Mehrere 100.000 Tonnen Elektroschrott fallen in Deutschland pro Jahr an. Darin enthalten sind auch seltene Erden wie Kupfer, Platin oder Gold. Die Förderung dieser Ressourcen und die Herstellung der Geräte sind energieaufwändig. Eine möglichst lange Nutzung ist aus Gründen des Klimaschutzes daher sinnvoll. Dennoch werden nur wenige Geräte repariert.
Das Ministerium für Landwirtschaft, Weinbau, Umwelt und Forsten in Rheinland-Pfalz erklärt: "Der Bereich der Elektro- und Elektronikgeräte ist einer der am schnellsten wachsenden Märkte in der westlichen Welt. […] So wächst auch der Abfallberg aus diesem Bereich dreimal schneller als der Berg der übrigen kommunalen Abfälle."
Verklebte oder verschweißte Teile machen Reparatur schwer
Bei der Herstellung setzen Produzenten oft auf billige Teile, ein kleines defektes Zahnrad kann dann das ganze Gerät lahmlegen. Öffnen Reparaturbetriebe das Gerät, stoßen sie an die nächste Herausforderung: Bauteile sind oft verklebt oder verschweißt. Das ist für den einmaligen Einbau praktisch und günstig, lässt sich aber nicht so leicht reparieren, wie zum Beispiel verschraubte Teile.
Steffen Vangerow, Geschäftsführer eines Reparaturbetriebes in Reutlingen, repariert aktuell vor allem Küchenmaschinen. Auf seiner Werkbank werden sowohl alte als auch neue Küchenmaschinen zerlegt.
Bei dieser Küchenmaschine, da haben wir am Anfang gar keine Ersatzteile bekommen. Mittlerweile gibt es die. Dadurch haben wir uns aber angewöhnt, wirklich auch die Verriegelung selber zu reparieren.
Neue EU-Richtlinie ab 31. Juli Handy, Waschmaschine und Fernseher: Was bringt mir das Recht auf Reparatur?
Das Handy ist gerade zwei Jahre alt, da geht der Akku kaputt und lässt sich nicht austauschen. Ab 31. Juli haben Kunden nun ein gesetzliches Recht auf Reparatur. Was bringt das?
Reutlinger Familienbetrieb setzt sich seit Jahrzenten für bessere Reparatur ein
Steffen Vangerow und seine Familie setzen sich schon jahrelang für einfachere Reparaturen ein. Deswegen ist es aus ihrer Sicht ein Erfolg, dass ab sofort in der EU das Recht auf Reparatur gilt.
Mehr Reparaturen: Ein Gewinn fürs Klima
Wenn durch Reparaturen die Lebensdauer der Geräte verlängert wird, sind weniger Ressourcen wie seltene Erden nötig. Auch aus energetischer Sicht sei eine Reparatur lohnend, sagt Volker Stelzer, Energieforscher am KIT in Karlsruhe: "Jedes Gerät, was hergestellt wird, wird unter Energieaufwand hergestellt. Es werden Materialien aus der Umwelt entnommen. Es werden diese Materialien verarbeitet. Es werden die Materialien transportiert. Es werden die Materialien hinterher verarbeitet zu diesem Endprodukt. Das ist die sogenannte graue Energie, die enthalten ist."
Die Energie, die zur Herstellung eines Produkts aufgewendet werden muss, ist immer gleich groß, egal wie lange ein Gerät genutzt wird. Verlängert sich die Nutzungsdauer durch eine Reparatur, wird die eingesetzte Energie effizienter verwendet.
Reparatur gegen Neukauf
Steffen Vangerow erklärt, dass eine Reparatur vor allem im Konkurrenzkampf zu einem Neukauf steht. Gerade bei günstigen Geräten ist eine Reparatur oft teurer als ein Neukauf, das macht Reparieren für viele Konsumentinnen und Konsumenten unattraktiv. Der Grund für den Preisunterschied sind verschiedene Lohn- und Energiekosten. Im Herstellungsland sind die meist niedriger als bei uns in Deutschland.
Profitiert das Klima in Zukunft wirklich?
Ob das Recht auf Reparatur in der Praxis ein Erfolg wird, muss sich erst noch zeigen. Das kommt vor allem auf die Preisgestaltung und die Verfügbarkeit der Ersatzteile an. Dann braucht es aber auch noch das nötige Know-How, damit Staubsauger, Smartphone und Waschmaschine überhaupt richtig repariert werden können. Nur so kann ein sinnvoller Beitrag zum Schutz der Umwelt geleistet werden.