Meteorologischer Herbstanfang

Bunte Blätter und Regen: Enden mit dem Herbst Trockenheit und Hitze?

Die Blätter fallen, die Temperaturen sinken. Ist die Trockenheit vorbei, kommt die Heizung bald zum Einsatz oder wird es wieder wärmer? Das sagt ein Meteorologe zum offiziellen Herbstanfang.

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Stand

Bei den Bäumen konnte man im Sommer schon von einem frühen Herbst sprechen, denn sie sind viel früher bunt als üblich geworden. Die Ursache lag aber an der enormen Trockenheit und Hitze. "Teilweise ist es ein Wassersparmechanismus des Baumes - Ballast abwerfen zum Überleben - teilweise ist es Sonnenbrand", so Andreas Wagner, Meteorologe und Hydrologe vom ARD-Wetterkompetenzzentrum.

Sonnenbrand sorgte früh für bunte und fallende Blätter

Schuld war der Rekordsommer mit Temperaturen von bis zu 40 Grad im Schatten, trockener Luft und starker Sonneneinstrahlung. Die Blätter verbrannten regelrecht. Das Ausmaß zeige sich vor allem bei den jungen Bäumen erst im nächsten Frühjahr, so der Wetterexperte: "Ganz erloschen oder ganze Äste abgestorben?"

Herbstlich verfärbte Ahornblätter: Trockenheit lässt die Herbstfarben bereits im August erscheinen.
Erste herbstlich verfärbte Ahornblätter stehen an einem Baumschössling. Ein warmer trockener Sommer, dem ein mit viel Regen verbundener Temperatursturz folgte, lässt die Herbstfarben bereits im August erscheinen. picture alliance/dpa | Frank Hammerschmidt

Regen kommt durch harte Böden nicht durch

Weil es in den vergangenen Tagen örtlich teils kräftige Schauer, Gewitter mit Platzregen und Sturmböen gegeben habe, könne man den Eindruck bekommen, dass Dürre und Trockenheit vorüber sind und die Pegelstände steigen. Allerdings seien die Böden nur im oberen Bereich durchgefeuchtet worden.

Meteorologe: "Wir brauchen leichten bis mäßigen Dauerregen"

"Nach so viel Sonnenschein und Hitze sind die Böden bei uns in Rheinland-Pfalz jedoch tiefgründig ausgetrocknet", so Wetterexperte Wagner. Bei starken Gewittern könne ein Großteil des Regens gar nicht in die "hartgebackenen" Böden eindringen, sondern fließe oberirdisch ab. Sprich: dieses Wasser ist verloren und kommt uns nicht zu Gute. "Was wir benötigen, sind ergiebige Landregen": Also gleichmäßiger leichter bis mäßiger Dauerregen, der die Böden aufweicht und dem Regenwasser Gelegenheit bietet, in tiefere Schichten einzusickern.

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Müsste von September bis April ständig regnen

Damit die Böden bis in einer Tiefe von 1 bis 2 Metern richtig durchnässt werden - und nur dann können die niedrigen Grundwasserspiegel wieder ansteigen - müsste laut Wagner von September bis Ende April in jedem Monat das volle Regensoll erreicht, besser noch, überschritten werden. "Das sind abseits der Berge Regenmengen von 300 bis 500 Liter Regen pro Quadratmeter." Das sei aber eher unwahrscheinlich.

Aktuelle Temperaturen typisch, dann 5 bis 7 Grad zu warm

Die derzeitigen Temperaturen seien für die Jahreszeit typisch. Zum Wochenende hin werde es wieder wärmer. Bis Mitte nächster Woche schwankten die Werte. "Es kann zwischenzeitlich 5 bis 7 Grad zu warm sein für die erste Septemberhälfte", so der Wetterexperte. Dabei liege Rheinland-Pfalz in den kommenden 7 Tagen im Übergangsbereich zwischen regnerischem, windigem und eher kühlem Wetter über Norddeutschland und sommerlich-warmem und trockenem Wetter in Süddeutschland. "Bei uns in Rheinland-Pfalz sind bis Mitte nächster Woche keine ergiebigen Regenfälle in Sicht". Am ehesten mal leicht regnen könne es nördlich der Mosel. Richtung Südpfalz fielen nur wenige Tropfen.

Herbst wohl insgesamt deutlich zu warm

Wie der komplette Herbst verlaufen werde, darüber gebe es keine verlässlichen Prognosen, so der Meteorologe. "Was wir wissen ist, dass die Meerwassertemperaturen um Europa herum deutlich zu hoch sind". Das gehe vom 4 bis 6 Grad zu warmen Mittelmeer bis zur 2 bis 3 Grad zu warmen Nordsee. "Daher ist es schwer für die Natur in den kommenden Monaten 'zu kaltes Wetter' hinzubekommen, denn auf ihrem Weg über zu warmes Meerwasser werden auch die Luftmassen, die zu uns strömen, aufgewärmt", so der Wetterexperte. Deutlich zu hohe Monatsmitteltemperaturen seien deshalb im Herbst sehr wahrscheinlich. Das schließe Dauerregen mit zu kalten Temperaturen oder eine zähe-kalte Nebelschicht in den Flusstälern nicht aus.

Ein Ende der Niedrigwassersituation ist derzeit bis mindestens Mitte September nicht in Sicht.

Ein Ende der Bodentrockenheit sei derzeit nicht in Sicht. "Nur wo es wirklich heftige Gewitter gab, kann es oberflächlich nass sein. Die Pegelstände haben sich kaum erholt bisher", so der Hydrologe. Was man an Pegelanstiegen beobacht habe, sei nur durch oberflächlich abfließendes Wasser verursacht worden. Es seien viele tausend Kubikmeter Wasser, die durch Versiegelung der Böden, Dachentwässerungen und so weiter direkt in die Kanalisation abfließen. Dadurch steigen die Wasserstände kurzfristig an. Bei trockenem Wetter sinken sie aber auch wieder auf das vorherige Niveau ab. "Folglich bleibt uns auch das extreme Niedrigwasser am Rhein erhalten", so Wagner.

Wasserstand bei Kaub wird wieder sinken

Der Pegelstand bei Kaub lag im August zeitweise bei nur 5 Zentimetern. Nach den heftigen Unwettern in Baden-Württemberg und der Schweiz sei er zwar inzwischen um rund 70 Zentimeter angestiegen. Er "wird jedoch in den kommenden Tagen wieder deutlich absinken", sagt der Hydrologe. Bei anhaltender Trockenheit im südlichen Rheineinzugsgebiet dürfte der Wasserstand bei Kaub bald schon wieder auf 40 bis 20 Zentimeter absinken.

Damit die Wasserspeicher aufgefüllt werden, bedarf es einer sehr langen und niederschlagsreichen Witterungsperiode im Herbst und Winter. "Wir können nur hoffen, dass uns die Natur wohlgesonnen ist und uns ausreichend Regen bis zum Frühjahr beschert".

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SWR

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