Premiere von "Die Hunnenkönigin"

Nibelungen-Festspiele 2026 in neuem Gewand - standing ovations bei Premiere

Das unendliche Drama um die blutige Nibelungensage kam am Freitagabend in einem neuen Gewand daher. Im Mittelpunkt steht Hunnenkönigin Kriemhild, die ihren Sohn tötet.

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Von Autor/in Jürgen Wolff, Christian Papadopoulos

Nach rund drei Stunden Spielzeit mit Pause gab es nach der Premiere auf dem Freiluftareal viel Applaus der mehr als 1.400 Zuschauerinnen und Zuschauer. Unter den Premierengästen waren auch Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) und der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Gordon Schnieder (CDU).

Zuschauer mit auf der Bühne am Wormser Dom

Erstmals gibt es in diesem Jahr auch Zuschauerplätze auf der Bühne selbst. Links und rechts sind Tribünen aufgebaut, etwa 100 Menschen können die Szenerie von dort aus direkter Nähe beobachten.

Es ist eine Hommage an William Shakespeare, der diese Bühnenanordnung bevorzugte. Grund dafür ist die Zusammenarbeit mit der englischen Theatertruppe "Les Enfants Terribles".

Harte Proben bei über 30 Grad

Für die Schauspieler und Schauspielerinnen waren es harte Wochen. Sie probten in der großen Hitze auf der Bühne am Wormser Dom. Aram Tafreshian, der den Hunnenkönig Etzel spielt, berichtete im SWR-Interview über Kopfschmerzen und andere Symptome, die er während der Zeit hatte.

Gefrorene Handtücher unter den Kostümen

Kein Wunder eigentlich, denn bei teilweise mehr als 30 Grad in Bärenfellen oder Leder gekleidet, das habe ihn und seinen Schauspielkollegen und - kolleginnen an ihre Grenzen gebracht. Eine große Hilfe waren da die Garderobieren. Sie hatten Handtücher eingefroren, die die Schauspieler unter ihre Kleider packten.

Story wird aus Kriemhilds Sicht erzählt

Die Zuschauer erleben die Geschichte aus Sicht der Hunnenkönigin Kriemhild (Maria Dragus), die - anders als im Nibelungenlied beschrieben - ihrem Sohn Ortlieb eigenhändig den Kopf abschlägt.

Maria Drâgus spielt 2026 die Kriemhild bei den Nibelungen-Festspielen in Worms. Sie hat ein blutverschmiertes Gesicht in dieser Szene.
Maria Drâgus spielt in diesem Jahr die Kriemhild bei den Nibelungen-Festspielen in Worms. Uwe Anspach

Nachdem Hagen von Tronje ihren Mann Siegfried mit einem Speer getötet hat, sinnt sie auf Rache. Mit dem Mord an ihrem Sohn nimmt sie sowohl den Hunnen, als auch den Burgundern ihren Thronfolger.

In dem Stück geht es um die Frage, wie weit jemand zu gehen bereit ist, um wieder Gerechtigkeit herzustellen. Die Vorstellungen sind bereits alle ausverkauft.

Nibelungen treffen den Nerv der Zeit

Der vielleicht politischste Teil des Abends gehört dem Hunnenkönig Etzel. Seine Gedanken über Frieden und Abschreckung wirken wie direkt aus den Debatten der Gegenwart gegriffen. "Die Leute glauben, Frieden sei die Abwesenheit von Krieg", sagt der Hunnenkönig. "Aber das stimmt nicht. Frieden ist die Erinnerung an Krieg. Sobald sie verblasst, beginnt der Kreislauf von Neuem."

Nicht nur bei Verteidigungsminister Boris Pistorius als Premierengast entfaltet der Satz angesichts der "Zeitenwende" besondere Wirkung. "Das ist genau die Situation, in der wir heute leben", sagt Pistorius (SPD). "Wir müssen wehrhaft sein und wissen, dass der Frieden brüchig werden kann, wenn wir nicht bereit sind, ihn zu schützen."

Mir gefällt sehr gut, wie man sich mit dieser Frage auseinandersetzt: Was ist Frieden, wer ist der Barbar?

Auch Ministerpräsident Gordon Schnieder (CDU) zeigte sich begeistert von der Aufführung. "Das ist was ganz Besonderes, weil diese Nibelungen-Festspiele strahlen ja nicht nur nach Rheinland-Pfalz, sondern sie strahlen in die ganze Republik aus", sagte Schnieder. Gerade in Zeiten, in denen der Ton rauer wird, bilde die Kultur den Kitt für die Gesellschaft.

"Les Enfants Terribles" auch mit dabei

Autor des Stückes mit dem Namen "Die Hunnenkönigin" ist der Brite Oliver Lansley, der gemeinsam mit James Seager Regie führt. Die beiden haben vieles von dem mitgebracht, was "Les Enfants Terribles" so bekannt gemacht hat. Theater, gemischt mit wilden Tanzeinlagen und Musik.

Die deutsch-kanadische Sängerin Alice Merton bei den Nibelungen-Festspielen
Alice Merton ist auch bei den Nibelungen-Festspielen 2026 in Worms mit dabei. Jürgen Wolff

Alice Merton singt bei den Nibelungen-Festspielen

Die deutsch-kanadische Sängerin Alice Merton war live zu hören. Gemeinsam mit ihrer Band und dem Musiker und Komponisten Alexander Wolfe hat sie ein Album als Soundtrack für die diesjährigen Nibelungen-Festspiele produziert, das Besucher in limitierter Auflage im Wormser Heylspark kaufen können.

Die Festspiele finden seit 2002 statt und dauern unter Intendanz von Nico Hofmann bis zum 2. August.

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Erstmals publiziert am
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Autor/in
Jürgen Wolff
Christian Papadopoulos
Audiobeitrag
Andreas Neubrech
Andreas Neubrech
Karin Pezold

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