Das Institut der Deutschen Wirtschaft befürchtet sogar, dass das Niedrigwasser das deutsche Wirtschaftswachstum in diesem Jahr um bis zu 0,4 Prozentpunkte bremst und im schlimmsten Fall ganz lahmlegt. IW-Ökonom Simon Gerards Iglesias betont, wie wichtig die Wasserstraßen für das Land sind: "Der Rhein ist die wichtigste Binnenschifffahrtsstraße Deutschlands – 80 Prozent gehen darüber." Viele große Industrieunternehmen haben sich historisch am Rhein angesiedelt und brauchen den Fluss für ihren Nachschub. Wenn Güter und Rohstoffe nur noch verspätet ankommen, "ist das natürlich ein Problem für die Produktion".
Für Mineralöltransporte bräuchte man im Extremfall 3.000 zusätzliche Tanklaster pro Tag.
Besonders hart trifft das Niedrigwasser Branchen, die riesige Mengen an Rohstoffen und Materialien verarbeiten. Neben der Chemie-, Stahl- und Bauindustrie betrifft das vor allem die Raffinerien am Rhein. Einfach auf andere Verkehrsmittel umsteigen? Kaum möglich. Um die Öl-Tankschiffe zu ersetzen, bräuchte man laut Gerards Iglesias etwa 3.000 Tanklaster zusätzlich - pro Tag. Das ist wegen des Fahrermangels und der maroden Straßen aber unmöglich. Die Folge wären Lieferengpässe beim Sprit, "was sich am Ende auch auf die Spritpreise an der Tankstelle auswirken kann".
Nur ein Drittel der üblichen Wassermenge im Main Wenig Wasser in Neckar und Main: Mit diesen Einschränkungen fahren Schiffe trotzdem
Die Lage sei nicht so schlimm wie auf dem Rhein, doch auch auf Neckar und Main gibt es Einschränkungen. Schiffe kommen durch das wenige Wasser nur noch langsam voran.
Die Energieversorgung an sich sehe ich erstmal nicht gefährdet.
Auch die Energiebranche spürt die Folgen der Dürre, auch wenn der Strom in Deutschland weiter sicher fließt. Anders als in Ländern wie Ungarn oder Rumänien, wo schon Kraftwerke gedrosselt werden mussten, sieht der Ökonom bei uns vorerst keine Gefahr für die Energieversorgung. Ein gewisses Risiko bleibt laut Gerards Iglesias aber bestehen. Kohlekraftwerke an den Flüssen brauchen die Schifffahrt für den Kohlenachschub - und gleichzeitig müssen sie viel Kühlwasser aus den Flüssen ableiten. Bei Hitze und Trockenheit führt das schnell zu Streit um das knappere Wasser - mit der Landwirtschaft und den Städten.
Historisches Niedrigwasser im Rhein Wegen Niedrigwassers: Stopp für alle Flusskreuzfahrtschiffe in Speyer
Touristen bleiben weg, weil die Flusskreuzfahrtschiffe nicht mehr anlegen können. Die Stadt Speyer und ihre Gastronomie hofft auf Regen.
Die jahrzehntelange Unterinvestition fällt uns jetzt auf die Füße.
Als Lehre aus den heißen Sommern fordert der Ökonom, dass die Politik endlich kräftig in das gesamte Verkehrsnetz investiert. Weil der Rhein ein Naturfluss ist und man ihn nicht unendlich tief ausbaggern kann, brauche das Land funktionierende Ausweichmöglichkeiten. Das Hauptproblem ist Gerards Iglesias zufolge, "dass wir eben nicht von einem System auf das andere switchen können". Marode Brücken, Dauerbaustellen auf Autobahnen und die überlastete Bahn verhindern das. Gerards Iglesias spricht von einem Resultat von jahrzehntelanger Unterinvestition.
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