Oswald Mathias Ungers war schon ein international erfolgreicher und angesehener Architekt, als er Anfang der 1980er Jahre begann, mehrere Plätze in Trier komplett neu zu gestalten. Es gelang ihm, die Plätze um antike UNESCO-Welterbestätten aufzuwerten und Trier städtebaulich in die Moderne zu katapultieren.
Alles fing mit dem Platz vor der Konstantinbasilika an. Vor der 2000-Jahr-Feier in Trier 1984 wollte die Stadtverwaltung Trier den Platz neu gestalten. Er wurde vorher einfach als Parkplatz genutzt. Renommierte Architekten wie Max Bill, Gottfried Böhm und Oswald Mathias Ungers wurden um Vorschläge gebeten. Der Entwurf von Ungers gewann.
Der weite, offene Platz mit der abgerundeten Seite wirkt wie eine Bühne für die Konstantinbasilika. Er ist auch bei Skatern sehr beliebt. Die Herausforderung war, den Höhenunterschied zwischen Weberbachstraße und Konstantinbasilika sanft und kaum spürbar auszugleichen. Den Übergang zum angrenzenden Palastgarten gestaltete der Architekt mit einer barrierefreien Rampentreppe.
Ungers zweites Projekt in Trier kam durch einen unerwarteten Fund zustande. 1987 sollte am Viehmarkt, der ebenfalls als Parkplatz genutzt wurde, eine Tiefgarage gebaut werden. Wie immer, wenn man in Trier in der Erde buddelt, kam etwas Antikes zum Vorschein. Doch der Fund der großen Thermenanlage unter dem Viehmarktplatz war so hochkarätig, dass eine Idee nötig war, die Thermen zu erhalten und trotzdem eine Tiefgarage zu bauen.
Ungers Entwurf einer Glas-Stahl-Konstruktion über den römischen Thermen überzeugte in Trier. Im Pflaster des weiten Platzes wurde der geradlinige Verlauf der antiken Straßen darunter aufgegriffen.
Ungers letzter Auftritt in der Öffentlichkeit war 2007 die Einweihung des von ihm gestalteten neuen Eingangsbereichs der Kaiserthermen. Dafür hatte er sich von den klaren Linien der römischen Architektur inspirieren lassen.
Die Replik des Fußes einer Statue des römischen Kaisers Konstantin, hergestellt als Hingucker für die Konstantin-Landesausstellung 2007, sollte ein Geschenk für Oswald Mathias Ungers sein. Doch er konnte es nicht mehr entgegennehmen, er starb am 30. September 2007. Trier verdankt ihm ein Stück Architekturgeschichte um das UNESCO-Weltkulturerbe der Stadt.