Das Wasser kommt unerwartet und mit Macht am 14. Juli 2021. Häuser in der Region Trier werden beschädigt oder zerstört, mit Heizöl verseucht. Der Caritasverband für die Diözese Trier kann damals schnell reagieren und je 200 Euro Spendengelder an Betroffene auszahlen, erinnert sich das Fluthilfeteam heute.
Die nächste Katastrophe kommt.
Es richtet auch eine psychosoziale Beratung ein, bietet mit dem Begegnungsbus Aktionen in den Flutgebieten an, zahlt Wiederaufbauhilfe. Drei Jahre später, 2024, steht die Region wieder unter Wasser – diesmal kann der Caritasverband auf das Wissen von 2021 zurückgreifen.
"Wir müssen aus diesen Erfahrungen lernen. Denn die nächste Katastrophe kommt und wir wollen nicht wieder bei Null anfangen", sagt Joachim Schäferbarthold.
Er ist zusammen mit zwei Kolleginnen Fluthilfekoordinator des Caritasverbands Trier. Das millionenschwere Projekt endet dieses Jahr. Krisen aber werden weiter kommen - ob tödliche Hitzewellen, Pandemien, Hochwasser oder große Stromausfälle.
Konkrete Pläne für die Krise
"Die Erfahrung anderer Verbände, zum Beispiel nach dem Elbe-Hochwasser 2013, zeigt: Das Wissen gerät wieder in Vergessenheit. Und da wollen wir entgegensetzen", sagt Judith Wörz-Becker.
Also wird jetzt aus der 2021 eingerichteten Fluthilfekoordination ein Referat für Krisen- und Katastrophenmanagement. Es soll Konzepte erstellen, die nicht nur in der Schublade liegen, sondern mit denen jeder in der Krise weiß, was zu tun ist.
Der erste Schritt für Susanne Willems aus dem Team: eine Risikoanalyse. Sie hat bei den 13 Orts- und Personalfachverbänden nachgefragt, wie die für die nächste Krise aufgestellt sind: "Teilweise existieren schon Leitlinien. Aber wir wissen nicht, wie gut die wirklich in der Praxis umgesetzt werden."
Krisen kennen kein Wochenende und keinen Feierabend.
Koordination und Organisation im Katastrophenfall
Dabei hat die Flut gezeigt, dass in der Krise jede Sekunde zählt, ergänzt Wörz-Becker: "Man muss sehr schnell reagieren, manchmal mehr arbeiten und außerhalb der klassischen Arbeitszeiten. Krisen kennen kein Wochenende und auch keinen Feierabend."
Deshalb müssen die drei im Referat fähig sein, zu koordinieren, zu kommunizieren, organisieren, sie müssen Abläufe kennen und Strukturen schaffen.
Katastrophen sind vielfältig
So abstrakt, wie das alles noch klingt, so diffus ist auch das, was man als Krise bezeichnen kann. Wie bereitet man sich also auf etwas vor, das oft aus heiterem Himmel kommt? "Es gibt einen sogenannten All-Gefahren-Ansatz", erklärt Wörz-Becker.
Darin werden alle möglichen Katastrophen und deren Ursachen, ob natürlich oder durch Extremismus und Terrorismus, gleichermaßen berücksichtigt. "Wir werden ein paar Szenarien ausarbeiten, die wahrscheinlich sind. Fragen vorab klären, sodass man schnell reagieren kann, weil es einfach schon klar ist."
In der Krise Köpfe kennen
Also: Wer sitzt im Krisenstab und welche Aufgaben hat er? Wer beruft den Krisenstab ein und welche Kriterien müssen dafür erfüllt werden? Wann kommt der Spendenaufruf? Wie wird nach innen und nach außen kommuniziert?
"Einer unserer Leitsätze ist: In der Krise Köpfe kennen", sagt Willems. Nicht nur, wer in einer Einrichtung, die zum Beispiel von Flut und Hitze betroffen ist, Ansprechpartner ist. Sondern auch, wer in der Kommune und beim Katastrophenschutz zuständig ist.
Bei der Flut 2021 zum Beispiel konnte der Verband in Trier schneller helfen also so mancher Ortsverband, der selbst überschwemmt wurde.
Auch vulnerablen Gruppen lange helfen
Dabei ist die Caritas ausdrücklich keine Blaulichtorganisation, die ab Sekunde Null vor Ort ist und Leben rettet, sagt Wörz-Becker: "Es geht ja nicht nur um die Akutphase. Die Stärke der Caritas liegt in der langfristigen Bewältigung der Krise."
Das neue Projekt wird auch wissenschaftlich begleitet, denn es ist Teil des Netzwerks "Transformationswissen für die Katastrophenhilfe". Außerdem will es mit Geld vom Bund in seiner Arbeit auf die vulnerablen Gruppen schauen und damit auf das Hauptklientel der Caritas. Denn die leiden am meisten unter Krisen wie etwa Hitzewellen.
Gemeinschaften vor Ort stärken
"Jede Krise hat ihre Besonderheiten, aber wir wollen so gut vorbereitet sein, wie es geht." Judith Wörz-Becker ist sich sicher: "Dann hat man eine Resilienz. Und das hilft wahnsinnig in der Stresssituation."
Das klingt alles noch recht abstrakt. Eigentlich geht es aber auch darum, die Ortsverbände der Caritas zu stärken. Die etwa zusammen mit Gemeinden und Kirchengemeinden Nachbarschaftshilfen unterstützen.
Weil zum Beispiel nicht jede große Familie in einer kleinen Wohnung so viel an Nahrung und Wasser bevorraten kann, wie das Bundesamt für Katastrophenschutz empfiehlt.
Vielleicht habe aber jemand in der Nachbarschaft diese Möglichkeit. Auch das will die Caritas stärken. Denn, sagt Wörz-Becker: "Eine Erkenntnis ist, dass eine starke Gemeinschaft einer Krise viel resilienter begegnen kann."