Ein Geschwisterstreit, der fast tödlich endete, Tränen und Tolstoi – um all das ging es am vorletzten Prozesstag vor dem Landgericht Frankenthal.
"Alle glücklichen Familien gleichen einander, jede unglückliche Familie ist unglücklich auf ihre Weise" – mit diesem Zitat des russischen Schriftstellers begann die Oberstaatsanwältin ihr Plädoyer: Sie fordert zehneinhalb Jahre Haft für den 68-Jährigen Mann.
Prozess vor dem Landgericht Frankenthal: Gibt es ein Mordmerkmal?
Hat der 68-jährige Angeklagte aus Heimtücke gehandelt, als er seine Schwester mit einem Elektro-Schocker angegriffen und mit einem Seil gewürgt hat? Das ist die Frage, um die sich der Prozesstag drehte – denn Heimtücke gilt als Mordmotiv.
Handelte der Angeklagte im Affekt? Prozess in Frankenthal: Angeklagter gibt Angriff auf Schwester zu
Im Prozess um einen 68-Jährigen, der versucht haben soll, seine Schwester zu töten, gab es ein Geständnis. Der Angeklagte behauptete allerdings, im Affekt gehandelt zu haben.
Die Staatsanwältin sagte: Der Mann habe heimtückisch gehandelt, also die Arg- und Wehrlosigkeit seiner Schwester bewusst ausgenutzt. Er wollte sie töten, kam mit Taser und Seil zu ihr nach Haßloch; er versuchte, sie zu erdrosseln.
Verteidigung fordert sieben Jahre Haft
Dem widersprach der Verteidiger des Mannes: Zwar gab sein Mandant die Tat zu. Er habe aber aus Affekt gehandelt und wollte eigentlich mit seiner Schwester reden, bevor es zu dem Angriff kam.
Sollte ein Gespräch nicht gelingen, wollte er sich selbst umbringen, so der Verteidiger. Der Anwalt plädierte auf versuchte Tötung und forderte eine Freiheitsstrafe von sieben Jahren für seinen Mandanten.
Geschwister streiten seit Jahren um Erbe
Die Geschwister streiten seit fünf Jahren um das Erbe, dabei geht es unter anderem um ein Haus in Sachsen-Anhalt. Zwei Zivilprozesse in dem Bundesland sind heute abgeschlossen worden - durch ein sogenanntes Adhäsionsverfahren.
Der Anwalt des Tatopfers hatte während des Prozesses das Adhäsionsverfahren beantragt. Das heißt, dass das Strafgericht Frankenthal auch zivilrechtliche Entscheidungen treffen kann, etwa über Schmerzensgeld und Schadenersatz, wenn diese mit der Straftat zusammenhängen.
Auftakt am Landgericht Prozess in Frankenthal: Wollte Angeklagter seine Schwester töten?
In Haßloch soll ein 68-Jähriger im März versucht haben, seine 71-jährige Schwester zu töten. Seit Donnerstag muss er sich vor dem Landgericht Frankenthal verantworten.
Der Streit um Schmerzensgeld wurde durch eine außergerichtlich Einigung beigelegt. Der Angeklagte zahlt seiner Schwester 5.000 Euro.
Angeklagter: "Ich möchte mich entschuldigen"
Nach Aussagen des Angeklagten haben die Prozesse in Sachsen-Anhalt den Streit eskalieren lassen. Er habe seine schwerkranke Mutter jahrelang betreut, dann verlangte seine Schwester, dass er ihr zeige, wofür er Geld ausgegeben habe. Die Staatsanwaltschaft entgegnete ihm, dass er Täter-Opfer-Umkehr betreibe.
Am Ende wandte sich der Mann sich direkt an seine Schwester: „Ich möchte mich bei meiner Schwester entschuldigen, ich wollte sie nie umbringen“, sagte er. Auf der Besucherbank schluchzte sein Sohn, minutenlang.
Das Urteil in dem Prozess wird am kommenden Freitag gesprochen.