Irene Mertens lässt sich für ihren 80. Geburtstag frisieren. Sie ist Kundin im veganen Friseursalon von Julia Neumann in Waldalgesheim (Kreis Mainz-Bingen). Die Seniorin kommt hierher, weil sie nebenan wohnt. Dass im Salon auf alle tierischen Produkte verzichtet wird, sieht sie als schönes Extra.
Ich finde das gut und benutze auch nur noch das vegane Shampoo.
Den meisten ihrer Kundinnen und Kunden sei gar nicht bewusst, dass viele Haarpflege-Produkte auf Tierversuchen basierten oder tierische Abfallprodukte enthielten, schildert Julia Neumann ihre Erfahrungen.
Veganes Leben im Widerspruch zum Berufsalltag
Die 41-Jährige hat sich vor zwei Jahren entschieden, im privaten Alltag vegan zu leben. Ihr Antrieb sei, keine Tiere auszubeuten. "Tiere werden produziert, um zu sterben, das gefällt mir nicht," sagt die Tierfreundin, zu deren Familie drei Hunde, zwei Katzen und zwei Pferde gehören.
Seit einem guten halben Jahr führt Neumann nun auch ihren Friseursalon vegan und tierversuchsfrei. Denn irgendwann habe sich privates und berufliches krass widersprochen, sagt sie: "Und dann stand ich hier in meinem Salon und habe ich mich gefragt, warum sind meine Produkte nicht vegan?“
Von Farbe bis Haarspray: vegan ist möglich
Viele Hersteller bieten vegane Haarpflege-Produkte an. Oft sei das aber eben nur ein veganer Haarfestiger oder ein veganes Shampoo, erklärt die Friseurin. In anderen Produkten aber steckten nach wie vor Bienenwachs oder auch Schlachtabfälle. Deshalb habe es etwas gedauert, bis sie ihre Lösung gefunden habe.
Jetzt verwende sie eine Serie, die alles biete - von der Dauerwellen-Flüssigkeit bis zur Haarfarbe vegan und tierversuchsfrei. Und preislich sei es auch kein Unterschied zu herkömmlichen Produkten.
Ich will vorleben, dass es geht.
Julia Neumann betont, es sei die Sache jedes Einzelnen, wie er lebe. Sie wolle ihre Kunden nicht bekehren, aber zeigen, was möglich ist, sagt sie.
Veganer Friseursalon bis ins Detail
In ihrem Salon betrifft das auch nicht nur die Haarpflege-Produkte. Selbstverständlich gibt es Hafermilch zum Kaffee und andere vegane Getränke. Ihre Stühle sind aus Kunstleder und die Bürsten haben keine tierischen Borsten.
Seit drei Wochen arbeitet auch Julia Gärtner in dem Salon. Sie hinterfrage inzwischen mehr, was steckt eigentlich wo drin, sagt die junge Friseurin. Auf vieles könne sie auch verzichten, bei einem Frühstücksei oder der Salami, werde sie aber schon mal schwach, lacht sie.
Selbst die Wände sind vegan
Auch sie habe ein bisschen gebraucht, sich auf ein veganes Leben umzustellen, sagt Julia Neumann. Inzwischen aber sei es für sie einfach selbstverständlich, sie verzichte auf nichts. Es gebe für alles vegane Alternativen.
Jetzt hat sie eine vegane Wandfarbe besorgt– es sei nicht leicht gewesen, eine zu finden, räumt sie ein. Doch schon bald seien damit auch die Wände in ihrem Friseursalon garantiert tierproduktfrei.