Der Jazzclub Karlsruhe öffnet sich für andere Musikrichtungen
Das umjubelte Konzert des französisch-marokkanischen Trompeters Daoud war sicher eines der Highlights des vergangenen Jahres im Jazzclub Karlsruhe. Der Musiker und Komponist verbindet Jazz mit Hip-Hop, R'n'B und elektronischer Musik. Er steht also für eine Öffnung des Jazz zu anderen Musikrichtungen hin und passt damit perfekt ins Programm des Jazzclubs Karlsruhe.
„Ich glaube, wir haben inzwischen einen ganz guten Mix gefunden zwischen dem Traditionellen, dem Modernen und auch Soul-Funk“, erklärt der 1. Vorsitzende des Clubs Niklas König.
Mit seinem Programm zieht der Jazzclub auch junges Publikum an
Junge Bands kämen mit Acid-Funk, Hip-Hop und Jazz und zögen junges Publikum an: „Es ist ein unfassbar junges Publikum, die das einfach feiern und toll finden, dass Musik auch für jüngere Menschen in einem Jazzclub stattfinden kann. Wir sehen, dass die Jazzclubs landesweit Probleme mit dem Generationenwechsel haben. Dem sind wir schon sehr früh entgegengetreten.“
Der Jazzclub Karlsruhe bietet mehrere Reihen an, die sich um den Nachwuchs kümmern. In der Reihe „Jazz Discovery“ werden junge Bands eingeladen, die teilweise zum ersten Mal auf einer professionellen Bühne stehen. Seit einiger Zeit gibt es auch eine junge Mitarbeiterin im Booking-Team, die sich gezielt um Newcomer kümmert.
Darüber hinaus bietet der Jazzclub auch Workshop-Reihen an, wie zum Beispiel den kostenlosen Young Lions Club, in dem ein Dozent mit jungen Musikerinnen und Musikern gängige Standards einübt und erklärt, was man beachten muss, wenn man bei einer Jam-Session mitspielt. Wer genug Erfahrung hat, kann beim regelmäßigen Sunday Afternoon Jam auftreten.
Förderung der lokalen Musikszene als wichtige Aufgabe
Ganz wichtig ist dem Jazzclub neben der Nachwuchsförderung auch der Blick auf die lokale bzw. regionale Szene, erklärt der Chef des Booking Teams, Torsten Antoni, „weil ich glaube, wenn man die lokale Szene nicht fördert, hat man irgendwann auch keine überregionale oder weltweite Szene mehr. In der lokalen Szene fängt es eben an und deswegen haben wir auch viele Reihen, wo wir uns speziell darum kümmern.“
Wenn ganz junge Bands wie zum Beispiel das Karlsruher Duo „schlecht“ auftreten, bauen sie auch mal die Bestuhlung ab und es wird ausgelassen getanzt.
Die neue Location in einem ehemaligen Kino kommt gut an
Seit dem Umzug 2023 in das neue Domizil in der Kaiserpassage mitten in der Karlsruher Innenstadt hat der Jazzclub viele neue Fans und Mitglieder gewonnen.
Der schöne, große Konzertraum - ein ehemaliger Kinosaal - und die coole Bar im Foyer sind nicht nur beim Publikum sehr beliebt, auch bei den Musikern spricht sich das herum, wie Torsten Antoni erklärt: „Wir kriegen wirklich mehr Anfragen, wo wir früher hätten nachfragen müssen. Die Leute melden sich jetzt einfach bei uns, weil sie gehört haben, wie toll der Club ist.“
Für das Gesamtpaket aus herausragenden Auftrittsbedingungen und hoher Programmqualität gab es den Applaus Award 2025 in der Kategorie „beste Livemusikspielstätten“ in Deutschland. Den Programm-Award hat der Jazzclub Karlsruhe zuvor bereits drei Mal gewonnen.
Ein Problem neben den finanziellen Kürzungen: Die Bürokratie
Eigentlich läuft alles super, sagt der langjährige 1. Vorsitzende Niklas König, wären da nicht die Kürzungen der finanziellen Zuwendungen von Stadt und Land – und die überbordende Bürokratie.
„Das ist ja nicht nur die Stadt Karlsruhe, die einfach jetzt kürzen musste“, so König, „es ist auch das Land, welches Bedingungen geändert hat. Es ist alles mit viel mehr Bürokratie verbunden, das heißt, man muss ab einem gewissen Betrag oft einfach einen Steuerberater dazunehmen. Und das sind natürlich Side-Kosten, die dann plötzlich weglaufen.“
Der Fortbestand des Jazzclubs Karlsruhe ist erst mal gesichert
Immerhin hat die Stadt Karlsruhe die Kürzungen für die freien Kultureinrichtungen Ende Dezember von den geplanten 8,7% auf rund 4,3% abgesenkt.
Der Fortbestand des Jazzclub Karlsruhe, der vor 80 Jahren gegründet wurde, ist somit vorerst gesichert und der Verein hofft, dass er sich nun wieder auf seine Programmarbeit konzentrieren kann – um möglichst auch im neuen Jahr wieder dafür ausgezeichnet zu werden.