Der Sommer ist traditionell nicht die allerbeste Jahreszeit für die Kinos. Erst recht nicht, wenn die Hitze die Menschen eher ins Freibad als in den Kinosessel treibt. Oder hat die Aussicht auf klimatisierte Säle doch den ein oder anderen Besucher mehr in die Lichtspielhäuser gelockt? Die Sommerbilanz der Kinos fällt jedenfalls gar nicht so schlecht aus, wie Beispiele aus der Region Freiburg bestätigen.
Der Branchenverband der Kinobetreiber HDF Kino e.V. spricht gar von Aufbruchstimmung in der Branche. Die Gesamtentwicklung sei positiv, sagt Pressesprecherin Barbara Löblein: "Wir sind damit weiter auf Aufholjagd zum Vorpandemie-Niveau." Das deckt sich auch mit der Erfahrung einiger Kinos in Südbaden, die überwiegend zufrieden sind mit dem Sommer und der Entwicklung der Besucherzahlen.
Hochschwarzwald: Touristen kommen ins Kino
Leopold Winterhalder vom Krone-Theater in Titisee-Neustadt (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) ist zufrieden: Der Kinosommer war gut, die Besucherzahlen seien im Vergleich zum letzten Jahr um gut 20 Prozent gestiegen. Was ihm aufgefallen ist: Es kamen dieses Jahr mehr Touristinnen und Touristen ins Kino. Das führt Winterhalder darauf zurück, dass die deutschsprachigen Urlauberinnen und Urlauber in der Region zugenommen haben.
Unsere Besucherzahlen sind zum Glück stetig gestiegen. Dieses Jahr sollten wir das Vor-Corona-Niveau wieder erreichen.
Sonderveranstaltungen gibt es im Krone-Theater in der heißen Zeit nur wenige, stattdessen setzt Winterhalder auf Formate im Freien: "Regisseurbesuche und Kleinkunst tun sich im Sommer schwer. Dafür haben wir dieses Jahr alle unsere Open-Air-Abende durchführen können." Besonderen Erfolg haben im Sommer Familienfilme, erklärt Winterhalder.
Auf eine Klimatisierung hat das Krone-Theater bisher verzichtet. In diesem Jahr haben sie die Hitze auch im Hochschwarzwald zu spüren bekommen, aber die Temperaturen im Kinosaal seien erträglich gewesen, so Winterhalder.
Die kleinen Kinos machen Sommerpause
Viele Kinos - vor allem kleinere - machen jedes Jahr eine Sommerpause. Zum Beispiel das Capitol Lichtspieltheater in Villingen-Schwenningen, dessen Programm von Oktober bis Mai läuft. Im Kommunalen Kino in Offenburg ist die Sommerpause kürzer, aber notwendig: Es gibt dort keine Klimaanlage, sondern nur eine Lüftung. Damit wird es in den Räumen zu heiß, also bleibt der Vorhang von Mitte Juni bis Mitte September verschlossen.
Das Kommunale Kino Offenburg ist eingebettet in das soziokulturelle Zentrum "KiK - Kultur in der Kaserne" und hat im Frühjahr sein 40-jähriges Bestehen gefeiert. Die Besucherzahlen sind mittlerweile wieder stabil. Bei "Kultur im Kino" in Lenzkirch (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) ist die Pandemie-Erholung dagegen noch nicht so recht angekommen. In der Zeit von Mai bis Juli wurden die Vorführungen nur wenig besucht. Das Kino wurde 1949 erbaut und ist nicht klimatisiert - im August war daher geschlossen.
"Heiße Sommer ziehen niemanden ins Kino"
Die Besucherzahlen in den Freiburger Kinos seien deutlich gestiegen, sagt Ludwig Ammann, Betreiber der Freiburger Programmkinos Friedrichsbau, Harmonie und Kandelhof. Damit nähern sich die Kinos den vor der Corona-Pandemie üblichen Zahlen. Vor allem die kleineren Lichtspielhäuser hätten dieses Niveau teilweise bereits wieder erreicht.
Einen "Hitze-Effekt" sieht Ammann aber nicht, im Gegenteil: Kino sei ein stark saisonales Geschäft, das im Herbst und Winter gut läuft und im Frühjahr und Sommer eher schwächelt. Bei sonnigem Wetter seien die Leute eben lieber im Straßencafé als im Kino.
Open-Air-Kino in Freiburg mit neuem Rekord
Das Open-Air Kino hingegen hat vom Sommer profitiert. Das "Sommernachtskino" im Schwarzen Kloster in der Freiburger Innenstadt zählte nach Ammanns Angaben knapp 19.000 Besucherinnen und Besucher. Das ist ein neuer Rekord: Fast ein Drittel mehr Besucherinnen und Besucher als der bisherige Rekord aus dem Vorjahr. Ammann spricht von einer "Lebensversicherung" für seine Kinos.
Blockbuster und klimatisierte Kinosäle lockten Besucher
Das Cineplex in Lörrach zieht nach dem Sommer ebenfalls eine positive Bilanz. Entscheidend für die guten Besucherzahlen seien vor allem starke Filme: Besonders "Die Odyssee" und "Spider-Man" waren stark nachgefragt. Auch "Minions & Monster" und "Steckerlfischfiasko" gehören hier zu den erfolgreichsten Filmen des Sommers.
Insbesondere Stammgäste haben uns berichtet, dass sie an heißen Tagen bewusst die angenehmen Temperaturen im klimatisierten Kinosaal gesucht haben.
Das Cineplex in Lörrach war eins von mehr als 700 Kinos, das am zweiten Septemberwochenende am "KINOFEST" teilgenommen hat: Zwei Tage lang kostete der Eintritt für alle Filme fünf Euro. Bundesweit war es das besucherstärkste Wochenende seit 20 Jahren, berichtet Barbara Löblein vom HDF Kino e.V. Wie auch in Lörrach waren "Die Odyssee" und "Spider-Man" besonders beliebt: Sie knackten mit dem "KINOFEST" die Vier- beziehungsweise Fünf-Millionen-Besuchermarke in Deutschland.
Positiver Trend - auch im ländlichen Raum
Es besteht also Hoffnung für alle Popcornfans. Und das nicht nur in den großen Städten: Die Kinos im ländlichen Raum haben in der ersten Jahreshälfte knapp 20 Prozent mehr Tickets verkauft als im Vorjahreszeitraum, so der Branchenverband HDF. Mit dem Herbstanfang ist jetzt sowieso erstmal wieder Kinozeit. Und da öffnet sich auch dort, wo es im Sommer zu heiß war, wieder der Vorhang: Das Kommunale Kino in Offenburg beispielsweise startet mit "Das Leben ist eine Baustelle" in die Saison.