Es klingt so, als hätte die Platte einen Sprung. Die Sopranistin Sara Maria Sun singt die Arie der Pamina „Ach, ich fühl’s“ aus der „Zauberflöte“ von Wolfgang Amadeus Mozart in einer Bearbeitung des österreichischen Komponisten Bernhard Lang aus seinem Musiktheater „I Hate Mozart“.
Bernhard Langs Komposition ist ein Teil des Musiktheaters „Amopera“, das beim Festival Transart in einer Industriehalle in Bozen über die Bühne geht. Werke aus den letzten 110 Jahren der Musikgeschichte werden in „Amopera“ dekonstruiert, überschrieben und neu montiert.
Peter Paul Kainrath gründete das Transart Festival vor 25 Jahren mit einem kleinen Team und leitet es bis heute. Das Festival ist in ganz Südtirol zu erleben, in Kirchen, Museen, einer alten Kaserne und sogar auf Almen hoch oben in den Bergen.
Überschneidungen von Musik und bildender Kunst
Besonders wichtig sind den Festival-Machern Überschneidungen von Musik und bildender Kunst. Exemplarisch für diesen Brückenschlag ist ein dreiteiliger Abend, der mit einer Video-Schalte mit der großen Performance-Künstlerin Marina Abramović beginnt.
Im Video erinnert sie sich, wie sie vor 23 Jahren beim Transart Festival mit ihrer Performance „The Composer“ zu Gast war und sich darin mit einer Komposition des Zeitgenossen Jorge López auseinandersetzte.
Perfomance mit lebendiger Schlange wiederholt sich
Abramovic stand damals vor einem stummen Orchester und hielt statt eines Dirigentenstabs eine lebendige Schlange. Seit 2002 ist die Performance nie wieder aufgeführt worden und Marina Abramović war seither nicht mehr beim Festival zu Gast.
Zum 25. Geburtstag schaut das Festival nun zurück und erinnert an die legendäre Performance von damals. Wie vor 23 Jahren erklingt im Konzert mit „Blue Cliffs“ eine Komposition von Jorge López.
Dann folgt die Performance, aber diesmal steht statt Marina Abramović die Künstlerin Kira O’Reilly auf dem Podest. Auch sie trägt eine lebendige Python-Schlange. Auf zwei Leinwänden ist der Mund des Komponisten zu sehen, der sein Werk erklärt.
Musik ist gleichzeitig abwesend und allgegenwärtig
Außer der Stimme des Komponisten hört man nichts, denn aus Klangforum Wien ist nun ein „frozen Orchestra“ geworden, ein stummes, in eingefrorener Haltung verharrendes Orchester. Man könnte denken, dass es für das Ensemble einfach ist, nur dazusitzen. Es geht aber darum, ein spielendes Orchester und dessen Energie auszustrahlen.
Musik ist also bei dieser Perfomance zugleich abwesend und allgegenwärtig. Denn man denkt nach über das Phänomen der Zeit, über Bewegung und den Zeitlupentanz, der zwischen Kira O’Reilly und der Schlange entsteht.
Das Publikum zeigt keinerlei Berührungsängste mit dieser fordernden Performance, es ist gut durchmischt, stark kunst-affin und vergleichsweise jung.
Mehr Klassik-Festivals
Musikgespräch Festival-Leiterin Lydia Rilling zum Auftakt der Donaueschinger Musiktage
Am heutigen Donnerstag starten die Donaueschinger Musiktage. Und das älteste Festival für zeitgenössische Musik schreibt sich in besonderer Weise Aktualität auf die Fahnen: „Viele treibt die Frage um, welche Rolle Kunst spielen soll, wenn nicht weit entfernt Kriege toben, die Erde kollabiert und Demokratien erodieren“, sagt Lydia Rilling, die Künstlerische Leiterin der Musiktage. In SWR Kultur gibt sie Ausblicke auf die künstlerischen Antworten, die bis zum 20. Oktober bei den zahlreichen Uraufführungen in Donaueschingen zu erwarten sind.