„Wo ist Dein Atelier?“, eine Frage, die Fashion Designer Rebar Aziz immer wieder zu hören bekommt. Viele seiner weltbekannten Kundinnen können nicht glauben, dass sein Atelier in Pforzheim am Nordrand des Schwarzwalds ist. Und nicht etwa in Paris, New York oder wenigstens in Berlin.
Pforzheimer Ruhe statt Metropolen-Trubel
Inzwischen gehören zu seinen Kundinnen Megastars wie Rita Ora, Doja Cat oder Beyoncé. Aber Aziz sieht einfach keinen Grund, warum er Pforzheim, wo er studiert hat, den Rücken kehren sollte. Dort hat er das Wichtigste, was er braucht: genug Ruhe zum Arbeiten.
Jetzt zeigt der Modedesigner 16 seiner neusten Kreationen in der kleinen Ausstellung „AETHER“ – und zwar dort, wo sie entstanden sind, im EMMA Kreativzentrum, mitten in Pforzheim, dem Ausgangspunkt seiner Karriere.
Designer Rebar Aziz ist Perfektionist
Lange weiße Stoffbahnen kleiden den gesamten Ausstellungsraum aus und machen diesen zu einer Bühne für die Kreationen des Designers. Rebar Aziz dreht noch schnell eine der Schneiderpuppen, die seine Outfits tragen, etwas mehr ins Profil. Der 35-Jährige ist Perfektionist und macht gerne alles selbst.
„Ich kann das nicht abgeben. Jemanden das machen lassen. Das hat nicht dieselbe Energie“, erklärt er. Gleich am Eingang steht eine Kreation, die sofort ins Auge sticht. Eine blutrote, kurze Jacke aus Lackleder, mit dicken Ausbuchtungen an den Schultern, in denen ebenso wie in den Armen mehrere Pfeile stecken.
„Ich wollte so einen Arm, der übergeht in so eine Art Flügel. Das sieht aus wie ein Knochen. Mir war sehr wichtig, dass die Jacke ein Gefühl rüber bringt“, führt der Designer aus. Das Gefühl, das einen beim Anblick beschleicht, ist zwiespältig. Einerseits wirkt die Jacke wie eine Art Panzer, andererseits erzählt das Kleidungsstück eben auch von Verletzungen.
Rebar Aziz' Kreationen spielen mit Körpersilhouetten
Etwas weiter steht eine Kreation, die wie ein halbtransparenter Kokon wirkt, der auch den ganzen Kopf umhüllt. Wie eine Schutzhülle oder eine Art sichtbar gewordene Aura. Die Kreationen von Rebar Aziz haben etwas Skulpturales. Die Silhouette des weiblichen Körpers wird durch die Kleidungsstücke verändert, mitunter deformiert.
Symmetrie ist langweilig, findet der Modedesigner.
Für mich bedeutet es nicht, wenn etwas deformiert ist, dass es nicht schön ist! In der Natur ist ja auch nicht alles perfekt und symmetrisch. Ich glaube, Symmetrie ist unsere Erfindung.
Wie die Ideen zu seinen Kreationen entstehen, kann Rebar Aziz nicht genau sagen. Das Wichtigste für seine Arbeit seien „Perfektion und Liebe“. Das – und noch viel mehr – habe er von seinem Vater gelernt, der Schneider war. Rebar Aziz arbeitet manchmal Tag und Nacht, wie ein Getriebener.
Designer Aziz entwickelt Skizzen im Kopf
Fast alles sei dabei Intuition, sagt er. Ein fließender Prozess bis zum Schluss: „Ich mache keine klassischen Zeichnungen. Ich versuche, mir keine Grenzen zu setzen durch Zeichnungen, die ich abarbeiten muss“, erklärt Aziz. Er mache nur grobe Skizzen im Kopf, um Zeit zu sparen.
Dann denke er die ganze Woche darüber nach, 24 Stunden am Tag. „Und dann ändert sich nochmal alles im Kopf“, erzählt er. Wer die Arbeiten von Aziz erfassen will, muss sich Zeit nehmen. Und deswegen hat der Designer auch eingewilligt, seine Kreationen in einer Ausstellung zu zeigen.
Stars haben kaum Mitspracherecht bei den Designs
Hier kann man sie in Ruhe und im Detail betrachten und nicht nur kurz, wie bei den Auftritten auf dem Laufsteg. Allerdings sieht man seine Werke hier im Ausstellungsraum nicht in Bewegung. Aziz ist es wichtig, dass man sich in seinen Kreationen frei bewegen kann, deswegen sind die meisten auch sehr leicht.
Wie etwa das tiefblaue Samtkleid mit Kapuze, das der Modedesigner für Björk kreiert hat. Wenn Aziz einwilligt, für jemanden etwas zu entwerfen, dann muss die Chemie zwischen ihnen stimmen, erklärt er.
Wenn zum Beispiel Beyoncé oder Lady Gaga von ihm ein Outfit für eine Bühnenshow möchten, dann will er möglichst viel über ihr Konzept erfahren. Die Mitspracherechte der Künstlerinnen sind dann aber sehr begrenzt. Sie beschränken sich eigentlich nur auf ein Detail:
„Farbe! Die Farbe dürfen sie sich aussuchen. Aber sie wissen ja schon, wie ich arbeite. Die vertrauen mir einfach und bis jetzt habe ich sie noch nicht enttäuscht.“
Die Arbeiten, die Rebar Aziz jetzt im EMMA Kreativzentrum in Pforzheim zeigt, hat er im Sommer bei der Paris Couture Week gezeigt – und dafür sehr viel Anerkennung der internationalen Fachpresse bekommen.
Dass er diese Kreationen jetzt in Pforzheim zeigt, geschieht aus Dankbarkeit, sagt er. Gegenüber dem Team im EMMA Kreativzentrum, das sein Talent früh entdeckt und ihm schon als Student der Pforzheimer Hochschule ein Atelier zur Verfügung gestellt hat.
Hier arbeitet er bis heute und das ist für ihn – genauso wie die Stadt – in seinem turbulenten Leben eine wichtige Konstante, meint Rebar Aziz:
„Pforzheim ist schön. Es ist sehr klein und kompakt, und ich fühle mich hier wohl. Also, man kann auch in die große weite Welt, ohne Pforzheim verlassen zu müssen.“
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