"Wir haben hier gejubelt und uns total gefreut", sagte Marion Adams dem SWR. Sie leitet die Stadtbücherei in Hermeskeil (Kreis Trier-Saarburg) und kennt Shida Bazyar noch aus deren Kindheit und Jugend. Bazyar sei ein lesefreudiges Kind gewesen. Ihr Lieblingsbuch: "Betty und ihre Schwestern".
Ich bin unglaublich stolz darauf, dass Shida den Buchpreis gewonnen hat.
Mitgefiebert hatte gestern Abend auch der Bürgermeister von Hermeskeil. "Es bedeutet mir viel und ich bin unglaublich stolz darauf, dass Shida den Deutschen Buchpreis gewonnen hat", sagte Christoph König der Deutschen Presse-Agentur. Das Buch sei eine wertvolle Chance, "dass wir uns selbstbewusst und offen mit der eigenen Geschichte auseinandersetzen können."
Die Jury des Deutschen Buchpreises würdigte Bazyars "Die Lücken" als "Roman gegen Gleichgültigkeit". Das Buch beleuchtet anhand verschiedener Figuren fast 100 Jahre deutscher Geschichte.
Bazyar erzählt Geschichte über Erinnerung und Verdrängung
Der rund 500 Seiten starke Roman spielt in dem fiktiven Hunsrück-Ort Heimesbach, der an Bazyars Heimatort angelehnt ist. Erzählt wird aus der Perspektive einer verstorbenen Ich-Erzählerin, die in die Vergangenheit des Ortes zurückkehrt.
Im Mittelpunkt stehen jüdische Familien, NS-Profiteure sowie kurdische und iranische Flüchtlinge. Themen sind unter anderem Rassismus, Lügen und verdrängte Kapitel der deutschen Geschichte.
Für jeden, der schon einmal in Hermeskeil war, ist ersichtlich, dass es sich um diesen Ort handelt.
Auch wenn der Ort im Roman fiktiv ist, erkenne man Hermeskeil, sagt die Leiterin der Stadtbücherei: "Man kann die Straßen erkennen. Man kann die Häuser erkennen. Für jeden, der schon einmal in Hermeskeil war, ist es ersichtlich, dass es sich um diesen Ort handelt", sagte Marion Adams dem SWR.
Diskussion in Hermeskeil über NS-Vergangenheit
Nicht alle in Hermeskeil seien froh darüber, dass die NS-Vergangenheit des Ortes in dem Roman aufgearbeitet wird, sagt Ricarda Ahmetovic. Sie hat zusammen mit Bazyar über die Zeit recherchiert. "Wir sind der Meinung: Man soll aufarbeiten, man soll gedenken und es soll nicht vergessen werden", sagte Ahmetovic dem SWR.
Nach Ansicht von Kulturminister Sven Teuber (SPD) erzählt der Roman "keine bequeme Geschichte, aber eine, die wir hören müssen." Wer das Buch liest, denke anders über Heimat nach.
Jury lobt Erzählweise von "Die Lücken"
Besonders überzeugte die Jury die Verbindung verschiedener Zeitebenen und die besondere Erzählperspektive. Die Sprache verändere sich über den Zeitraum von rund 100 Jahren und verleihe jeder Epoche einen eigenen Ton. Zudem verbinde der Roman fiktionale und dokumentarische Elemente auf besondere Weise.
Weitere Auszeichnung für Shida Bazyar folgt
Für Shida Bazyar ist es nicht die einzige Ehrung: Am 7. November erhält sie für "Die Lücken" auch den Wilhelm Raabe-Literaturpreis. Der Deutsche Buchpreis ist mit insgesamt 37.500 Euro dotiert, davon gehen 25.000 Euro an die Gewinnerin. Das restliche Geld geht an die anderen Nominierten der Shortlist, also der Endauswahl, jeweils 2.500 Euro.