Mehr als 980 Tafeln in Deutschland versorgen etwa 1,5 Millionen Menschen mit Lebensmitteln, die sie sich sonst kaum leisten könnten. Der Tag der Tafel will darauf aufmerksam machen und die Helferinnen und Helfer würdigen. In Bad Sobernheim (Kreis Bad Kreuznach) zeigt sich, wie wichtig das Engagement der Ehrenamtlichen ist – und wie gefährdet das Angebot ist, wenn sie fehlen.
Der 66-jährige Jürgen ist einer der Kunden in Bad Sobernheim. Er kommt seit einem Jahr zur Tafel, weil seine Rente und Zuschüsse vom Staat nicht ausreichen.
Für 1,50 Euro bekommt Jürgen hier das Wichtigste. Die Ausgabe in Bad Sobernheim gehört zur Kirner Tafel. Sie ist wie ein kleiner Laden aufgebaut: Backwaren an der Theke, frisches Obst und Gemüse, dazu eine Kühltheke mit Joghurt oder Wurst. Jürgens Tasche füllt sich schnell.
Es ist beschämend, hierherzukommen.
Jürgen schätzt die Freundlichkeit im Laden. Trotzdem empfindet er es als beschämend, zur Tafel gehen zu müssen. Wenn er draußen ansteht und Bekannte vorbeikommen, belastet ihn das.
Lebensmittel vor dem Müll retten
Auch Michel kommt regelmäßig zur Ausgabe in Bad Sobernheim. Für ihn ist die Tafel nicht nur wegen der günstigen Lebensmittel wichtig. Er betont, vieles, was nicht zur Tafel komme, lande sonst im Müll. Aus seiner Sicht werden noch immer zu viele Lebensmittel weggeworfen.
Etwa 100 Menschen sind auf die Ausgabe der Tafel in Bad Sobernheim angewiesen. In Kirn sind es derzeit sogar 250 Menschen, die regelmäßig Lebensmittel bekommen.
Genug gibt es nicht!
Wie alle Tafeln brauchen sie deshalb dauerhaft Spenden - Geld und Lebensmittel. Genug von allem hätten sie eigentlich nie, sagt Florian Nalenz von der Kirner Tafel. Doch noch größer ist gerade das Personalproblem in Bad Sobernheim.
Tafel Bad Sobernheim braucht Hilfe
Mehrere Ehrenamtliche in Bad Sobernheim sind krank geworden und mussten ihr Engagement aufgeben. Das Team ist auf fünf Personen geschrumpft. Nalenz sagt, man brauche mindestens fünf weitere Helfer, besser noch wären zehn. Sollte es nicht gelingen, das Team aufzustocken, müssten die Menschen aus Bad Sobernheim künftig zur Tafel in Kirn fahren.
Derzeit läuft es umgekehrt: Ehrenamtliche aus dem rund 16 Kilometer entfernten Kirn unterstützen die Ausgabe in Bad Sobernheim. Das sei aber keine Dauerlösung, betont Nalenz. Deshalb wirbt die Tafel beispielsweise im Amtsblatt und im Internet um Unterstützung.
Erste neue Helferin: "Die Menschen sind glücklich"
Gabi Haelke ist die erste, die sich auf den Aufruf gemeldet hat. Die frühere Bankangestellte ist seit zwei Jahren im Ruhestand und hat ein Ehrenamt gesucht. Jetzt hilft sie bei der Tafel in Bad Sobernheim.
Haelke sagt, ihr mache das großen Spaß, weil die Menschen glücklich seien, wenn sie dort einkaufen und mit vollen Taschen nach Hause gehen können. Für sie ist es ein erfüllendes Ehrenamt, für das sie gerne auch andere begeistern will: "Kommt! Wir brauchen Helfer."