Immer mehr Mülltonnen sind mit kleinen Transponderchips ausgestattet. Das hilft Abfall-Betrieben und auch Anwohnern. Denn nicht immer und überall wird so penibel Müll getrennt, wie das Klischee über "die Deutschen" suggeriert.
- Wie funktioniert eine gechippte Tonne?
- Was bringt die Müll-Digitalisierung den Kunden?
- Wie sind die Erfahrungen mit dem Chipsystem?
In Rheinland-Pfalz gibt es gechippte Tonnen schon in etlichen Kommunen, zum Beispiel im Kreis Alzey-Worms oder in Landau. Dort wird gerade zum Jahreswechsel auch das Gebührensystem umgestellt. Ab sofort zahlen die Anwohnerinnen und Anwohner in Landau nur noch für tatsächliche Leerungen ihrer Tonnen.
In Baden-Württemberg sollten zum Jahresanfang in Heilbronn nur noch Restmüllbehälter und Biotonnen geleert werden, die gechippt sind. Allerdings verzögert sich in manchen Bezirken die Auslieferung der neuen Tonnen. Ein paar Tage wird es noch dauern, bis das System vollständig umgestellt ist. Im Zollernalbkreis wurden vor einem halben Jahr 85.000 Chips in Mülltonnen ausgetauscht, weil sie eine Funkfrequenz hatten, die angeblich nicht EU-Vorgaben entsprach. Auch die Landkreise Heidenheim und Ludwigsburg waren vom Austausch betroffen.
Wie funktioniert eine gechippte Tonne?
In den Tonnen sind sogenannte RFID-Chips eingebaut. Das ist das gleiche Prinzip, welches zum Beispiel auch viele Dienstausweise oder Geschäfte für ihr Warenmanagement nutzen. Auf diesen Chips sind keine persönlichen Daten gespeichert - Vornamen, Nachnamen oder die Adresse des Mülltonnenbesitzers kann man mit ihnen nicht auslesen. Es befindet sich nur eine Nummer im Chip, mit der der Entsorger eine Tonne dem Besitzer zuordnen kann.
In den Müllfahrzeugen sind Lesegeräte verbaut. Die erkennen zum Beispiel, dass Mülltonne 127 bereits zum 14. Mal in diesem Jahr geleert wurde oder dass der Müll 62 Kilogramm gewogen hat. Die Informationen werden gespeichert und so lässt sich dann die Abfallgebühr am Ende des Jahres individuell berechnen. Ziel ist es, dass die Müllentsorgung effizienter und kostensparender ist.
Was bringt die Müll-Digitalisierung den Kunden?
Die Müllmenge oder die Anzahl der Leerungen lässt sich durch das Chipsystem einfach, sehr präzise und fehlerfrei feststellen. Davon können alle profitieren, die möglichst wenig Müll erzeugen. Denn wenn etwa gezählt wird, wie oft ein Kunde seine Tonne herausstellt und man das nur selten macht, muss derjenige auch weniger Abfallgebühren zahlen.
Deshalb sind die Chips in der Regel auch vor allem in Restmüll- und Biotonnen, deren Leerung am teuersten ist. Die Chips helfen nicht nur beim Geldsparen, sondern auch der Umwelt: Das System bringt viele Bürger dazu, den Müll besser zu trennen oder sogar gezielt zu vermeiden, weil sie versuchen auf so wenig Leerungen wie möglich zu kommen.
Wie sind die Erfahrungen mit dem Chipsystem?
Insgesamt läuft das Chipsystem gut. Denn sowohl die Kommunen als auch die Kunden haben in der Regel etwas davon: Gut sortierter Müll spart beiden Kosten. Städte, die schon länger die Chips nutzen, kommen tatsächlich auf weniger Restmüll, dafür bestellen die Kunden dann oft größere Plastikmülltonnen.
Teilweise gibt es allerdings Probleme, wenn die Müllfahrzeuge in die Reparatur müssen. Dies war im Sommer im Zollernalbkreis ein Thema. In dem Landkreis sind mehrere Müllautos gleichzeitig ausgefallen und weil sie so spezialisiert waren, konnte man sie nicht einfach ersetzen. Die Folge: Der Müll blieb stehen.
Als das Chippen noch ganz neu war, gab es auch die Sorge vor erhöhter illegaler Müllentsorgung. Das hat sich aber nicht bewahrheitet. Denn meistens gibt es eine bestimmte Anzahl an Mindestleerungen pro Jahr, für die man sowieso zahlen muss. Unterm Strich scheint das Chippen der Mülltonnen somit eine gute Lösung zu sein.