Im heißen Juni sind in Baden-Württemberg 13 Menschen ertrunken, so viele wie seit 25 Jahren nicht mehr und fast doppelt so viele wie 2025. Es waren elf Männer und zwei Frauen. Das berichtet die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG). Allein sieben Menschen starben an einem einzigen Wochenende - alles Männer.
Großteil der Badetoten in BW auch 2025 Männer
Die DLRG beobachtet schon lange, dass der Anteil an Männern unter den Badetoten höher ist als der von Frauen. Es gebe zwar immer leichte Schwankungen: "Die Zahl der Männer ist jedoch immer wesentlich höher", sagt Eleonore Wagner, Geschäftsführerin des DLRG Landesverbands Württemberg. Im vergangenen Jahr sind in Baden-Württemberg insgesamt 43 Menschen ertrunken, davon 36 männlich.
DLRG am Wochenende im Dauereinsatz Mehr tödliche Badeunfälle bei großer Hitze in Baden-Württemberg
Mindestens drei Menschen sind in Baden-Württemberg in den vergangenen Tagen ertrunken. Die DLRG warnt vor dem Baden in nicht freigegebenen Gewässern.
Warum vor allem Männer ertrinken
Deutschlandweit waren im vergangenen Jahr 312 der 393 Toten bei Badeunfällen männlich - also fast 80 Prozent. DLRG-Landesgeschäftsführerin Wagner begründet den Unterschied auch damit, dass sich Männer eher selbst überschätzen.
"Die Selbstüberschätzung der eigenen schwimmerischen Fähigkeiten zählt zu den häufigsten Ursachen von Ertrinkungsunfällen", sagt Wagner. Der Geschäftsstellenleiter des DLRG-Landesverbandes Baden, Ludwig Schulz, hatte bereits vor einigen Tagen gesagt: "Frauen sind da wirklich vernünftiger und vorsichtiger. Das kann man nicht anders sagen." Männer würden beispielsweise falsch einschätzen, wie kalt das Wasser ist und wie stabil ihr Kreislauf.
Psychologe: Selbstüberschätzung plausible Erklärung für Unfälle
"Selbstüberschätzung ist eine plausible Erklärung", sagt Wolfgang Gaissmaier, Professor für Sozialpsychologie und Entscheidungsforschung an der Universität Konstanz. Sie passe zu Befunden, dass junge Männer risikobereiter seien als Frauen. Das könne möglicherweise mit Geschlechtsstereotypen oder evolutionären Gegebenheiten zusammenhängen.
Trotzdem sei nicht jeder Badetote damit in Verbindung zu bringen. "Vermutlich ist es ein Bündel aus Faktoren", sagt Psychologe Gaissmaier. Neben der Risikobereitschaft nennt auch er gefährliche Badeorte wie Seen oder Flüsse als Faktoren. Auch Gruppendynamiken könnten eine Rolle spielen. Gruppen würden dazu neigen, extremeres Verhalten zu zeigen als Einzelpersonen.
DLRG: Männer verhalten sich eher riskant
"Besonders in Gruppen kann es durch gegenseitiges Aufschaukeln und riskantes Verhalten zu gefährlichen Situationen kommen", schreibt auch die württembergische DLRG-Landesgeschäftsführerin Wagner. Konkret spricht sie Mutproben an. Vor allem bei bei männlichen Jugendlichen und Männern werde dieses Verhalten häufiger beobachtet.
Ein weiterer Faktor, den Wagner nennt: Alkohol. "Der Konsum von Alkohol lässt das Risiko weiter steigen." Psychologe Gaissmaier ergänzt, Alkohol enthemme. "Die Selbstüberschätzung ist dann tendenziell stärker" - das sei ähnlich wie beim Autofahren.
Seen, Flüsse und Schwimmbäder Todesfälle beim Baden: Junge Männer als Risikogruppe
Auch in Baden-Württemberg ertrinken immer wieder Menschen in Gewässern. Die DLRG hat zum Saisonende ausgewertet, wie oft das von Jahresanfang bis Mitte September 2025 passiert ist.
Ein Viertel der Ertrunkenen zwischen 21 und 30
Zwischenzeitlich hatte die DLRG im vergangenen Jahr berichtet, dass der Anteil der Toten in der Altersgruppe der 21- bis 30-Jährigen angestiegen ist. Psychologe Gaissmaier sagt, zumindest die Risikobereitschaft bei Männern nehme ab dem mittleren Alter wieder ab. Auf das ganze Jahr gesehen waren knapp ein Viertel der insgesamt 43 ertrunkenen Personen in BW zwischen 21 und 30 Jahre alt. Insgesamt sind jedoch häufiger ältere Menschen betroffen.
Auch bei den Unfällen im Juni waren junge Männer betroffen, etwa ein 27-Jähriger in Heidelberg und ein 28-Jähriger in Kehl. Zwei Senioren ertranken im Bodensee.
Es gibt im Badesee keinen Preis zu gewinnen - aber das Leben zu verlieren.
DLRG: 99 Badetote bundesweit im Juni - so viele wie seit 2003 nicht mehr
Auch in ganz Deutschland zählt die DLRG im Juni viele tödliche Unfälle beim Schwimmen: mindestens 99 - über 90 Prozent davon Männer. DLRG-Präsidentin Ute Vogt appelliert daher besonders an Jungen und Männer, die eigenen Fähigkeiten realistisch einzuschätzen und auf riskante Aktionen zu verzichten. "Es gibt im Badesee keinen Preis zu gewinnen - aber das Leben zu verlieren."