Von seltenen Kunstfliesen bis zur Ersatzkachel nach dem Rohrbruch

Ein Reich voller Fliesen: Söhne übernehmen Lebensaufgabe ihres Vaters

Philipp und Tom Hettwer führen nahe Ingelheim das Fliesenlager ihres Vaters. In der Lagerhalle lagern 50.000 Altfliesen für Ersatz bei Wasserschäden und seltenen Motiven.

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In einer Lagerhalle in der Nähe von Ingelheim lagern rund 50.000 verschiedene Fliesen. Hier betreiben die Brüder Philipp und Tom Hettwer ein einzigartiges Reich voller Fliesen, das sie Anfang des Jahres als Lebenswerk ihres Vaters übernommen haben. Viele der Altfliesen stammen aus den Fünfziger- bis Achtzigerjahren und sind im Baumarkt längst vergriffen.

50.000 Altfliesen im Fliesen-Archiv

Wer einen Wasserschaden hat oder eine einzelne Fliese ersetzen muss, steht oft vor einem Problem. Etwa 200 Aufträge pro Woche erreichen Philipp und Tom Hettwer. Kundinnen und Kunden kommen genervt mit monatelangen Problemen ins Archiv – und gehen im besten Fall mit einem Lächeln wieder hinaus, weil sie eine Lösung gefunden haben. Viele schicken zunächst Fotos der beschädigten Stellen. Im computergestützten Archivsystem sind die Fliesen nach Größe, Farbe und Hersteller sortiert.

Detektivarbeit und Preise

Philipp Hettwer spricht von der Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Heute wird der 31-Jährige schnell fündig und findet die passende dunkle Fliese im Lager. Bei über 50.000 verschiedenen Fliesen wäre ein Einzelpreis für jede Variante „utopisch“. Deshalb haben die Brüder ein einheitliches Preissystem eingeführt: Je nach Format liegen die Preise zwischen 300 und 350 Euro pro Quadratmeter. Die Dienstleistung der Suche ist dabei bereits enthalten – egal, ob sie nur eine Minute oder ein bis zwei Stunden dauert. Wenn eine bestimmte Fliese nicht vorhanden ist, recherchieren die Brüder weiter für ihre Kundschaft.

Familienbetrieb mit Tradition

Philipp und Tom Hettwer arbeiten mit fünf Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Verkauf und im Lager. Das gemeinsame Mittagessen hat Tradition und ist ihnen als kleinem, familiären Unternehmen wichtig. Diese Kultur hat schon Vater Hermann Hettwer gepflegt, der als Steinmetz und Fliesenleger das Archiv und den Betrieb aufgebaut hat. Für die Söhne war es eine Herzensangelegenheit, den Betrieb zu übernehmen. Hermann Hettwer ist stolz und schaut weiterhin regelmäßig vorbei, um nach dem Rechten zu sehen.

Licht, besondere Motive und kleine Konflikte

Der 26-jährige Tom Hettwer fotografiert die gefundenen Fliesen für Angebote an die Kundschaft. Dabei spielt das Licht im Studio eine entscheidende Rolle, damit die Fliese beim Kunden genauso aussieht wie im Archiv. Im Lager liegen auch besondere Stücke: eine Janosch-Fliese, Marilyn Monroe fürs Bad, Motive zur Route 66 und eine Picasso-Fliese, für die bereits 7.000 Euro geboten wurden. Zwischendurch gibt es akute Notfälle, etwa wenn eine Hausbesitzerin ausgerechnet die wichtigste Fliese nicht aufgehoben hat. Wenn im letzten Moment beim Verpacken doch mal etwas herunterfällt, sehen die Brüder das sportlich: Der Kunde wird informiert, die Lieferung verzögert sich höchstens um einen Tag – und am Ende sind alle wieder zufrieden. Dann wartet schon die nächste Detektiv-Arbeit im Ingelheimer Fliesenlager.

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SWR