"Das Buch ist nicht tot!" sagt Verlegerin Susanne Philippi aus Trier. "Kinder lieben Bücher". Das merke sie in ihrer Verlagsbuchhandlung in der Trierer Innenstadt jeden Tag. Zusammen mit Florian Schwarz leitet sie ihren eigenen Verlag für Kinderbücher, den "Buchfink".
Ihre Spezialität sind hochwertig gestaltete und illustrierte Bilderbücher für Kinder, auch zu Themen, die in der Gesellschaft kontrovers diskutiert werden - zum Beispiel homosexuelle Eltern. In dem Buch finden zwei Fuchsdamen vor ihrer Mühle im Wald ein kleines Fuchsbaby.
Da gab es im Internet schon Kommentare, dass das Thema in einem Kinderbuch nichts zu suchen hat
Themen selbst auswählen, Teams für Text und Illustration selbst zusammenstellen, das begeistert die beiden Verleger. Sechs Kinderbücher geben sie pro Jahr heraus. "Bei der Geschichte um die zwei Fuchsdamen und Flocke, der seine bunte Familie findet, da gab es im Internet schon Kommentare, dass das Thema in einem Kinderbuch nichts zu suchen hat. Aber überwiegend waren die Reaktionen positiv", sagt Verleger Florian Schwarz.
Eigener Stand auf der Buchmesse
In ihrer Buchhandlung veranstalten sie viele Lesungen, gehen auch in Kindergärten oder laden Schulklassen ein. Es dauere nie länger als zwei Minuten, bis jedes Kind ein Buch in der Hand habe und lese, sagt Florian Schwarz. Es sei ihnen sehr wichtig, allen Kindern die Lust am Lesen zu vermitteln, vor allem Kindern, die zuhause keine Bücher haben.
Das Internet ist für die Vermarktung sehr wichtig. "Ohne Social Media wären wir nicht da, wo wir jetzt stehen", sagt Verlegerin Susanne Philippi. Sie betreiben ihren eigenen Instagram-Kanal. Während der Frankfurter Buchmesse kann man ihnen darauf folgen. Sie haben dieses Jahr auch ihre eigene Agentin auf der Buchmesse, denn sie wollen ihre Bücher international vermarkten.
Einzigartig sein und sich gut vermarkten
Man muss als Verlag nicht unbedingt in Großstädten wie Berlin, München oder Köln sein. Auffallend ist aber, dass sich kleine Verlage wie die aus der Region Trier spezialisieren, etwas Außergewöhnliches zu bieten haben und sich damit auch im Internet vermarkten.
Der Verlag Kraterleuchten aus Daun vereint gleich sechs Verlage unter einem Dach. Ganz neu in diesem Jahr ist der Inuit-Verlag. Er verlegt grönländische Literatur auf Deutsch.
Wir nennen uns Qualitätsprovinz
Mit dem Verlag Kraterleuchten ist Sven Nieder international vernetzt, er sieht es aber als Privileg, in Daun leben zu können. "Wir nennen uns Qualtitätsprovinz", sagt er. Wer von ihm verlegt werden will, mit dem macht er erst einmal eine Wanderung in der Vulkaneifel. "Wer mal zu uns kommt, der ist auch einfach da."
Gute Ideen und Vermarktung im Netz
Sich gut im Internet zu vermarkten sei besonders für kleine Verlage in den letzten Jahren immer wichtiger geworden, sagt Sven Nieder. Er ist im Vorstand des Landesverbands Rheinland-Pfalz des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Für kleine Verlage ist es aus seiner Sicht sehr wichtig, ein gutes Netzwerk zu haben.
"Man muss halt einfach phantastische Bücher machen, um auch als kleiner Verlag aufzufallen", sagt Sven Nieder. Er ist mit seinem Verlag Kraterleuchten Mitglied im Netzwerk "Schöne Bücher". Darin haben sich kleine Verlage aus ganz Deutschland zu Beginn der Coronapandemie zusammengeschlossen. Sie machen ein gemeinsames Programm und haben einen gemeinsamen Onlineshop.
Jeder Verlag aus Rheinland-Pfalz hat die Chance, auf der Frankfurter Buchmesse die Bühne des Bundeslandes zu nutzen, jeden Tag bekommt jeder 20 Minuten an jedem Messetag.
Das nutzen viele Verlage, darunter auch der KBV Verlag aus Hillesheim, der viele Eifelkrimis verlegt. Aber auch der Rhein-Mosel-Verlag aus Bullay präsentiert seine aktuellen Autorinnen und Autoren auf dieser Bühne.
Gute Ideen bekannt machen
Phantasie ist auch bei der Vermarktung auf der Frankfurter Buchmesse gefragt. Denn man will sich ja als Verlag aus der großen Masse herausheben. Mit dem Netzwerk "Schöne Bücher" veranstaltet Sven Nieder vom Dauner Verlag Kraterleuchten auf der Frankfurter Buchmesse eine Blogger:Innen-Party unter dem Motto "Book meets Pizza".
Blogger:Innen konnten sich dafür bewerben. Wer den Messestand auf der Buchmesse besucht, der bekommt ein spezielles Kartenspiel als Quartett. Jede Spielkarte ist ein Buch eines Verlags des Netzwerks "Schöne Bücher". Eine Karte stellt auch das neue Buch des Inuit-Verlags aus Daun vor.
Auch Autoren aus Trier vertreten
Auch der Kultur- und Kunstverein "Kukt" präsentiert sich auf der Frankfurter Buchmesse. Dazu gehört der Verlag "éditions trèves", der in diesem Jahr schon sein 50. Jubiläum feiert und der Verlag "Kleine Schritte" aus Trier. Der Trierer Verlag "Litradukt" ist auf Literatur aus der Karibik spezialisiert und verlegt vor allem Literatur aus Haiti auf Deutsch. Der Kynos Verlag aus Nerdlen bei Daun ist ein Fachverlag für Hundebücher.
Auch Autoren aus der Region Trier sind auf der Frankfurter Buchmesse vertreten. Thrillerautor Arno Strobel liest aus seinem neuen Buch "Fake". Der Morbacher Autor Georg Marx präsentiert sein Buch über seine Erlebnisse auf dem Jakobsweg. Peter Friesenhahn aus Pünderich liest aus seinem Krimi "Raus hier, aber schnell".