Neue Bestattungsform ist nun erlaubt

Diamanten aus Asche: Hunsrücker Experte rät zur Vorsicht

Nach dem Sterben ein Diamant werden - das ist seit wenigen Tagen in Rheinland-Pfalz erlaubt. Nicht alle Versprechen der Hersteller sind seriös, so ein Fachmann aus Idar-Oberstein.

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Von Autor/in Christian Altmayer

Asche zu Asche, Staub zu Staub - so heißt es in der Bibel. Doch die Asche eines Verstorbenen muss nicht unbedingt in einer Urne landen. Man kann daraus auch Edelsteine herstellen. Das jedenfalls versprechen Hersteller von sogenannten Erinnerungsdiamanten.

Erinnerungsdiamanten sind Kristalle, die Hinterbliebene aus den Überresten ihrer Angehörigen anfertigen lassen. In der Schweiz ist das schon länger erlaubt. Mit dem neuen rheinland-pfälzischen Bestattungsgesetz dürfen solche Diamanten jetzt auch hier hergestellt und verkauft werden.

Wie das genau abläuft und was es dabei zu beachten gibt, haben wir einen Experten gefragt: Tom Stephan, den Leiter der Gemmologischen Gesellschaft in der Edelsteinstadt Idar-Oberstein.

Tom Stephan kennt sich bestens mit Steinen aus. Er ist Geschäftsführer der Gemmologischen Gesellschaft in Idar-Oberstein.
Tom Stephan kennt sich bestens mit Steinen aus. Er ist Geschäftsführer der Gemmologischen Gesellschaft in Idar-Oberstein. Christian Altmayer

SWR Aktuell: Herr Stephan, wie lässt sich aus Asche ein künstlicher Diamant herstellen?

Tom Stephan: Diamanten bestehen aus Kohlenstoff. Und dieses chemische Element ist auch in kleinen Mengen in unserem Körper vorhanden. Nach der Verbrennung in einem Krematorium bleibt ein wenig davon in der Asche übrig.

So kann ein Erinnerungsdiamant aussehen, der aus der Asche eines Verstorbenen gepresst sein soll.
So kann ein Erinnerungsdiamant aussehen, der aus der Asche eines Verstorbenen gepresst sein soll. Picture Alliance

Um daraus einen Kristall zu machen, muss der Kohlenstoff aber erstmal bei großer Hitze in Graphit umgewandelt werden. Das ist das Material, das wir aus dem Bleistift kennen. Anschließend wird der Graphit in eine kleine Kapsel gesteckt und bei Temperaturen von 1.500 bis 1.600 Grad und einem immensen Druck gepresst. Nach mehreren Tagen oder sogar Wochen - je nach Größe des Kristalls - ist der Stein fertig.

SWR Aktuell: Wieviel Asche braucht es denn, um daraus einen Diamanten herzustellen?

Stephan: Das ist der große Knackpunkt. Es ist fraglich, ob der Kohlenstoff in der Asche eines einzelnen Verstorbenen ausreicht, um daraus einen sogenannten "Erinnerungsdiamanten" zu pressen.

Graphit lässt sich in Bergwerken abbauen. Das Material wird gebraucht, um künstliche Diamanten herzustellen.
Graphit lässt sich in Bergwerken abbauen. Das Material wird gebraucht, um künstliche Diamanten herzustellen. Christian Altmayer

In Deutschland werden die Körper von Verstorbenen außerdem in einem Sarg eingeäschert. Das heißt: Die Asche, die für den Prozess genutzt wird, besteht ohnehin zu einem Großteil aus verbranntem Holz, das mehr Kohlenstoff enthält als der Körper.

SWR Aktuell: Aus der Asche eines Verstorbenen allein lässt sich also kein Kristall pressen?

Stephan: Zumindest gibt es Hersteller in der Schweiz, die zugeben, dass sie bei der Herstellung der Diamanten noch Graphit zusetzen, wenn die Asche nicht genügend Kohlenstoff enthält. Und ich denke, dass das eher die Regel als die Ausnahme ist.

SWR Aktuell: Was unterscheidet dann einen herkömmlichen künstlichen Diamanten von einem Erinnerungsdiamanten? Und warum werden sie so viel teurer verkauft?

Stephan: In unserem Labor in Idar-Oberstein können wir keine Unterschiede zwischen einem Erinnerungsdiamanten und einem herkömmlichen synthetischen Diamanten feststellen. Wie die Preise zustandekommen, kann ich als Außenstehender nicht bewerten. Aber es ist richtig, dass künstliche Diamanten mittlerweile sehr günstig zu bekommen sind. Ein Karat in guter Qualität kostet gerade einmal 150 Euro.

Die Farben von Kristallen entstehen entweder durch Verunreinigungen oder durch künstliche Zusätze.
Die Farben von Kristallen entstehen entweder durch Verunreinigungen oder durch künstliche Zusätze. Christian Altmayer

Für Erinnerungsdiamanten hingegen verlangen Hersteller in der Regel mehr als 1.000 Euro. Der Aufwand bei der Aufbereitung der Asche kostet natürlich Geld. Aber der Hersteller wird dabei schon Gewinn machen.

SWR Aktuell: Die Preise unterscheiden sich auch, je nachdem welche Farbe der Diamant hat. Manche Hersteller werben damit, dass die Farbtöne den Charakter des Verstorbenen widerspiegeln sollen. Was halten Sie davon?

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Stephan: Die Farben der Diamanten sind auf Verunreinigungen zurückzuführen. Gelb zum Beispiel weist auf Stickstoff hin, blau auf Bor. Diese Elemente finden sich in ganz kleinen Mengen in unserem Körper. Aber ob das ausreicht, um einen Kristall zu färben, ist zweifelhaft. Bei pinken Kristallen würde ich sagen: Das ist auf jeden Fall ein Werbegag. Die Farbe kommt weder in der Umwelt noch in unserem Körper vor.

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Erstmals publiziert am
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Autor/in
Christian Altmayer
Foto von Christian Altmayer, Redakteur bei SWR Aktuell im Studio Trier

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