Papiermühle ist seit vier Jahren eine Baustelle. Immer wieder wurden in dem kleinen Ort im Dhrontal Straßen und Bürgersteige aufgerissen, um Glasfaserkabel zu verlegen. In dieser Zeit waren in dem Ortsteil von Neumagen-Dhron Arbeiter aus halb Europa und sogar aus Südamerika im Einsatz. "Die Krönung war eine Kolonne aus Ecuador", erzählt Ortsbürgermeister Dieter Heintz.
Die Arbeit, die sie in Papiermühle geleistet haben, sei allerdings alles andere als auf internationalem Niveau gewesen. Durch die Straßen ziehen sich Risse. Pflastersteine wurden so schlecht verlegt, dass sie zu Stolperfallen wurden.
Und das Schlimmste: Die Bürgerinnen und Bürger von Papiermühle haben noch immer kein schnelles Internet. Sie warten mittlerweile seit vier Jahren.
Papiermühle sollte 2022 zuerst Glasfaser bekommen
2021 hatte sich die Firma "Unsere Grüne Glasfaser" an der Mosel vorgestellt. Das Unternehmen versprach, Dörfer kostenlos an das Glasfasernetz anzuschließen, sofern sich genügend Bürgerinnen und Bürger für einen Anschluss entscheiden.
"In Papiermühle war die Euphorie groß", erinnert sich Dieter Heintz. Denn dort gibt es derzeit weder Mobilfunk noch schnelles Internet. Die Gemeinde Neumagen-Dhron entschied deshalb, den etwas abgelegenen Ortsteil zuerst ans Glasfasernetz anzuschließen.
Zweieinhalb Kilometer Kabel noch nicht verlegt
Doch inzwischen sind die Glasfaserleitungen in den Ortsteilen Neumagen und Dhron längst verlegt. Papiermühle aber wartet noch immer auf den Anschluss. "Man fühlt sich natürlich benachteiligt. Mit Recht", räumt der Ortsbürgermeister ein. Doch woran hängt es?
Das hat der Ortsbürgermeister erst kürzlich erfahren: Den Bauarbeitern ist aufgefallen, dass noch zweieinhalb Kilometer Kabel fehlen. Sie hätten eigentlich längst unter einem Waldweg zwischen Dhron und Papiermühle verlegt werden müssen. Doch offenbar hat die Kolonne, die vorher auf der Baustelle war, die Leitung vergessen.
Subunternehmer wechselten häufig
Es ist nicht die erste Panne bei den Bauarbeiten, sagt Heintz. Immer wieder sei es vorgekommen, dass die Bauarbeiter nach den Kabeln bohren mussten, die ihre Kollegen angeblich verlegt hatten. Manchmal fanden sie welche, manchmal nicht. Und manchmal trafen sie Stromkabel. "Wir haben Glück, dass sie zumindest keine Gasleitung erwischt haben", meint Heintz.
Er erklärt sich das so: Die von der Firma "Unsere Grüne Glasfaser" beauftragten Tiefbaufirmen beauftragten ihrerseits diverse Subunternehmen aus allen möglichen Ländern. Die wechselten immer wieder und kommunizierten nicht miteinander.
Verbandsgemeinde: Arbeiten immer "unprofessionell"
Die Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues bestätigt diese Probleme. "Die Firmen arbeiten unprofessionell und man hat den Eindruck, dass hier eigentlich keiner so richtig weiß, wie man Arbeiten fachgerecht durchführt", erklärt die kommunale Tiefbautechnikerin Mareike Ehlert: "Diese Arbeitsweise zieht sich durch alle Ortsgemeinden."
Auch Ehlert führt den Ärger auf den häufigen Wechsel der Subunternehmen und der Ansprechpartner zurück. Die Auftraggeber blickten selbst nicht mehr durch. Ihr Fazit: "Keiner sieht sich so richtig in der Zuständigkeit oder weiß überhaupt über den aktuellen Stand der jeweiligen Projekte Bescheid".
Immerhin: 14 Ortsgemeinden seien nach jahrelangem Hin und Her ans Glasfasernetz angeschlossen. Die Bürgerinnen und Bürger von Ürzig und Zeltingen-Rachtig zum Beispiel warteten aber immer noch.
Unternehmen verweist auf "technische Herausforderungen"
Das Unternehmen "Unsere Grüne Glasfaser" führt die Probleme bei den Bauarbeiten auf "technische Herausforderungen" zurück. Bei der Planung seien diese oft nicht "vollständig vorhersehbar". Worin genau diese "Herausforderungen" zum Beispiel in Papiermühle bestanden, teilte die Pressesprecherin allerdings nicht mit.
Zum häufigen Wechsel der Subunternehmer schreibt die Firma: "Bei einem Glasfaserausbau sind unterschiedliche spezialisierte Leistungen erforderlich. Je nach Aufgabe und Bauphase kommen daher entsprechend spezialisierte Unternehmen und Teams zum Einsatz." Warum diese Spezialisten offenbar nicht in der Lage waren, Kabel zu verlegen, bleibt offen.
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Glasfaseranschluss noch im Herbst?
Der Ortsbürgermeister Dieter Heintz hat eine andere Vermutung, was hinter den internationalen Kolonnen steckt: "Es wurde wahrscheinlich auf den Preis geschaut, um die Kosten zu drücken." Die Fachkenntnis jedenfalls könne nicht im Vordergrund gestanden haben.
Einig sind sich Gemeinde und Glasfaser-Firma nur in einem Punkt: Sie wollen Papiermühle schnellstmöglich ans Glasfasernetz anschließen. Alle Beteiligten hoffen, dass das noch im Herbst klappt. Darauf wetten würde Dieter Heintz nach seinen bisherigen Erfahrungen jedoch nicht.