Bunte Lichter und Weihnachtsduft: Menschen in Trier bummeln in diesen Tagen durch die festlich geschmückte Innenstadt. Aber nicht alle sind in Feier-Stimmung. Denn die Amokfahrt vor fünf Jahren hat jeder unterschiedlich verkraftet. Und einige Trierer berichten, dass sie sich seitdem in der Fußgängerzone nicht mehr so sicher fühlen wie einst.
Sicherheitsgefühl hat sich nach Amokfahrt teils verändert
Auch wenn mancher Ladenbesitzer oder Passant die neuen Sicherheits-Poller unpraktisch und nicht schön findet: Viele Besucher der Innenstadt sagen, dass sie sich damit beschützter fühlen.
Betroffene der Amokfahrt empfinden unterschiedlich
Die Amokfahrt hat Dutzende Menschen traumatisiert, teils auch Helfer. Augenzeugen haben damals entsetzliche Szenen beobachtet, hatten selbst Angst um ihr Leben.
Viele unmittelbar Betroffene habe das so erschüttert, dass sie seitdem die Innenstadt nicht mehr aufsuchen können. Das sagte Sybille Jatzko dem SWR. Sie unterstützt in der Stiftung Katastrophen-Nachsorge Menschen nach schlimmen Ereignissen. Wie dem Flugunfall in Ramstein 1988 oder der tödlichen Love-Parade von 2010. Oder eben der Amokfahrt von Trier.
Unterschiedliche Bedürfnisse der Amokfahrt-Opfer in Trier
Die Hinterbliebenen der Opfer würden in der Regel schon an den Ort des Geschehens kommen, sagt sie. Also an den Ort, an dem ihre Angehörigen ums Leben gekommen sind. Dieser Ort ist ihnen sozusagen heilig, erklärt Jatzko. Denn an dieser Stelle habe der Angehörige vorher noch gelebt. Dort können die Hinterbliebenen ihnen am intensivsten begegnen.
Für die traumatisierten Überlebenden der Tat sei das ganz anders. Wie Jatzko sagt, werden sie am Ort oft sehr stark mit ihrem Trauma von damals konfrontiert. Was bei Traumatisierten zum Auslöser werden kann, das wisse man vorher nicht. Das wüssten auch die Traumatisierten vorher nicht. Deswegen brauche es manchmal sehr viel Zeit, ein traumatisches Erlebnis zu verarbeiten.
Musik, Geräusche oder Gerüche als Trigger
Nach und nach lernten Betroffene solche Trigger überhaupt erst kennen. Das könne Musik sein, das könne aber auch ein Geräusch sein. Wenn sie zum Beispiel auf dem Weihnachtsmarkt stehen und ein Auto von hinten kommen hören. Das könne Panikreaktionen auslösen. Auch ein bestimmtes Licht, ein Geruch oder ein Geschmack könne ein Auslöser sein.
Die Überlebenden kämpfen darum, in das Leben zurückzukommen
In der Nachsorge der Betroffenen brauchten diejenigen, die durch die Amokfahrt Angehörige verloren haben, manchmal eine andere Begleitung als Traumatisierte, die ein schreckliches Ereignis erlebt und überlebt haben. Daher würden sie manchmal in Gruppen getrennt. Aber später kommen sie zusammen, weil auch gemeinsame Gespräche für sie wichtig sind, berichtet Jatzko.
Da wollen die Hinterbliebenen die Überlebenden kennenlernen. Dann wollen sie von ihnen hören, wie es vor Ort gewesen ist. Für die Hinterbliebenen ist es im Trauerprozess sehr wichtig ist, die Wahrheit zu erfahren. Sie wollen wissen, wie es geschehen ist.
Sicherheitsdebatte aufmerksam verfolgt
Bernd Steinmetz aus Trier ist ebenfalls bei diesen Treffen dabei. Er hat früher die Telefonseelsorge geleitet. Er sagt, für alle Betroffenen sei wichtig, dass sie das Gefühl haben, dass sich so etwas in Trier nicht wiederholen kann. Deswegen haben sie auch aufmerksam verfolgt, wie die Stadt an ihrem Sicherheitskonzept arbeitet. Und wie es mit den Pollern weitergeht oder auch stagniert.
Wichtig war für die Betroffenen der Amokfahrt auch, dass die Stadt sie in die Überlegungen einbezogen hat. Sie konnten Stellung nehmen zum Sicherheitskonzept. Denn in gewisser Form sind die Betroffenen auch Expertinnen und Expertinnen für Sicherheit in der Innenstadt.