Hilfe bei Gewalt gegen Frauen

Ein Jahr Frauenhaus in der Eifel: "Hier passt man auf mich auf"

Sein Standort ist geheim, seine Arbeit wichtig: Seit einem Jahr gibt es das Frauenhaus in der Eifel. Zwei Bewohnerinnen und die Leiterin erzählen.

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Von Autor/in Anna-Carina Blessmann

Eine Frau trennt sich von ihrem Mann. Der Mann kommt mit der Trennung nicht klar. Die Gewalt eskaliert. Schicksale wie diese hat die Leiterin des Frauenhauses in der Eifel seit einem Jahr immer wieder gehört.

Die Frau zerbröselt irgendwann in sich.

"In einem Fall hat der Mann der Frau dann ihre eigene Trauerkarte in den Briefkasten geworfen", erzählt sie. Sie betreut Frauen, die nicht nur körperliche Gewalt erfahren haben. Sie wurden auch erniedrigt, beschämt, ihr Selbstwertgefühl zerstört.

Vom Partner oder auch vom Vater und häufig eben auch vom Ex-Partner. "Die schaffen es durch ihre psychische Gewalt, dass die Frau irgendwann in sich zerbröselt." Das führe oft auch dazu, dass die Frauen so klein gemacht werden, dass sie auch die körperliche Gewalt länger aushalten.

Flucht aus der Gewalt

Christina* und Miriam* haben es aus ähnlichen Situationen herausgeschafft. Sie sind beide seit mehreren Monaten im Frauenhaus, Christina hat ihre beiden Kinder dabei: "Ich hatte das schon länger überlegt, habe dann angerufen, mich beraten lassen und bin ein paar Tage später hierher geflüchtet."

Ich bereue es nicht, ins Frauenhaus gekommen zu sein.

Miriam erzählt, dass sie lange Gewalt erlebt hat, sich aber unsicher war, dort ausbrechen zu können. Jemand aus ihrem Umfeld hat ihr dann geholfen, ins Frauenhaus zu gehen: "Und ich bin sehr zufrieden, dass ich hierher gekommen bin und ich bereue es gar nicht."

Selbstbestimmtes Leben im Frauenhaus

Auch Christina geht es hier gut, sagt sie: "Dadurch, dass man hier viele Frauen regelmäßig sieht, gleicht das so ein bisschen aus, dass man die Familie zum Beispiel nicht sieht oder dass man hier noch keine Freundschaften hat."

In Zimmern wie diesen kommen Frauen im Frauenhaus auch in der Eifel unter. (Symbolbild)
In Zimmern wie diesen kommen Frauen im Frauenhaus auch in der Eifel unter. (Symbolbild) Stephanie Pilick

Die Frauen leben im Haus selbstbestimmt und versorgen sich auch selbst. Sie müssen einkaufen gehen, es ist aufgeteilt, wer beispielsweise Badezimmer oder Treppenhaus putzt.

Die Frauen können also untereinander sprechen oder auch mit den Mitarbeiterinnen des Hauses. Miriam fühlt sich damit gut: "Die verstehen meine Gefühle. Die passen auf mich auf."

"Man kann jederzeit zu den Betreuerinnen gehen und die helfen einem wirklich bei allem", ergänzt Christina: "Man ist an einem fremden Ort, aber isoliert ist man nicht." Denn das Frauenhaus bietet unter anderem individuelle Beratungen an.

Frauen sollen ihr Leben selbst in die Hand nehmen

Am Anfang wird die finanzielle Situation der Frau geklärt: "Das ist gar nicht so einfach: Geht sie arbeiten oder nicht? Hat sie Jobcenter-Leistungsansprüche?", erklärt die Leiterin.

Wichtig ist ihr und ihren Mitarbeiterinnen, dass sie nicht - wie die gewalttätigen Männer zuvor - über die Köpfe der Frauen hinweg entscheiden. Man biete Lösungen an: "Wir wollen die Frauen ermutigen, wieder das Leben selbst in die Hand zu nehmen."

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Wenn so viele Frauen und Kinder - das Haus hat 19 Plätze - auf einem Raum zusammenleben, kann es auch zu Konflikten kommen. Auch da helfen die Mitarbeiterinnen.

Selbstwertgefühl wieder aufbauen

Ziel, auch von Gruppenangeboten, ist es, den Frauen klar zu machen, was sie schon alles geschafft haben, sagt die Leiterin: "Die Selbstwirksamkeit zu stärken, Resilienzen und Widerstandskräfte und dieses Selbstwertgefühl zu stärken."

Für jede wird eine Lösung gefunden.

Das kommt auch an, sagt Christina: "Sie versuchen hier, dass wir auf einen guten Weg kommen, so stärker werden und lernen, unsere Probleme selbst zu bewältigen." Für jede ihrer Mitbewohnerinnen werde eine Lösung gefunden: "Egal, was passiert ist in der Vergangenheit, egal wie verrückt man sich fühlt."

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So eine Lösung gab es auch für Miriam: Zuerst hat sie sich nicht getraut, ihre Ausbildung zu beginnen, weil sie dachte, dass sie das nicht schafft: "Die haben mich hier so lange unterstützt, dass ich hingehen konnte. Jeden Tag werde ich gefragt, wie es mir geht, wie die Schule war." Dass sie sich schlecht fühlt, und niemand etwas dagegen tut, gebe es im Haus gar nicht.

Schwierige Situation für Frauen mit Kindern

Das gilt auch für die Frauen, die mit ihren Kindern ins Haus kommen. Christina sagt, eins ihrer Kinder sei noch zu klein, um zu verstehen, was passiert. Das andere habe dafür schon ein Bewusstsein. "Anfangs war es eher für mich belastend, die Trauer mit anzusehen, weil sie es einfach noch nicht ganz verstanden haben, um was es geht oder warum wir hier sind."

Da helfe es, dass das Haus unterstützt. Das ist auch nötig, sagt die Leiterin des Frauenhauses. Vor allem, wenn die Mütter sich das Sorgerecht mit dem Vater, vor dem sie geflohen sind, teilen, ruft das Frauenhaus beim Jugendamt an.

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Würde es nicht Bescheid geben, wo die Kinder sind, könnte der Vater die Mutter wegen Kindesentführung anzeigen. Sind mehrere Kinder dabei, sei es oft besonders schwer für die Frauen im Frauenhaus: "Vorher hatten sie ein Haus oder eine Wohnung. Jetzt müssen sie sich ein Bad mit anderen teilen."

Frauen nicht verurteilen

Diese Frauen gehen dann häufig wieder in die Gewaltbeziehung zurück, sagt die Leiterin: "Wir hatten einen Fall, wo die Kinder die Mutter darum gebeten haben. Egal, wie der Vater war, sie vermissen ihn."

Wichtig ist es ihr, dass die Frauen in solchen Situationen nicht verurteilt werden, sondern weiter Achtung und Respekt erfahren: "Das ist für die Frauen selbst noch mal ein beschämender Moment. Aber jede hat das Recht, immer wieder neu zu versuchen, den Weg raus aus der Gewaltbeziehung zu finden."

Angebot zur Traumabewältigung für Kinder

Um Kinder und Mütter zu stärken, gibt es verschiedene Angebote. So ist Christina mit einer Psychologin des Frauenhauses und ihren Kindern zu einem Reitstall gefahren.

Auch andere Ausflüge hat sie mitgemacht: "Dass man einfach mal den Kopf frei machen kann. Damit man nicht nur im Haus ist, gerade, wenn man hier nicht so viele Leute kennt oder am Anfang schüchtern ist."

Sicherheitsgefühl auch außerhalb des Frauenhauses

Denn anders, als man vielleicht meinen könnte, sind die Frauen nicht nur im Haus und schon gar nicht eingesperrt. Miriam fährt zum Beispiel zu ihrer Ausbildung: "Die Schule weiß, dass ich im Frauenhaus bin. Und die Mitarbeiterinnen hier wissen, wann ich in der Schule sein muss."

Kommt sie mal zu spät, wird angerufen und gefragt, wo sie ist: "Die passen richtig gut auf. Ich habe gar keine Angst."

Wissen die Nachbarn, was das hier für ein Haus ist?

Auch Christina fühlt sich im Eifeler Frauenhaus sicher: "Das einzige, was komisch ist, sind manchmal die Blicke von Nachbarn. Dann frag ich mich: Wissen die, was das für ein Haus ist?" Das bringe sie zum Grübeln.

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Gerade, dass das Haus in der ländlichen Eifel steht, gibt ihr aber ein sicheres Gefühl. Dazu tragen auch die Kameras auf dem Gelände bei, die sie selbst überprüfen kann: "Das gibt einem direkt am Anfang das Gefühl, dass jemand sich da drum kümmert. Vorher musste man sich selbst schützen. Das wird einem hier abgenommen auf eine gute Art und Weise."

Trotzdem gab es schon mal einen sehr erschreckenden Vorfall, berichtet die Leiterin des Hauses: "Ein lokaler Mensch hat sich gedacht, mit dem Fahrrad nachts ans Haus zu kommen und da rumzuschreien." Er habe die Frauen drastisch mit sexuellen Anspielungen beleidigt: "Da fragt man sich: Wie krank kann man sein?"

Zukunft der Frauen nach dem Frauenhaus

Umso glücklicher ist die Leiterin, wenn die Frauen, die sie betreut, eine Perspektive haben: "Das zeigt uns die Sinnhaftigkeit unserer Arbeit. Wir haben eine Frau, die hat jetzt eine Ausbildung gestartet und eine eigene Wohnung bekommen. Da ist wirklich ein richtiger Neustart möglich."

Mir wird die Angst genommen, nach dem Frauenhaus ins kalte Wasser zu fallen.

Jede Frau bekomme aber so viel Zeit, wie sie benötige. Und jede kann auch ins Haus zurückkommen, wenn sie das braucht. "Mir wurde gesagt, wenn ich das Frauenhaus irgendwann verlasse, werde ich noch betreut", sagt Christina: "Da wird auf jeden Fall die Angst genommen, dass man dann einfach ins kalte Wasser fällt."

Auch Miriam fühlt sich vom Frauenhaus gestärkt: "Selbstbewusst, das war ich früher nie. Für mich war nicht so wichtig, dass ich glücklich bin, sondern andere Personen. Das hat sich komplett geändert. Wenn ich sage, mir geht es gut, dann das ist die wichtige Sache."

Leiterin des Frauenhauses wünscht sich mehr Personal

Um die Frauen derart zu stärken, braucht es genügend Personal. Reichen die 3,5 Stellen des Frauenhauses dafür? "Nein", sagt die Leiterin: "Die Mitarbeiterinnen sind schon sehr belastet, denn wir sind das ganze Jahr von montags bis sonntags in der Rufbereitschaft ansprechbar. Es kann sein, dass ich gerade nach Hause will, dann ein Anruf kommt und ich wieder zurück muss."

Sie wünscht sich mehr Personal, um auch den Bereich der Kindererziehung noch ausbauen zu können: "Aber wir haben das Glück, dass wir wirklich ein klasse Team sind, das sich die Last gut aufteilt."

Wir signalisieren den Frauen: Es gibt Platz für euch.

In den vergangenen drei Monaten stand die Ampel für das Frauenhaus Eifel auf Rot, das heißt, dass alle Plätze belegt waren und niemand aufgenommen werden konnte. Jetzt aber stehen einige Auszüge bevor, weil die Frauen nun wieder auf eigenen Beinen stehen: "Deshalb sind wir schon mal auf Grün gegangen, um Frauen zu signalisieren: Es gibt Platz für euch."

*Namen von der Redaktion geändert

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Anna-Carina Blessmann
Anna-Carina Blessmann am Mikrofon

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