Seit einem Jahr gibt es in Ludwigshafen Familiengrundschulzentren. Das Projekt wurde vom Land ins Leben gerufen, nachdem regelmäßig mehr als 40 Erstklässler an der Gräfenau-Grundschule in Ludwigshafen die Klasse wiederholen mussten.
Viele konnten die deutsche Sprache nicht ausreichend, um dem Unterricht zu folgen. Das hatte bundesweit für Aufsehen gesorgt und das Land Rheinland-Pfalz auf den Plan gerufen. Die vier teilnehmenden Grundschulen haben nach einem Jahr ein erstes positives Fazit gezogen.
Eltern engagieren sich mehr an Schulen
Das Ziel des Modellprojektes "FamOS" des Landes Rheinland-Pfalz ist, dass Brücken zwischen Familien, ihren Kindern und den Grundschulen geschlagen werden - mit Elterncafés, Sportangeboten oder Sprachkursen.
Diese Angebote sind an allen Grundschulen sehr erfolgreich. "Da wo Menschen gerne hingehen, hören sie sich auch zu", sagt Claudia Neubauer, die Rektorin der Goetheschule Nord. Sie erhoffe sich dadurch ein besseres Verständnis der Eltern für die Schulpflicht.
Koordinatorinnen an Grundschulen wichtiger Ansprechpartner
Wichtig für eine Verbundenheit mit den Grundschulen sind die Koordinatorinnen, erklärt Barbara Mächtle von der Gräfenau-Grundschule. Jedes Familiengrundschulzentrum hat eine Koordinatorin von der Stadt Ludwigshafen gestellt bekommen. Weil die Koordinatorinnen keine Lehrkräfte oder gar Schulleitung sind, falle es den Eltern leichter, so in Kontakt zu treten und sich auszutauschen, erklärt Mächtle.
Auch Silke Genzlinger, Rektorin der Blies-Grundschule, sagte dem SWR, die Koordinatorin ihrer Schule helfe vor allem bei Sprachbarrieren zwischen Eltern aus migrantischen Familien und der Schulleitung.
Landesbildungsministerin Hubig besucht Blies-Schule Was passiert in den neuen Familiengrundschulzentren in Ludwigshafen?
An vier Grundschulen in Ludwigshafen entstehen seit Schuljahresbeginn Familiengrundschulzentren. Bildungsministerin Hubig hat nun das Zentrum an der Bliesschule offiziell eröffnet.
Mutter: "Ich habe gemerkt, dass ich hier willkommen bin"
Iffet Catalkaya ist Mama und Elternsprecherin der Blies-Grundschule. Dort haben Familien an Ramadan im Rahmen der Familiengrundschulzentren gemeinsam das Fastenbrechen gefeiert. Es ist ihr in Erinnerung geblieben.
"Das war der Eisbrecher für viele Eltern", sagt Catalkaya. "Ich habe gemerkt, dass ich hier willkommen bin. Das war ein unbeschreibliches Gefühl!" Auch Rektorin Genzlinger sagt, viele Eltern begegneten ihr seitdem offener und würden auch von sich aus viel öfter Kontakt aufnehmen.
Kinder bleiben trotzdem sitzen
Allerdings hätten sich die Leistungen der Grundschüler in diesem Jahr noch nicht verbessert - das ist der Eindruck der Schulleitungen. Das sei aber auch nicht zu erwarten, erklärt Barbara Mächtle. "Dafür müsste man schon im Kindergarten mit einer Sprachförderung ansetzen", sagt sie. Die Landesregierung hat jüngst ein Modellprojekt angekündigt, um die Sprachförderung in Kindertageseinrichtungen zu verstärken.
Das Projekt "FamOS" sei nicht der richtige Ansatz, um schnell die Schulleistungen der Kleinsten zu verbessern, glaubt Mächtle. Aber es binde zumindest einen Teil der Elternschaft stärker an die Schulen.
Kritik von Schulen
Auch fehlende Räumlichkeiten für die Familiengrundschulzentren seien ein Problem, erklärt Christine Jungmann, Rektorin der Erich-Kästner-Grundschule in der Innenstadt. Mit 650 Schülerinnen und Schülern gebe es tagsüber keinen freien Raum im Gebäude. Deshalb könnten Veranstaltungen für Eltern nur am Nachmittag stattfinden.
Das Problem: Viele Eltern hätten dann allerdings keine Zeit mehr, weil sie ihre Kinder betreuen müssten, erklärt Jungmann. Gut besucht sei allerdings ein Yoga-Kurs für Mütter.
Wunsch nach Fortsetzung bleibt
Die Schulleitungen der vier Ludwigshafener Grundschulen sind sich darin einig, dass das Projekt der Familiengrundschulzentren weiterlaufen muss. Es läuft noch bis zum 31. Dezember 2026. Es ist die Entscheidung der Landesregierung das Projekt weiterlaufen zu lassen oder nicht. In Ludwigshafen scheinen die FamOS-Teams aber optimistisch.