Braune Wiesen, vertrocknete Straßenbäume und trockene Beete gehören in vielen Städten Südbadens inzwischen zum Sommerbild. Die anhaltende Hitze und ausbleibender Regen setzen dem Stadtgrün massiv zu. Mit Bewässerungsfahrzeugen und zusätzlichen Gießaktionen versuchen die Kommunen, zumindest einen Teil der Bäume vor dem Absterben zu bewahren.
Freiburg verliert an Grün
Besonders deutlich wird das Problem in Freiburg. Im Hitzecheck 2026 der Deutschen Umwelthilfe wird die Stadt für ihr Management gegen die Hitze kritisiert. Bemängelt werden unter anderem ein hoher Anteil versiegelter Flächen, zu wenig Vegetation und der Verlust zahlreicher Bäume in den vergangenen Jahren. Rund 5.000 von ihnen hat die Stadt seit 2018 verloren. Durch das fehlende Grün heizt sich Freiburg im Sommer stärker auf und natürliche Kühlung geht verloren.
Entsiegelung von Flächen Weniger Beton und Asphalt: Warum das für Hitzeschutz in Städten immer wichtiger wird
Um der Hitze entgegenzuwirken, setzen Städte in BW diverse Hitzeschutzmaßnahmen um. Doch gerade bei der Entsiegelung von Flächen gibt es Nachholbedarf - und spielerische Ansätze.
Die Stadt reagiert mit verstärkter Bewässerung ihrer Straßen- und Parkbäume. Vor allem junge Bäume werden regelmäßig gegossen, weil ihre Wurzeln noch nicht tief genug reichen, um Trockenperioden allein zu überstehen. Dennoch lassen sich Schäden nicht immer verhindern. "Der Hitzeeinwirkung auf Kronen und Blätter der Bäume können wir leider nicht entgegenwirken", erklärt die Stadt Freiburg auf Nachfrage des SWR.
Auch die Bewässerung von großen Altbäumen sei nicht möglich. Denn diese benötigen bis zu 200 Liter Wasser pro Tag. Diese "ließen sich zum einen nicht herbeibringen und zum anderen aufgrund der baulichen Situation an Straßen auch kaum in den Boden einbringen."
Hunderttausende Liter Wasser für Stadtbäume
Auch andere Städte kämpfen gegen die Folgen der Hitze. In Offenburg sind während Trockenphasen täglich Mitarbeitende der Technischen Betriebe mit Tankfahrzeugen unterwegs. Nach Angaben der Stadt werden dabei rund 160.000 Liter Wasser pro Tag für Straßenbäume, Grünanlagen und Stauden eingesetzt.
In Offenburg, aber auch in Lörrach kommen dafür sogenannte Gießsäcke zum Einsatz, die das Wasser über mehrere Stunden langsam an den Boden abgeben. Trotzdem zeigen inzwischen selbst hitzeresistente Pflanzen deutliche Trockenschäden.
Mehr Bäume gegen die Hitze
Für Anna Polášek, Stadträtin in Freiburg (Volt), reichen Bewässerungsmaßnahmen allein nicht aus. Die Waldwissenschaft-Studentin fordert eine konsequentere Begrünung öffentlicher Räume. "Wir brauchen eine richtige Pflanzwut und müssen anerkennen, dass Bäume kritische Infrastruktur sind", sagt die Stadträtin auf ihrem Instagram-Kanal.
Gemeinsam mit ihrer Parteikollegin und Stadträtin Felicia Fehlberg hat sie zu einem gemeinsamen Stadtbaum-Gießen am Mittwochabend aufgerufen. Die beiden wollen Bürger ermutigen, mindestens 100 Liter auf einmal pro Baum zu gießen, damit sie durch die nächste Hitzewelle kommen.
Auch Flüsse und Bäche leiden unter der Trockenheit
Die anhaltende Trockenheit belastet nicht nur Bäume und Grünanlagen, sondern auch die Gewässer. Im Landkreis Lörrach ist die Entnahme von Wasser aus Bächen, Flüssen und Seen deshalb bereits seit Ende Juni verboten. Grund sind die außergewöhnlich niedrigen Wasserstände und hohen Wassertemperaturen, die Fische, Wasserpflanzen und andere Lebewesen zusätzlich unter Stress setzen.
Klimaanpassung wird zur Daueraufgabe
Nicht nur Freiburg, Offenburg oder Lörrach reagieren auf die zunehmende Trockenheit. Viele Kommunen in Südbaden investieren inzwischen in zusätzliche Bewässerung, hitzeresistentere Baumarten und mehr Begrünung. Denn langfristig wird es darauf ankommen, Städte umzubauen – mit mehr Bäumen, weniger versiegelten Flächen und mehr Platz für Grün.
In Freiburg gibt es dafür schon seit 2018 ein Klimaanpassungskonzept. So will die Stadt die Folgen von Hitze und Starkregen künftig besser abfedern. Dabei setzt sie unter anderem auf mehr Grünflächen, zusätzliche Bäume und das Prinzip der "Schwammstadt": Regenwasser soll möglichst vor Ort gespeichert werden, statt schnell abzufließen. So sollen Städte auch bei zunehmender Hitze kühl bleiben und gleichzeitig besser mit Starkregen umgehen können.