Matinee in Heidelberg

Schlagzeugerin Katharina Ernst bei Enjoy Jazz: Polyrhythmische Klangskulpturen

Für Katharina Ernst greifen alle Kunstformen ineinander und sind untrennbar miteinander verwoben. Die gebürtige Wienerin und jetzige Wahl-Berlinerin ist Schlagzeugerin, Komponistin, Malerin und Performerin - am liebsten alles gleichzeitig. Ob sie mit KI oder mit Bau-Kränen arbeitet: ihr ist es wichtig, durch ihre polyrhythmischen Kompositionen neue (Hör-)Erlebnis-Räume zu öffnen.

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Von Autor/in Marie-Dominique Wetzel

„Extrametric“ - ein polyrhythmisches Solostück

Katharina Ernst sitzt an ihrem Schlagzeug, die Augen geschlossen, hochkonzentriert, aber scheinbar tiefenentspannt. „Extrametric“ heißt ihre komplexe Komposition, außerhalb der Metrik, also in gewisser Weise auch außerhalb eines vorgegebenen Systems.

Schicht für Schicht baut Katharina Ernst ihre Klangskulpturen auf. Dieses polyrhythmische Solo-Stück wird sie auch in Heidelberg aufführen.

EXTRAMETRIC X_01 • KATHARINA ERNST • DRUM SOLO

Ihre "Kran-Etude" am Müggelsee performte sie mit Florentina Holzinger

Katharina Ernst freut sich auf das Konzert beim Enjoy Jazz-Festival und auf den außergewöhnlichen Aufführungsort, ein Bahnbetriebswerk. Die Räume denkt die Künstlerin immer mit. Sie scheut sich aber auch nicht davor, draußen aufzutreten. So wie vor zwei Jahren bei der "Kran-Etude" mit Florentina Holzinger am Müggelsee. Dort hat sie eine Komposition für vier Schlagzeuge, acht Performerinnen und einen Kran im See erarbeitet.

Solche Kooperationen mit anderen Kreativschaffenden, bei denen verschiedene Perspektiven und Kunstformen zusammenkommen, schätzt Katharina Ernst besonders. Denn sie selbst denkt auch nie nur vom Musikalischen her. Seit ihrem neunten Lebensjahr spielt sie Schlagzeug.

Schlagzeugerin Katharina Ernst
Katharina Ernst (* 1987 Wien) gilt als eine der renommiertesten Drummerinnen in der experimentellen elektronischen Musikwelt. Pressestelle © Michael Breyer

Ihre zweite Leidenschaft ist Kunst

Doch trotz der großen Leidenschaft für dieses Instrument - ein Studium an der Musikhochschule kam für Katharina Ernst nie in Frage. Denn da war noch eine zweite Leidenschaft und Begabung: Katharina Ernst hatte schon mit zwölf Jahren entschieden, an der Kunstakademie ihrer Heimatstadt Wien Malerei zu studieren.

Tief in sich selbst hineinhorchen, das ist bei all ihren Arbeiten der Ausgangspunkt, sagt Katharina Ernst. Was dabei dann herauskommt, lässt sich im Vorhinein nicht sagen: eine Zeichnung, ein Gemälde, eine Komposition oder eine Performance. Meist sucht sich eine Idee ihre Form quasi selbst- und eröffnet damit ganz neue, ungeahnte Möglichkeiten.

Experimente mit einem KI-Programm

Die größte Herausforderung sei für sie, dass ein Tag eben nur 24 Stunden hat, sagt Katharina Ernst lachend. Das sei schon als Studentin so gewesen und jetzt als berufstätige Mutter nochmal mehr.

Gerade experimentiert die Künstlerin mit einem KI-Programm, das ihre polyrhythmischen Kompositionen in Bilder übersetzt und zu dem sie live improvisieren kann. Auch das ein neuer Raum, den sie für sich und ihr Publikum öffnet und mit viel Kreativität und Neugierde auslotet.