Wenn Christian Kontermann an der Marienburg hoch über der Mosel vorbei spaziert, kommen bei ihm Erinnerungen hoch. Als Jugendlicher hat er in dem alten Gemäuer viel Zeit verbracht - so wie Generationen von Messdienern und Pfadfindern vor ihm. Bei Chorproben auf der Burg hat der Mann aus Zell-Kaimt sogar seine spätere Frau kennengelernt.
Kontermann hat sich früher gern vorgestellt, dass auch seine drei Kinder die Burg so erleben können wie er. Doch dieser Traum ist 2021 geplatzt, als das Bistum Trier bekanntgab, das Jugendbildungshaus aus Kostengründen zu schließen. "Da war ich erstmal schockiert", sagt Kontermann.
Gruppe organisiert Veranstaltungen in der Kapelle
Mit der Gruppe "Kirche in Bewegung" setzt sich Kontermann für den Erhalt der Marienburg ein. Er blickt mit Stolz auf das, was sie dort bislang geschafft haben. Dank der Initiative ist zumindest die Kapelle auf dem Gelände ein Ort der Begegnung geblieben.
An drei Sonntagen im Monat läuten auf dem Petersberg wieder die Glocken. In der kleinen Kapelle wird gesungen, gebetet und debattiert. Die Gruppe organisiert Vorträge, Workshops und Events für Kinder. Die Frage ist nur: Wie lange noch?
Gespräche mit Investoren laufen
Denn auf SWR-Anfrage hat das Bistum bekanntgegeben, dass die Gespräche mit einem möglichen Investor gescheitert sind. Der Unternehmer hatte vor, das Gebäude zu einem Hotel umzubauen. Jetzt ist die Zukunft der Burg, die seit Ende 2023 zum größten Teil leersteht, wieder ungewiss.
Zu den Gründen für die Absage will Hermann Condné, der Direktor der Abteilung Immobilien im Bistum Trier, nichts sagen. Er betonte lediglich, dass die Gespräche "intensiv" und "zielführend" gewesen seien und der Rückzug "überraschend" kam.
Bistum: Marienburg soll zugänglich bleiben
Condné ist allerdings zuversichtlich, dass sich noch ein Käufer für die Burg findet. Es liefen bereits Gespräche mit verschiedenen Investoren, die aus der Marienburg entweder ein Hotel, eine Reha-Klinik oder eine Akademie machen wollten.
"Für uns ist es wichtig, dass die Marienburg für die Öffentlichkeit zugänglich bleibt", sagt Condné. Genauso sieht es Christian Kontermann von "Kirche in Bewegung": "Der alte Investor hatte uns zugesagt, dass wir die Kapelle weiter nutzen dürfen. Es ist schade, dass es mit ihm nicht geklappt hat."
Inzwischen werden unsere Veranstaltungen von vielen Menschen besucht.
Jetzt hänge die Gruppe wieder in der Luft, sagt Ursula Schädler von "Kirche in Bewegung". Und das gerade jetzt, wo sich so langsam herumgesprochen habe, dass in der Kapelle etwas stattfinde. "Anfangs war es ein großes Problem, dass die Menschen den Rückzug des Bistums als Schlusspunkt für die Marienburg gesehen haben", sagt Schädler: "Inzwischen werden unsere Veranstaltungen von vielen Menschen besucht."
Dabei muss aber auch ein neuer Eigentümer mitspielen. Aber wird er auch bereit sein, die Kapelle an die Ehrenamtlichen abzutreten?
Investitionen für Sanierung nötig
Die Verkaufsgespräche dürften ohnehin nicht einfach werden. Die Geschichte der Marienburg geht zurück bis ins Mittelalter. Wer sie umbauen will, muss sich daher mit dem Denkmalschutz und mit modernen Ansprüchen an den Artenschutz, den Brandschutz und die Barrierefreiheit auseinandersetzen.
"Die Bausubstanz ist für ein Gebäude dieses Alters noch gut", findet Hermann Condné vom Bistum Trier zwar. Trotzdem stünden umfangreiche Sanierungsarbeiten an. Was auch der Grund ist, warum das Bistum sich von der früheren Jugendbildungsstätte trennen will - so wie von vielen ihrer Immobilien, die für die Kirche kaum noch bezahlbar sind.
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Denkmalschutz und Brandschutz wichtig für Umbau
Zumindest was den Denkmalschutz und den Brandschutz angeht, ist das Bistum aber in den vergangenen Jahren weitergekommen. Im Zuge der Gespräche mit dem früheren Investor wurde bereits eine Machbarkeitsstudie erstellt. Sie könnte auch künftigen Investoren als Leitfaden für den Umbau der Burg dienen.
"Das macht diesen attraktiven Standort noch attraktiver", meint Christian Kontermann von der Gruppe "Kirche in Bewegung". Er hat daher weiterhin Hoffnung, dass die Burg noch eine Zukunft hat. Was er sich wünschen würde? Eine Jugendherberge. Das wäre für ihn die Rückkehr zu dem Geist, der die Marienburg einst geprägt hat.