Ein Student wird am Petrisberg in Trier niedergestochen, beim Olewiger Weinfest eskaliert ein Streit, in Traben-Trarbach und Hermeskeil gibt es weitere Messerangriffe. Mit Blick auf die vergangenen Wochen und Monate drängt sich die Frage auf: Werden Messer in der Region immer häufiger zur Waffe?
Polizeistatistik nicht eindeutig
Die Angriffe mit Messern werden in der Polizeistatistik erst seit dem 1. Januar 2020 erfasst. Die Anzahl der Messerangriffe schwankt seither.
Laut Statistik wurden im ersten Halbjahr 2026 50 Fälle vom "Phänomen Messerangriff im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Trier", wie die Behörden den Eintrag in der Statistik nennen, registriert.
Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2022, wurden 49 Angriffe mit Messern registriert, 2021 waren es 54, 2020 81. Nach Angaben der Statistik wurden im Jahr 2024 mit 98 bislang die meisten Messerangriffe seit Beginn der Aufzeichnung registriert. 2025 waren es dann mit 79 wieder etwas weniger. Es gibt also keinen eindeutigen Trend.
Soziologe: Steigende Gefahr sehr subjektiv
Trotz dieser Tatsache gibt es aber ein Unbehagen bei vielen Menschen in der Region Trier. Ihr subjektives Empfinden: "Messerangriffe nehmen zu". Warum ist das so?
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Martin Endreß, Professor für Soziologie an der Universität Trier, führt das vor allem auf die hohe mediale Aufmerksamkeit zurück. Da reichen dann auch wenige Fälle, die aber stark prägen.
Taten von hohem medialem Interesse
Hinzu komme, dass es teils tödliche Messerangriffe in Rheinland-Pfalz gab, die von Migranten verübt wurden. Das erzeuge zusätzliche Aufmerksamkeit, selbst wenn die absolute Zahl der Fälle nicht hoch ist.
Vergleichbar sei das auch mit tödlichen Unfällen. Sie hätten hohen Gesprächswert, auch wenn die tatsächliche Zahl der Verkehrstoten über die Jahre sogar stark abgenommen habe.
Individuelle Lebenswirklichkeit prägt Wahrnehmung
Zudem schätzt der Wissenschaftler: Die Wahrnehmung, dass die Kriminalität stark angestiegen sei, sei herübergeschwappt aus Großbritannien. Dort gebe es mehr Jugendkriminalität, was aber auf Deutschland und die Region Trier so nicht zutreffe.
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Außerdem sei es so, dass beispielsweise in Rheinland-Pfalz gar nicht so viele Jugendliche oder Heranwachsende in Vorfälle mit Messern verwickelt waren, sondern deutlich mehr Erwachsene (Menschen ab 21 Jahren).
Soziologe: Statistik zu wenig erforscht
Der Soziologe empfiehlt, sich gründlich über Zahlen zu informieren. Noch sei der Tatbestand der "Angriffe mit Messern" zu wenig erforscht. Und die Statistik zeige nur Fälle, die registriert wurden.
Allerdings geht auch er davon aus, dass heute mehr Menschen Messer mit sich führen als früher. Davor warnt der Forscher allerdings eindringlich. Denn viele derjenigen, die ein Messer mitnehmen, würden ihre Fähigkeit zum Selbstschutz stark überschätzen. Auch die Polizei rate davon ab, sich selbst damit zu verteidigen.
Denn das Gegenteil sei der Fall: Damit könnten Konflikte schneller eskalieren. Viele Menschen, die ein Messer als Verteidigungswaffe mitnehmen, brächten sich damit selbst sogar eher in Gefahr.