom Verkehrsclub Deutschland (VCD). Die Teuerung trage nicht dazu bei, mehr Menschen für klimafreundlichere Verkehrsmittel wie die Bahn zu gewinnen. Im Gegenteil:
Bei höheren Preisen springen Leute ab: Bei der letzten Preiserhöhung Anfang des Jahres waren es rund eine Million Kunden.
Außerdem seien die Preissteigerungen überproportional hoch, so Gero Teuner vom VCD: "Innerhalb von zweieinhalb Jahren waren es 29 Prozent. Das ist deutlich über der normalen Preissteigerung."
Trotz Preiserhöhung: Abozahlen bleiben stabil - vorerst
Doch was sagen die Zahlen: Springen jetzt, bevor das Deutschlandticket in zwei Wochen fünf Euro teurer wird, mehr Leute ab als sonst? Wie viele Baden-Württemberger ihr Abo zum neuen Jahr gekündigt haben, kann das Landesverkehrsministerium noch nicht sagen.
In Freiburg jedenfalls bleiben die Abozahlen bislang stabil. Wie der Regio-Verkehrsverbund Freiburg (RVF) mitteilt, sind "nach aktuellem Stand nicht mehr Kündigungen als sonst im Monatsmittel üblich eingegangen." Auch die letzte Preisanpassung Anfang des Jahres habe zu keinem Rückgang bei den Abos geführt, so der RVF.
Der 17-jährige Azubi Tim Hartmann wird sein Deutschlandticket jedenfalls vorerst nicht kündigen - nicht zuletzt dank der Unterstützung seines Arbeitgebers.