Kürzlich haben Polizei und Feuerwehr in Tübingen ein Kind aus einem Auto befreit. Die Mutter hatte laut Polizei das Fahrzeug verlassen, um zu telefonieren. Aus unbekannten Gründen habe das Auto, "in dem sich ihr vier Wochen alter Säugling befand", die Türen verriegelt, hieß es in der Mitteilung. Der Wagen war aufgeheizt, die Frau wählte den Notruf, die Feuerwehr schlug ein Fenster ein und rettete den Säugling. Zur technischen Ursache des Vorfalls konnte die Polizei Tübingen dem SWR keine Auskunft geben.
- Wie kann es passieren, dass ein Auto sich selbst verriegelt?
- Warum ist das technisch möglich?
- Wie kommt man wieder ins Auto rein?
- Was tun Polizei und Feuerwehr, wenn man sie in so einem Fall anruft?
- Wie kann man so etwas verhindern?
- Welche Rolle spielen moderne Fahrzeugtechniken?
Wie kann es grundsätzlich passieren, dass ein stehendes Auto sich selbst verriegelt?
Der Auto Club Europa (ACE) weist darauf hin, dass es vom Fahrzeugmodell und dessen Schließsystem abhängt, wie so etwas passieren kann. Moderne Fahrzeuge verfügten häufig über Komfortzugangssysteme sowie automatische Verriegelungsfunktionen ("Keyless Go"). "Unter bestimmten Umständen - etwa wenn das Fahrzeug den Schlüssel nicht eindeutig erkennt oder eine automatische Verriegelung nach einer bestimmten Zeit aktiviert ist - kann es vorkommen, dass sich das Fahrzeug verschließt, obwohl sich der Schlüssel noch im Innenraum befindet", sagt Elena Marcus-Engelhardt vom ACE. Solche Fälle seien insgesamt selten, aber technisch möglich.
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"Viele Fahrzeuge verriegeln sich etwa 30 bis 45 Sekunden nach dem Entriegeln erneut, wenn das Steuergerät davon ausgeht, dass keine Tür geöffnet wurde", erklärt Martin Röhricht, Professor an der Hochschule Esslingen im Bereich Mobilität und Technik. Das solle verhindern, dass das Fahrzeug nach einem versehentlichen Druck auf die Fernbedienung unverschlossen bleibt. Erkenne beispielsweise ein Mikroschalter im Türschloss das Öffnen der Fahrertür nicht, "kann das Auto fälschlich glauben, niemand sei eingestiegen oder ausgestiegen, und wieder verriegeln", so Röhricht.
Er weist darauf hin, dass manche Fahrzeuge automatisch verriegeln, wenn sich der erkannte Schlüssel mit jemandem vom Fahrzeug entfernt. Im Tübinger Fall befand sich der Schlüssel wohl im Auto. "Normalerweise soll eine Innenraumerkennung verhindern, dass ein im Fahrzeug liegender Schlüssel eingeschlossen wird", merkt Röhricht an. Diese Erkennung könne jedoch scheitern, "etwa bei einer schwachen Schlüsselbatterie, ungünstiger Schlüsselposition, Abschirmung durch Metall oder anderem".
Das ist ein klassischer Zielkonflikt zwischen Diebstahlschutz und Fail-Safe-Verhalten.
Warum ist das technisch möglich?
"Die Zentralverriegelung arbeitet mit verschiedenen Sensoren und Steuergeräten. Wenn zum Beispiel ein Türkontakt nicht richtig funktioniert, die Autobatterie schwach ist oder der Schlüssel vom Keyless-System nicht eindeutig erkannt wird, kann es trotz der eingebauten Schutzfunktionen zu einer Verriegelung kommen", erklärt Raphael Rohrwasser, Technik-Experte beim ADAC Württemberg.
Röhricht von der Hochschule Esslingen erklärt den technischen Hintergrund als klassischen "Zielkonflikt zwischen Diebstahlschutz und Fail-Safe-Verhalten", also das Übergehen in einen sicheren Zustand bei einer Störung.
Eine allgemein verfügbare Notöffnung würde aus Sicht des ACE gleichzeitig den Diebstahlschutz schwächen und könnte missbraucht werden. "Wenn ein Auto verschlossen ist, sollte es in der Regel auch verschlossen bleiben."
Wie kommt man wieder ins Auto rein, wenn es sich abschließt und der Schlüssel drin liegt?
Der ACE rät dazu, zunächst zu prüfen, ob sich eine andere Tür oder die Heckklappe öffnen lässt, oder ob ein Zweitschlüssel verfügbar ist. Helfen kann auch eine Smartphone-App zur Fernentriegelung oder ein mechanischer Notfallschlüssel. Ansonsten sind Pannendienst oder Hersteller geeignete Anlaufstellen. Befindet sich allerdings ein Mensch oder ein Tier im Auto, besonders bei Hitze, kann es notwendig sein, schnell zu handeln und den Notruf zu wählen. "Gerade bei hohen Außentemperaturen kann dies innerhalb kurzer Zeit lebensgefährlich werden", so Marcus-Engelhardt.
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Was tun Polizei und Feuerwehr, wenn man sie in so einem Fall anruft?
"Im zeitkritischsten Fall wird das Fahrzeug gewaltsam geöffnet, beispielsweise mittels Zerstörung eines Fensters", so der Landesfeuerwehrverband Baden-Württemberg. Grundsätzlich komme es auf die Situation an.
Was kann man tun, um so ein Szenario zu verhindern?
Röhricht rät generell, ein Kind niemals allein im Fahrzeug zu lassen. Außerdem empfiehlt er, den Fahrzeugschlüssel immer am Körper zu tragen und gegebenenfalls eine vorhandene Fahrzeug-App vorab einzurichten. "Bei mehreren Fahrzeugnutzern empfiehlt es sich, die App mit entsprechenden Zugangsberechtigungen auch beim weiteren Fahrzeugnutzer einzurichten", so Marcus-Engelhardt vom ACE. So sei eine Fernentriegelung möglich.
Der ACE legt darüber hinaus nahe, die Funktionsweise des eigenen Schließsystems und mögliche automatische Verriegelungsfunktionen in der Betriebsanleitung zu kennen. Laut Landesfeuerwehrverband kann es bei Keyless-Modellen immer helfen, eine Türe oder ein Fenster geöffnet zu lassen, bis alle Insassen aus dem Auto gestiegen sind, oder bis sichergestellt ist, dass sich der Schlüssel außerhalb des Fahrzeugs befinde.
Welche Rolle spielen hier moderne Fahrzeugtechniken?
Der ADAC verweist darauf, dass moderne Fahrzeuge viele Schutzfunktionen haben, die verhindern sollen, dass der Schlüssel im Auto eingeschlossen wird - etwa Türsensoren, Innenraumantennen und Keyless-Systeme. Die Technik sei komplexer geworden. "Die Risiken verschieben sich", erklärt Röhricht. "Weg von rein mechanischen Defekten hin zu komplexen Wechselwirkungen zwischen Sensorik, Software, Funktechnik und Benutzerverhalten."