Menschen mit Behinderungen sichern Tradition

Lebenshilfe übernimmt Huttental-Fähre in Bad Kreuznach

Im Kurpark von Bad Münster geht`s wieder per Fähre über die Nahe ins Huttental. Jetzt kümmern sich Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen um Fährbetrieb und Bootsverleih.

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Von Autor/in Sibylle Jakobi

Seit mehr als 300 Jahren gibt es die Fähre zwischen dem Kurpark Bad Münster und dem Huttental. Es ist die einzige handgezogene Fähre in Rheinland-Pfalz. Der langjährige Fährmann hat sich nach der letzten Saison zurückgezogen. Jetzt hat die Lebenshilfe Bad Kreuznach den Fährbetrieb übernommen – als inklusives Projekt.

Lebenshilfe sichert Tradition

An einem Drahtseil wird die Huttental-Fähre per Hand über die Nahe gezogen. Gruppenleiter Silvio Voß von der Lebenshilfe hat zunächst diesen Job übernommen. Dass er mal Fährmann werden könnte, habe er sich nicht träumen lassen, erzählt er.

Fährmann Silvio Voß zieht die Fähre an einem Drahtseil über die Nahe
Gruppenleiter Silvio Voß von der Lebenshilfe zieht die Fähre an einem Drahtseil über die Nahe.

Zunächst managen fünf Mitarbeitende der Lebenshilfe jetzt zusammen mit ihm die Huttental-Fähre. Auch ein Bootsverleih gehört noch dazu. Es gibt also viel zu tun. Boote putzen, Fragen ihrer Gäste beantworten oder ihnen beim Ein- und Aussteigen helfen.

Mitarbeitende der Lebenshilfe lieben den neuen Job an der Huttental-Fähre

Die Mitarbeitenden haben bisher in den Lebenshilfe Werkstätten gearbeitet. Ihre neuen Aufgaben rund um den Fährbetrieb und Bootsverleih finden sie super. Annett Krumbiegel freut sich über die Arbeit im Freien, die frische Luft und die Umgebung.

  Hier draußen ist es schöner als in der Werkstatt.

Hier zu arbeiten sei mal was ganz anders, sagt auch ihr Kollege Sven Witte: "Das Huttental ist wunderschön, man kann es eigentlich nur weiterempfehlen," sagt er.

Fährbetrieb soll auch Vorurteile abbauen

Für die Lebenshilfe sei es ein Glücksgriff, dass sie den Fährbetrieb übernehmen könne, meint die Sprecherin Simone Schwenk. Sie freue sich, dass die Lebenshilfe damit ein Kulturgut erhalte und Teil der langen Geschichte der Fähre sein dürfe. Vor allem aber soll das inklusive Projekt dazu dienen, dass ihre Mitarbeitenden mehr Kontakt zu Menschen ohne Beeinträchtigungen bekommen.

Simone Schwenk ist sich sicher, durch das inklusive Projekt könnten auch Vorurteile abgebaut werden. Viele Menschen wüssten eben nicht, was in den Werkstätten gearbeitet werde, so Schwenk: "Hier können sie sehen, dass auch Menschen mit Beeinträchtigungen wahnsinnig viel leisten können."

Fahrgäste sind begeistert

Die Überfahrt mit der Fähre zum anderen Ufer im Huttental dauert nur kurz. Er genieße aber jede Minute, sagt Fahrgast Karl Ludwig Baumann: "Die himmlische Ruhe, das ist irgendwie ein Ausgleich aus dem Alltagstrott heraus." Es sei super, dass die Lebenshilfe die Fähre nun übernommen hat, meint er.

Genauso sieht das auch Marieluise Hecker. Sie habe sich sehr gefreut, dass der Fährbetrieb weitergeht. Dass hier jetzt auch Menschen mit Beeinträchtigungen arbeiten, sei eine großartige Lösung, meint sie: "Ich finde das so wichtig, dass die Leute, die von der Lebenshilfe betreut werden, rauskommen und eine Aufgabe haben."

St. Goar

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