Hager, deutlich älter als 68 Jahre, kränklich: so wirkt der Angeklagte am Mittwoch vor dem Landgericht Frankenthal. Meist scheint er teilnahmslos zuzuhören. Auch als sein Anwalt eine von ihm verfasste Erklärung verliest:
Angeklagter räumt den Angriff ein
Darin räumt der Mann, der eigentlich in Sachsen-Anhalt zuhause ist, ein, seine Schwester im März 2025 auf ihrem Anwesen in Haßloch mit einem Elektro-Schocker angegriffen und anschließend mit einem Seil gewürgt zu haben.
68 Jähriger behauptet, im Affekt gehandelt zu haben
Er sei aber nicht zum Haus der Schwester gefahren, in der Absicht sie zu töten. Vielmehr habe er noch einmal versucht, in einem Gespräch die Erbstreitigkeiten zwischen ihm und ihr beizulegen. Erst als die Schwester ein Gespräch ablehnte, sei er im Affekt auf sie losgegangen. Mit dem Strick, den er dabei hatte, habe er verdeutlichen wollen, dass er bei einer Nicht-Einigung sich das Leben nehmen würde.
Auftakt am Landgericht Prozess in Frankenthal: Wollte Angeklagter seine Schwester töten?
In Haßloch soll ein 68-Jähriger im März versucht haben, seine 71-jährige Schwester zu töten. Seit Donnerstag muss er sich vor dem Landgericht Frankenthal verantworten.
Schwester erzählt, Bruder sei direkt ohne Vorwarnung auf sie los
Gänzlich anders stellte das Opfer, die heute 72-jährige Frau aus Haßloch, jenen verhängnisvollen Nachmittag im März 2025 dar. Ihr Bruder habe sie auf der Terrasse überrascht, als sie gerade mit einer Freundin telefonierte. Er sei sofort auf sie los gestürmt und habe sie mehrfach mit dem Elektro-Taser angegriffen.
"Es war ein Todeskampf"
Sie habe daraufhin versucht, wegzulaufen, doch ihr Bruder habe sie direkt zu Fall gebracht und begonnen, sie mit einem mitgebrachten Seil zu würgen. Sie habe auf dem Boden gelegen und ihr Bruder habe sich auf sie gesetzt und immer wieder versucht, das Seil, das um ihren Hals lag, zu zuziehen.
"Es war ein Todeskampf", schilderte die 72-Jährige Frau sichtlich angefasst. Sie habe immer wieder versucht, ihre Finger zwischen ihrem Hals und das Seil zu bringen, um noch ein wenig Luft zu bekommen. Zweimal habe sie das Bewusstsein verloren.
Opferschutz Landau betreut die 72 Jährige
"Ich bin bis heute fassungslos über das Geschehen. Seelisch gehts mir beschissen", erklärte das Opfer vor Gericht, das auch vom Opferschutz Landau betreut wird. "Man hilft mir dort, das Geschehen zu verarbeiten", erzählt die Frau.
Auf die Frage der Vorsitzenden Richterin, ob sie denn eine Idee habe, warum der Bruder sie angegriffen habe, erklärte die 72 Jährige, sie mache sich keinen Reim darauf, warum ihr Bruder das getan hätte. "Vielleicht wegen dem Geld?", vermutete die Frau aus Haßloch.
Bruder und Schwester streiten seit fünf Jahren ums Erbe
Am zweiten Prozesstag wurde dann deutlich, dass Bruder und Schwester seit dem Tod der Mutter im Jahr 2020 ums Erbe streiten. Dabei geht es um Gelder, die der 68 -Jährige angeblich unerlaubt vom Konto der Mutter abgehoben habe und auch um das gemeinsame Elternhaus.
Angeklagter wird einmal richtig wütend
Während die Haßlocherin von den Streitigkeiten erzählt, schüttelt der Angeklagte immer wieder den Kopf, manchmal grinst er dabei. Nur einmal übermannen ihn dann doch die Emotionen und er schlägt mit der flachen Hand auf den Tisch, an dem er sitzt. Sein Anwalt versucht ihn dann sofort zu beruhigen und auch die Justizbeamten, die im Gerichtssaal sind, wirken angespannt.
Ob die Erklärung des 68-Jährigen am Mittwoch den Prozess verkürzen wird, bleibt noch abzuwarten. Eigentlich sind Verfahrenstage bis Ende November anberaumt.
68-Jähriger muss sich wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung verantworten
Laut Anklage hat der 68-Jährige im März dieses Jahres versucht, seine Schwester im Garten ihres Hauses zu töten. Zuerst soll er die Frau mit einem Elektroschocker attackiert und danach ein Seil um ihren Hals gelegt haben, um sie zu erdrosseln.
Der 68-Jährige muss sich wegen versuchten Mordes, gefährlicher Körperverletzung, versuchten Prozessbetrugs und Urkundenfälschung verantworten.