Musikclub 90er

Warum das MTV Unplugged-Album von Alice in Chains so unter die Haut geht

Wir haben mit SWR1 Musikchef Bernd Rosinus über das MTV Unlugged-Album von Alice in Chains aus dem Jahr 1996 gesprochen und geklärt, warum genau dieses bis heute beim Hören unter die Haut gehen kann und wie speziell das Album für die Band war.

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Stand

Situation bei Alice in Chains vor dem MTV Unplugged

SWR1: Wenn man über MTV Unplugged in den 1990ern spricht, dann wird das Konzert von Alice in Chains fast immer als eines der eindringlichsten genannt. In welcher Situation befand sich die Band damals und warum war schon allein die Tatsache, dass dieses Konzert stattfand, so außergewöhnlich?

Bernd Rosinus: Die Lage war damals dramatisch. Alice in Chains galten 1996 praktisch als handlungsunfähig. Sänger Layne Staley war schwer heroinabhängig, gesundheitlich stark gezeichnet und seit Jahren kaum live aufgetreten.

Die Band hatte Tourneen abgesagt, Interviews vermieden, und viele Fans gingen ehrlich gesagt davon aus, dass es Alice in Chains überhaupt nicht mehr geben würde. 

MTV Unpluged von Alice in Chains  | Layne Staley
Sänger Layne Staley von Alice in Chains picture alliance / Geisler-Fotopress | Rudi Keuntje/Geisler-Fotopress

Dass sie sich unter diesen Umständen auf eine MTV Unplugged-Session eingelassen haben, war kein Karriereschritt, sondern eher ein Wagnis. Niemand wusste, ob Layne den Abend durchstehen würde oder ob die Band danach noch einmal gemeinsam auf einer Bühne stehen würde. 

So entstand das bedrückende MTV Unplugged von Alice in Chains

SWR1: Das Konzert wurde im April 1996 in New York aufgezeichnet und wirkt extrem reduziert, fast bedrückend.  

Rosinus: Die Kerzen, das gedimmte Licht, das Sitzen statt Stehen. Das war keine Ästhetik-Spielerei. Die Band wollte nichts vorspielen, nichts größer machen, als es war. Diese Stimmung spiegelt genau den Zustand wider, in dem sich Alice in Chains damals befanden.

Alice In Chains - Nutshell (MTV Unplugged - HD Video)

Layne Stanley und das MTV Unplugged

SWR1: Der Fokus liegt dabei natürlich stark auf Layne Staley. Wie wirkt seine Stimme in diesem Kontext? 

Rosinus: Sie ist brüchig, müde, teilweise fast am Limit – aber genau das macht sie so glaubwürdig. Es gibt keinen Schutz, keinen doppelten Boden. Man hört einen Menschen, der kämpft und trotzdem singt. Das ist manchmal schwer anzuhören, aber unglaublich eindringlich.

SWR1: Heute gilt dieses Unplugged als Vermächtnis der Band.

Rosinus: Weil es der letzte große gemeinsame Moment der klassischen Alice in Chains-Besetzung war. Kurz danach verschwand die Band, Layne Staley starb 2002.  Dieses Album ist deshalb kein normales Live-Album, sondern ein schonungslos ehrliches Zeitdokument. 

"Down In A Hole" aus dem MTV Unplugged

SWR1: Worum geht es im Song "Down In A Hole" ?

Rosinus: "Down In A Hole" ist im Kern ein Song über Isolation, Schuld und das Gefühl, innerlich festzustecken. Geschrieben wurde er von Jerry Cantrell, aber viele haben ihn immer auch als Spiegel von Layne Staleys Situation verstanden.

Alice In Chains - Down in a Hole (MTV Unplugged - HD Video)

Es geht um das Gefühl, sich selbst verloren zu haben, um Beziehungen, die man beschädigt hat – und um die Angst, da nie wieder herauszukommen.

Gerade bei diesem MTV Unplugged-Auftritt von Alice in Chains klingt es wie ein offenes Geständnis: Nur jemand, der beschreibt, wie es sich anfühlt, ganz unten zu sein.

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Erstmals publiziert am
Stand
Das Gespräch führte
Veit Berthold
SWR1 RP Moderator Veit Berthold
Gespräch mit
Bernd Rosinus
SWR1 Musikchef Bernd Rosinus erzählt die Geschichten zu den größten Hits aus der Rock- und Popmusik. © SWR
Onlinefassung
SWR1 Rheinland-Pfalz
Eins gehört gehört. SWR1. (Schriftzug SWR1 auf gelbem Hintergrund)