Lebendige Jazzszene

Der Jazzclub Karlsruhe: Eine der besten Livemusikspielstätten in Deutschland

Der Jazzclub Karlsruhe ist vor zwei Jahren in einen ehemaligen Kinosaal gezogen. Statt einem dunklen Kellerloch, wie es sich viele vorstellen, gibt es einen großen, schönen Konzertraum mit einer coolen Bar im Foyer und einem einladenden Backstage-Bereich. Für diese tolle Location, das außergewöhnlich gute Programm und die beispielhafte Nachwuchsförderung wurde der Jazzclub Karlsruhe mit dem Applaus Award 2025 in der Kategorie „beste Livemusik-Spielstätten“ ausgezeichnet.

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Von Autor/in Marie-Dominique Wetzel

Der Jazzclub Karlsruhe öffnet sich für andere Musikrichtungen

Das umjubelte Konzert des französisch-marokkanischen Trompeters Daoud war sicher eines der Highlights des vergangenen Jahres im Jazzclub Karlsruhe. Der Musiker und Komponist verbindet Jazz mit Hip-Hop, R'n'B und elektronischer Musik. Er steht also für eine Öffnung des Jazz zu anderen Musikrichtungen hin und passt damit perfekt ins Programm des Jazzclubs Karlsruhe.

„Ich glaube, wir haben inzwischen einen ganz guten Mix gefunden zwischen dem Traditionellen, dem Modernen und auch Soul-Funk“, erklärt der 1. Vorsitzende des Clubs Niklas König.

französisch-marokkanische Trompeter Daoud live
Der französisch-marokkanische Trompeter Daoud live im Jazzclub Karlsruhe. © Jazzclub Karlsruhe | Bernd Hentschel

Mit seinem Programm zieht der Jazzclub auch junges Publikum an

Junge Bands kämen mit Acid-Funk, Hip-Hop und Jazz und zögen junges Publikum an: „Es ist ein unfassbar junges Publikum, die das einfach feiern und toll finden, dass Musik auch für jüngere Menschen in einem Jazzclub stattfinden kann. Wir sehen, dass die Jazzclubs landesweit Probleme mit dem Generationenwechsel haben. Dem sind wir schon sehr früh entgegengetreten.“

Der Jazzclub Karlsruhe bietet mehrere Reihen an, die sich um den Nachwuchs kümmern. In der Reihe „Jazz Discovery“ werden junge Bands eingeladen, die teilweise zum ersten Mal auf einer professionellen Bühne stehen. Seit einiger Zeit gibt es auch eine junge Mitarbeiterin im Booking-Team, die sich gezielt um Newcomer kümmert.

Jazzclub Karlsruhe
Neben der Nachwuchsförderung ist dem Jazzclub auch der Blick auf die lokale bzw. regionale Szene wichtig. © Jazzclub Karlsruhe | Bernd Hentschel

Darüber hinaus bietet der Jazzclub auch Workshop-Reihen an, wie zum Beispiel den kostenlosen Young Lions Club, in dem ein Dozent mit jungen Musikerinnen und Musikern gängige Standards einübt und erklärt, was man beachten muss, wenn man bei einer Jam-Session mitspielt. Wer genug Erfahrung hat, kann beim regelmäßigen Sunday Afternoon Jam auftreten.

Förderung der lokalen Musikszene als wichtige Aufgabe

Ganz wichtig ist dem Jazzclub neben der Nachwuchsförderung auch der Blick auf die lokale bzw. regionale Szene, erklärt der Chef des Booking Teams, Torsten Antoni, „weil ich glaube, wenn man die lokale Szene nicht fördert, hat man irgendwann auch keine überregionale oder weltweite Szene mehr. In der lokalen Szene fängt es eben an und deswegen haben wir auch viele Reihen, wo wir uns speziell darum kümmern.“

Wenn ganz junge Bands wie zum Beispiel das Karlsruher Duo „schlecht“ auftreten, bauen sie auch mal die Bestuhlung ab und es wird ausgelassen getanzt.

Die neue Location in einem ehemaligen Kino kommt gut an

Seit dem Umzug 2023 in das neue Domizil in der Kaiserpassage mitten in der Karlsruher Innenstadt hat der Jazzclub viele neue Fans und Mitglieder gewonnen.

Der schöne, große Konzertraum - ein ehemaliger Kinosaal - und die coole Bar im Foyer sind nicht nur beim Publikum sehr beliebt, auch bei den Musikern spricht sich das herum, wie Torsten Antoni erklärt: „Wir kriegen wirklich mehr Anfragen, wo wir früher hätten nachfragen müssen. Die Leute melden sich jetzt einfach bei uns, weil sie gehört haben, wie toll der Club ist.“

Für das Gesamtpaket aus herausragenden Auftrittsbedingungen und hoher Programmqualität gab es den Applaus Award 2025 in der Kategorie „beste Livemusikspielstätten“ in Deutschland. Den Programm-Award hat der Jazzclub Karlsruhe zuvor bereits drei Mal gewonnen.

Niklas König (links) und Torsten Antoni vom Jazzclub mit dem APPLAUS Award
Der Jazzclub Karlsruhe erhält den APPLAUS Award 2025. Niklas König (1. Vorstand, links) und Torsten Antoni in der Münchner Muffathalle. © Jazzclub Karlsruhe | Bernd Hentschel

Ein Problem neben den finanziellen Kürzungen: Die Bürokratie

Eigentlich läuft alles super, sagt der langjährige 1. Vorsitzende Niklas König, wären da nicht die Kürzungen der finanziellen Zuwendungen von Stadt und Land – und die überbordende Bürokratie.

„Das ist ja nicht nur die Stadt Karlsruhe, die einfach jetzt kürzen musste“, so König, „es ist auch das Land, welches Bedingungen geändert hat. Es ist alles mit viel mehr Bürokratie verbunden, das heißt, man muss ab einem gewissen Betrag oft einfach einen Steuerberater dazunehmen. Und das sind natürlich Side-Kosten, die dann plötzlich weglaufen.“

Der Fortbestand des Jazzclubs Karlsruhe ist erst mal gesichert

Immerhin hat die Stadt Karlsruhe die Kürzungen für die freien Kultureinrichtungen Ende Dezember von den geplanten 8,7% auf rund 4,3% abgesenkt.

Der Fortbestand des Jazzclub Karlsruhe, der vor 80 Jahren gegründet wurde, ist somit vorerst gesichert und der Verein hofft, dass er sich nun wieder auf seine Programmarbeit konzentrieren kann – um möglichst auch im neuen Jahr wieder dafür ausgezeichnet zu werden.

Jazzclub Karlsruhe

Straße:
Alter Schlachthof 7a
Ort:
76131 Karlsruhe
URL:
Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Marie-Dominique Wetzel