Inklusion mal anders

Ab in die Hecke! Wie ein Projekt in Serrig Menschen zusammenbringt

Gemeinsam etwas für die Natur tun: Dafür haben sich Menschen mit und ohne Beeinträchtigung beim Hofgut Serrig getroffen. Aus etwas Kleinem soll etwas Großes entstehen.

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Stand

Von Autor/in Alicia Tedesco

Matsch klebt an den Schuhen von Christoph Halbe, mit jedem Schritt sinkt er etwas in den Boden ein und er muss aufpassen, nicht in eine Pfütze zu treten. Ihn und die etwa 30 anderen Menschen, die auf einem Feld vor dem Hofgut Serrig arbeiten, kümmert das wenig.

Drei Männer stehen auf einem Feld beim Hofgut Serrig.
Christoph Halbe (links), Josef Jakoby (Mitte) und Klaus Marx (rechts) haben das Projekt "Baumstark für alle" organisiert. Alicia Tedesco

Sie schieben Schubkarren durch den Matsch, rammen Schaufeln in die Erde, überall stehen Pflanzkübel. Alle haben gute Laune und lachen viel. Es ist ein Miteinander und genau das ist das Ziel der Aktion "Baumstark für alle" auf dem Hofgut Serrig. Entstehen soll am Ende eine 55 Meter lange Naturhecke aus Sträuchern, die um ein Feld entlang gepflanzt wird.

Es geht darum, Menschen mit und ohne Beeinträchtigung zusammenzubringen.

Das Projekt wurde von der Lebenshilfe-Werke Trier, dem Naturpark Saar-Hunsrück und dem Hofgut Serrig ins Leben gerufen. Mit dabei sind Beschäftigte mit Beeinträchtigung vom Hofgut, Schüler einer fünften Klasse aus Saarburg und andere Ehrenamtliche.

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Christoph Halbe von den Lebenshilfe-Werken Trier fasst es so zusammen: "Wir haben hier ein Projekt ins Leben gerufen, wo es vor allem darum geht, Menschen mit und ohne Beeinträchtigung zusammenzubringen. Wir wollen etwas Sinnstiftendes miteinander entstehen lassen."

Spaß bei der Arbeit im Matsch

Mit dabei ist Adrian Stamm. Er ist einer der Helfer mit Beeinträchtigung. Er verteilt die Hackschnitzel auf dem Weg zum Feld. Nach der Aktion sagt er: "Es war toll, klar. Aber sehr, ..." - er sucht nach dem Wort, reibt sich dabei die Arme und zieht die Schultern hoch - "... sehr kalt." Dann wirft er die Arme nach oben, zuckt mit den Schultern und lacht herzlich. "Aber das ist halt so! Sonst war's toll."

Zwei Männer geben sich vor dem Hofgut Serrig ein High Five, nachdem sie beim Projekt "Baumstark für alle" geholfen haben.
Adrian (rechts) gibt Daniel (links) nach einem erfolgreichen Arbeitstag ein High Five. Alicia Tedesco

Auch Felix Ebert macht mit. Er sticht mit seiner gelben Warnweste heraus und schiebt volle Schubkarren übers Feld. "Das alles hier gefällt mir sehr gut", sagt er.

Gelebte Inklusion am Hofgut Serrig

Gemeinsam mit Felix schaufeln die Schüler aus der Realschule in Saarburg die Hackschnitzel in die Schubkarren. Dann bringen sie die Karren zum Feld, damit die anderen Helfenden sie verteilen können.

Fünf Schüler und ein Azubi schaufeln Hackschnitzel beim Hofgut Serrig, um bei der Aktion "Baumstark für alle" zu helfen.
Felix (gelbe Jacke) arbeitet mit den Schülern Julian, Raphael, Leon, Bamlak und Ben (von links nach rechts) zusammen. Gemeinsam schaufeln sie Hackschnitzel in Schubkarren. Alicia Tedesco

Einer von den Schülern ist Raphael Schöpp. Ihm hat das besonders Spaß gemacht, erzählt er später: "Es war sehr schön und toll, mit den Schubkarren und den Schaufeln." Julian Kabak sieht das genauso. Er fährt bis zum Schluss die Schubkarren runter zum Feld, während die anderen Schüler schon ihre matschigen Schuhe im Gras sauberwischen.

Menschen arbeiten auf einem Feld beim Hofgut Serrig, um Hecken einzupflanzen und Inklusion zu fördern.
Angst vor Dreck gibts hier nicht: Alle Helferinnen und Helfer packen mit an, um die Naturhecke beim Hofgut Serrig zu pflanzen. Alicia Tedesco Bild in Detailansicht öffnen
Ein Mann schaufelt ein Loch, zwei Jungs schauen zu. Sie helfen beim Projekt "Baumstark für alle" auf dem Hofgut Serrig.
Felix und Julian helfen dabei, den letzten Setzling für die Naturhecke zu pflanzen. Alicia Tedesco Bild in Detailansicht öffnen
Zwei Menschen schieben leere Schubkarren über eine Wiese vor einem Feld beim Hofgut Serrig.
Felix (rechts) und sein Chef Daniel Brunćević (links) bringen leere Schubkarren zurück zur Scheune. Alicia Tedesco Bild in Detailansicht öffnen
Eine Gruppe von Menschen läuft mit Schubkarren und Schaufeln zu einem Haus. Sie haben bei der Aktion "Baumstark für alle" auf dem Hofgut Serrig geholfen.
Felix, Julian und andere Helfer räumen gemeinsam auf: Die letzte Pflanze ist gepflanzt und es wird Zeit, wieder nach Hause zu gehen. Alicia Tedesco Bild in Detailansicht öffnen

Inklusions-Projekte schaffen Toleranz

Mit der Dämmerung fangen alle an, ihre Schaufeln einzusammeln. Julian und Felix helfen, die letzte Pflanze einzubuddeln und mit Hackschnitzeln zu bedecken - dann ist Feierabend. Mit leeren Schubkarren, matschigen Schuhen und einem zufriedenen Lächeln laufen sie zurück nach oben. Felix räumt die Schubkarren weg, während Julian sich jetzt auch die Schuhe im Gras sauberwischt - so gut es geht, zumindest.

Am Ende des Tages sagen alle: Es hat Spaß gemacht. Vor allem gemeinsam zu arbeiten, ob mit Beeinträchtigung oder ohne. Einige wollen auf jeden Fall wieder kommen, um zu helfen.

Zwei Menschen laufen bei Dämmerung auf einem Feldweg beim Hofgut Serrig.
Nach getaner Arbeit drehen zwei Helfer eine letzte Runde übers Feld: Für heute ist alles geschafft! Alicia Tedesco

"Kindergarten" für Bäume

Die gepflanzte Hecke soll später die Bäume schützen, die im kommenden Frühjahr gepflanzt werden. Sie soll zum Beispiel verhindern, dass Rehe sie anknabbern. Gleichzeitig soll sie Futter für Vögel bieten. Geplant ist, auf dem Feld Wald- und Obstbäume heranwachsen zu lassen.

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"Das ist praktisch der Kindergarten", erklärt Josef Jakoby von der Baumschule, die die Setzlinge für die Hecke beigesteuert hat. Auf die Fläche beim Hofgut Serrig passen später wohl mehrere tausend Bäume drauf. Ein bis zwei Jahre später sollen die Bäume dann in den Wald umgepflanzt werden. Wer will, kann sich die Obstbäume auch kostenlos für den eigenen Garten abholen.

Die Hecke war erst der Anfang

Das Feld liegt jetzt still da - aber verändert. Schuh- und Schubkarrenspuren ziehen sich durch die matschige Erde und neben den Pfosten ragen nun viele kleine Sträucher aus dem Boden. Die Hecke muss jetzt erst einmal wachsen.

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Die Hecke zu pflanzen, war erst der Anfang - es folgen noch weitere Aktionen. Zum Beispiel sollen noch neue Lebensräume aus Totholz für Insekten entstehen oder Nistkästen für Vögel gebaut werden. Und das freut Projektleiter Christoph Halbe: "Dann kann hier noch eine ganze Menge passieren."

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Das Hofgut Serrig produziert regional erzeugte Lebensmittel. Als Tochterbetrieb der Trierer Lebenshilfe ist es auch eine soziale Einrichtung, die Menschen mit Handicap beschäftigt. Seit kurzen verfügt das Hofgut auch über eine Wetterstation, die laufend Daten an den Deutschen Wetterdienst meldet.

Landesschau Rheinland-Pfalz SWR RP

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Alicia Tedesco
Foto von Alicia Tedesco

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