100. Geburtstag des Architekten

Wie Oswald Mathias Ungers die Trierer Antike neu inszenierte

Der Architekt Oswald Mathias Ungers stammte aus der Eifel, kam zu Weltrang und hat auch in Trier wichtige Plätze innovativ gestaltet. Am 12. Juli wäre er 100 Jahre alt geworden.

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Von Autor/in Nicole Mertes

Oswald Mathias Ungers war schon ein international erfolgreicher und angesehener Architekt, als er Anfang der 1980er Jahre begann, mehrere Plätze in Trier komplett neu zu gestalten. Es gelang ihm, die Plätze um antike UNESCO-Welterbestätten aufzuwerten und Trier städtebaulich in die Moderne zu katapultieren.

Oswald Mathias Ungers erstes städtebauliches Projekt in Trier war der Platz vor der Konstantinbasilika.
Oswald Mathias Ungers erstes Projekt in Trier war der Platz vor der Konstantinbasilika. Bild in Detailansicht öffnen
Die "Ungers-Vitrine" am Viehmarktplatz. Der moderne Glaskubus über den Resten der antiken römischen Therme.
Die "Ungers-Vitrine" - so wird in Trier der moderne Glaskubus genannt, der die Runinen der antiken römischen Thermen am Viehmarktplatz erlebbar macht. Bild in Detailansicht öffnen
Oswald Mathias Ungers Entwurf für die Innenansicht der Viehmarktthermen in Trier
Der Entwurf des Architekten Oswald Mathias Ungers für den Glas- und Stahlkubus über den Viehmarktthemen. So sollte er innen aussehen. Fast genau so ist es geworden. Ungersarchiv Köln Bild in Detailansicht öffnen
Oswald Mathias Ungers Glaskubus über den römischen Viehmarktthermen von Innen gesehen.
Die römischen Thermen am Viehmarkt in Trier kann durch Oswald Mathias Ungers Glaskubus jeder sehen und innen auch bei jedem Wetter begehen. Bild in Detailansicht öffnen
Der Eingangsbereich der Kaiserthermen in Trier von innen. Viel Glas und klare Formen.
Architekt Oswald Mathias Ungers hat den Eingangsbereich zum UNESCO-Welterbe Kaiserthermen neu gestaltet. Bild in Detailansicht öffnen
So sollte nach dem Entwurf der Eingang zu den Kaiserthermen ausehen.
Der römisch inspirierte Gang am Eingang der Kaiserthermen in Trier nach dem Entwurf von Oswald Mathias Ungers. Ungersarchiv Köln Bild in Detailansicht öffnen
Der Aussichtsturm in den Trierer Kaiserthermen von Oswald Mathias Ungers.
Der Aussichtsturm in den Trierer Kaiserthermen von Oswald Mathias Unger ist barrierefrei mit Aufzug und inspiriert von römischer Architektur. Bild in Detailansicht öffnen
Der von Oswald Mathias Ungers neu gestaltete Eingangsbereich der Kaiserthermen in Trier.
Den Eingang zum UNESCO-Welterbe Kaiserthermen in Trier hat Oswald Mathias Ungers komplett neu gestaltet. 2007 wurde er pünktlich zur Konstantinausstellung eröffnet. Bild in Detailansicht öffnen

Alles fing mit dem Platz vor der Konstantinbasilika an. Vor der 2000-Jahr-Feier in Trier 1984 wollte die Stadtverwaltung Trier den Platz neu gestalten. Er wurde vorher einfach als Parkplatz genutzt. Renommierte Architekten wie Max Bill, Gottfried Böhm und Oswald Mathias Ungers wurden um Vorschläge gebeten. Der Entwurf von Ungers gewann.

Der Architekt Oswald Mathias Ungers
Der Architekt Oswald Mathias Ungers. Ungersarchiv Köln

Der weite, offene Platz mit der abgerundeten Seite wirkt wie eine Bühne für die Konstantinbasilika. Er ist auch bei Skatern sehr beliebt. Die Herausforderung war, den Höhenunterschied zwischen Weberbachstraße und Konstantinbasilika sanft und kaum spürbar auszugleichen. Den Übergang zum angrenzenden Palastgarten gestaltete der Architekt mit einer barrierefreien Rampentreppe.

Oswald Mathias Ungers Rampentreppe vom Basilikavorplatz zum Palastgarten
Der Architekt Oswald Mathias Ungers dachte an jedes Detail. Die Rampentreppe vom Basilikavorplatz zum Palastgarten ist barrierefrei.

Ungers zweites Projekt in Trier kam durch einen unerwarteten Fund zustande. 1987 sollte am Viehmarkt, der ebenfalls als Parkplatz genutzt wurde, eine Tiefgarage gebaut werden. Wie immer, wenn man in Trier in der Erde buddelt, kam etwas Antikes zum Vorschein. Doch der Fund der großen Thermenanlage unter dem Viehmarktplatz war so hochkarätig, dass eine Idee nötig war, die Thermen zu erhalten und trotzdem eine Tiefgarage zu bauen.

Der Entwurf Oswald Mathias Ungers zu den Viehmarktthermen. Sie sollten eigentlich auch nachts von innen beleuchtet sein.
So hat sich Oswald Mathias Ungers die Viehmarktthermen bei Nacht vorgestellt. Nach seinem Entwurf sollte der Glas- und Stahlkubus auch nachts von innen beleuchtet sein. Ungersarchiv Köln

Ungers Entwurf einer Glas-Stahl-Konstruktion über den römischen Thermen überzeugte in Trier. Im Pflaster des weiten Platzes wurde der geradlinige Verlauf der antiken Straßen darunter aufgegriffen.

Der Viehmarktplatz wurde von Oswald Mathias Ungers neu gestaltet.
Oswald Mathias Ungers hat den Viehmarktplatz mit dem Glas-Stahl-Bau über den antiken Thermen neu gestaltet. 1995 war Richtfest.

Ungers letzter Auftritt in der Öffentlichkeit war 2007 die Einweihung des von ihm gestalteten neuen Eingangsbereichs der Kaiserthermen. Dafür hatte er sich von den klaren Linien der römischen Architektur inspirieren lassen.

So stellte sich der Architekt Oswald Mathias Ungers den Eingang zu den Kaiserthermen vor.
Der Entwurf des Architekten Oswald Mathias Ungers für den Eingang zu den Kaiserthermen in Trier. Ungersarchiv Köln

Die Replik des Fußes einer Statue des römischen Kaisers Konstantin, hergestellt als Hingucker für die Konstantin-Landesausstellung 2007, sollte ein Geschenk für Oswald Mathias Ungers sein. Doch er konnte es nicht mehr entgegennehmen, er starb am 30. September 2007. Trier verdankt ihm ein Stück Architekturgeschichte um das UNESCO-Weltkulturerbe der Stadt.

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Erstmals publiziert am
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Autor/in
Nicole Mertes
Nicole Mertes ist Redakteurin im SWR Studio Trier.

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