Wenn man sie heute sieht, strahlt sie Lebensfreude und eine ausgeglichene, positive Energie aus. Doch Maria (Name von der Redaktion geändert) ging es vor einigen Jahren noch sehr schlecht. Sie litt an einer schweren Depression.
Langes Warten auf Psychotherapie
Sie sagt, sie hatte seit ihrer Kindheit das Gefühl, dass etwas nicht in Ordnung ist. Sie habe immer mehr die negativen Dinge wahrgenommen, als die positiven. Schlechte Erfahrungen prägten und belasteten sie zusätzlich. Als ihr Lebensgefährte an Krebs erkrankte und starb, zog ihr das den Boden unter den Füßen weg.
Ihr war klar, ohne Hilfe würde sie es nicht schaffen. Vor allem, um die Trauer um ihren Lebensgefährten zu bewältigen, suchte sie nach einer ambulanten Psychotherapie und fand sie schließlich in der Ambulanz der Universität Trier. Wie überall gibt es auch dort lange Wartezeiten von etwa einem Jahr. Sie bekam nach vier Monaten einen Termin.
Zwei Jahre hat ihre Therapie gedauert, eine Sitzung pro Woche hatte sie. Es ging nicht nur bergauf, es gab auch Rückschläge, sagt sie. Auch durch beruflichen Stress stand sie zwischendurch kurz vor einem Burnout. Doch sie gab nicht auf, arbeitete außerhalb der Therapiesitzungen auch selbst an sich.
Besondere Psychotherapie an der Uni Trier
Über die eigenen Fortschritte oder auch Rückschläge nachdenken, seine Gefühle auszudrücken - das ist ein wesentlicher Baustein der Behandlung in der Ambulanz für Psychotherapie der Universität Trier.
Dort werden die Ausbildung angehender Psychotherapeuten, die Behandlung und die Forschung in der Psychotherapie verbunden - mit dem Computerprogramm des sogenannten Therapienavigators.
Vor und nach jeder Therapiesitzung werden in dem Computerprogramm anonymisiert Fragebögen ausgefüllt. Es geht unter anderem um die Stimmung, ob man das Gefühl hat, es geht besser oder schlechter und auch um die Beziehung zwischen Patient und Therapeut und wie sie die Sitzung wahrgenommen haben. Das Computerprogramm errechnet aus diesen Daten Diagramme zum Verlauf der Therapie.
Seit etwa 15 Jahren forscht der Fachbereich Psychologie der Universität Trier am Therapienavigator. Seitdem werden anonymisierte Daten zu Diagnostik, der Situation von Patientinnen und Patienten und dem Verlauf der Therapien gesammelt. "Der Therapienavigator ist nicht wie autonomes Fahren", sagt Professor Wolfgang Lutz, der den Fachbereich Psychologie und die Ambulanz für Psychotherapie leitet.
Der Therapienavigator ist eine Orientierung und Unterstützung
Der Therapienavigator sei eine Orientierung und Unterstützung, er gebe Vorschläge. Die eigentliche Entscheidung, die werde immer von den Therapeutinnen und Therapeuten getroffen. Das sei eine klinische Entscheidung.
"Das heißt, man schaut sich an, wie ist die Situation der Patientin, des Patienten im Vergleich zu allen anderen Patientinnen und Patienten und was ist möglicherweise die beste Option. Ich beschreibe das gerne so, man lernt aus den gewonnen Erfahrungen der Behandlungen vorher", so Professor Lutz.
Eine Kurve zeigt an, ob die Therapie die erhoffte Wirkung zeigt, ob es bergauf oder bergab geht. Das Programm gibt auch Alarmsignale, wenn es einem Patienten so schlecht geht, dass akut etwas unternommen werden muss, um zu helfen. Außerdem schlägt das Programm den Therapeuten vor, welche Behandlungsmethoden hilfreich sein könnten, wenn die Therapie nicht richtig anschlägt. Diese Vorschläge können für den Verlauf der Therapie hilfreiche Ansätze bieten.
In den Behandlungszimmern wird jede Sitzung mit mehreren Kameras aufgezeichnet. Da die Behandlungen in der Ambulanz der Universität Trier von angehenden Therapeutinnen und Therapeuten nach dem Masterstudiengang der klinischen Psychologie durchgeführt werden, gibt es mindestens nach jeder 4. Sitzung eine Supervision. Die Daten werden außerdem für die Forschung im Fachbereich Psychologie genutzt.
Ich bin mit einem ganz offenen Gefühl rangegangen.
Maria sagt, die Kameraaufzeichnung während der Therapiesitzung habe ihr nichts ausgemacht, auch nicht die teils umfangreichen Computer-Fragebögen, die sie vor und nach den Sitzungen ausfüllte. "Ich bin mit einem ganz offenen Gefühl rangegangen", sagt sie. Sie habe es aus der Perspektive gesehen, dass die Universität die besten Möglichkeiten sucht, die zur Heilung beitragen und dass man dort bei der Therapie auf dem aktuellen Stand ist.
Nach zwei Jahren, am Ende ihrer Psychotherapie, sah sie anhand der Aufzeichnungen mit ihrer Therapeutin verschiedene Videosequenzen ihrer Sitzungen an, erzählt sie. "Man konnte auch eine Entwicklung sehen, wie ich anfangs auf dem Stuhl gesessen habe und später - erst so eingekauert, durch die Depression so niedergeschlagen und nachher eine aufrechte Position hatte."
Es hat um 180 Grad mein Leben verändert.
Ihre Therapie liegt jetzt schon ein paar Jahre zurück. "Es hat um 180 Grad mein Leben verändert, auch die Sichtweise zum Leben", sagt sie. Vor der Therapie habe sie zweimal versucht, sich das Leben zu nehmen. Jeden Tag, an dem sie morgens aufgewacht sei und noch da war, sei eine Höllenqual für sie gewesen. Heute sei sie um jeden Tag froh, den sie hier sein dürfe, gesund und munter.