Ob die Rinder wissen, dass ihnen der Blumenschmuck zwischen den Hörnern und die Glocken um den Hals als Dank gelten sollen, ist unklar. Fest steht: Manchen kann es nicht schnell genug gehen, im engen Holzgang geschmückt zu werden. Kurz vor dem Almabtrieb herrscht ein ganz schönes Gedränge.
Hunderte Touristen und Anwohner waren dabei
61 Rinder sind am Samstag von ihren Sommerweiden ins Münstertal (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) zurückgekehrt, wo sie den Winter verbringen. Mit Kameras und Smartphones bewaffnet haben Hunderte das traditionelle Spektakel verfolgt. Bevor die Rinder die kurvige Straße ins Tal runtermarschiert sind, wurden sie hübsch gemacht.
"Man hat sie ja im nächsten Jahr wieder", sagt Weidewart Marc Böhler, der auch ein bisschen traurig darüber ist, die Tiere über Winter in ihre Ställe zu schicken. Er hat sich den ganzen Sommer über um die Rinder gekümmert. Am Samstag läuft er im rot-karierten Hemd voraus, zeigt den Tieren den Weg, und passt mit seinem Stock auf, dass keines entwischt.
Das ist manchmal gar nicht so einfach. Während die Älteren eher gemütlich trotten, sind die jüngeren Tiere noch wilder unterwegs.
Ab ins warme Winterquartier
Insgesamt fünf Monate grasten die Rinder von mehreren Höfen auf der Brandenweide in Spielweg, einem Ortsteil von Münstertal. Jetzt heißt es: Ab ins warme Winterquartier. Eine Zuschauerin findet das schade: "Ach, ich sehe die sehr gerne auf der Weide. Und ich bin immer super traurig, wenn Almabtrieb ist und die wieder in den Stall rein müssen."
Seit mehr als 30 Jahren Tradition
Der Viehabtrieb wird in Münstertal seit mehr als 30 Jahren gefeiert. Wie eine Prozession läuft der Kindergarten voraus, dann folgt die Schwarzwaldkapelle und schließlich Weidewart Böhler mit den Tieren. Den Zuschauern wird Käse und Schnaps aus Münstertal gereicht. Das Ganze hat den Charakter eines Volksfestes. Rechts und links des Weges wie im Spalier versuchen Schaulustige, Fotos und Videos von den Rinder zu ergattern.
Der Fruchtbarkeitskranz geht für 40 Euro weg
Und dann ist es auch schon vorbei. Im Tal strömen die meisten Richtung Festzelt für Bier, Schnitzel, Currywurst und Musik. Einige bleiben aber auch an der Weide stehen, wo die Rinder gesammelt wurden. Hier versteigert Bürgermeister Patrick Weichert die Blumenkränze für einen guten Zweck. Der Fruchtbarkeitskranz eines Bullen wechselt für 40 Euro den Besitzer.