Wer durch die Pfalz fährt, kann sie sehen: Die sauberen, fruchtbaren Äcker im "Gemüsegarten Vorderpfalz", auf denen kein Unkraut wächst und die Landwirte jedes Jahr auf eine gute Ernte hoffen. Die Kehrseite der makellosen Flächen: ohne Blühwiesen, Hecken und Teiche gibt es für Insekten, Amphibien und Vögel weder Nahrung noch Lebensraum. Das wollen Landwirte und Naturschützer in der Pfalz ändern.
Blühende Kräuterwiesen und Hecken für mehr Arten in der Pfalz
Die Pfalzmarkt-Erzeugergenossenschaft in Mutterstadt mit ihren 70 Betrieben hat vor vier Jahren in der Vorderpfalz ein neues Artenvielfalt-Projekt gestartet. Zwischen Weisenheim am Sand im Norden und Haßloch im Süden wurden bisher neun Flächen mit einer durchschnittlichen Größe von jeweils etwa einem Hektar bereit gestellt. Dieses Jahr kommen wieder zwei neue Flächen dazu. Naturschützer wissen: Insekten, Vögel und Käfer lieben es "unordentlich": Kräuterwiesen, Stapel mit altem Holz oder Lehmwände für Wildbienen, Hecken mit Nistmöglichkeiten für Vögel, oder auch Pfützen und Schlammlöcher für Amphibien und Käfer - das alles sollte vorhanden sein.
Pfalzmarkt Mutterstadt: Landwirtschaft teils skeptisch
Judith Beicht vom Pfalzmarkt-Marketing berichtet: "Das Interesse war von Anfang an groß, aber es war auch Skepsis da. Landwirte sagten: Was passiert denn, wenn ein Käfer von der "Vielfalt-Fläche" auf meine Gemüsefläche überspringt?" Das sei aber nicht geschehen und immer mehr Landwirte hätten Interesse, mitzumachen. Biologen und Naturschützer begleiten das Projekt und dokumentieren genau, wie sich die Arten über Jahre entwickeln. Ziel sei zu lernen, wie wieder mehr Vielfalt in der pfälzischen Agrarlandschaft möglich wird.
Projekt will in der Südpfalz Artenvielfalt stärken
Parallel betreuen Naturschützer seit 2019 in einem zweiten Projekt insgesamt 330 Hektar große Flächen in der Südpfalz bei Herxheim. Träger des sogenannten EFA-Programms ist die Georg von Neumayer Stiftung in Neustadt. EFA steht für "Effiziente Förderung der Artenvielfalt". In der früher "ausgeräumten Landschaft" haben sie ebenfalls neue Lebensräume für Tiere geschaffen. Zum Beispiel auf früheren Grasflächen für Windkraftanlagen oder Feldwegen haben sie einheimische Kräuterwiesen mit "Wegwarten" oder "Weißklee" eingesät, Teiche vertieft und Nisthilfen ausgehängt.
Verschiedene Arten sind in der Pfalz schon eingezogen
Biologen erfassen bereits seit Jahren, welche Arten sich auf den neuen Flächen angesiedelt haben. Sie berichteten bei der Fachtagung in Mutterstadt, dass sich zum Beispiel Eidechsen und Käfer in der Südpfalz schon gut vermehrt hätten. Anders ist es leider bei Schmetterlingen: Einzelne, blühende Inseln in der Ackerlandschaft reichen den selten gewordenen Tagfaltern nicht aus. Sie brauchen ein ganzes Netzwerk geeigneter Lebensräume, so die Biologen bei der Fachtagung.