Es waren gleich mehrere Explosionen, die am 17. Oktober 2016 Ludwigshafen erschütterten. Ein Leiharbeiter hatte im Landeshafen Nord der BASF aus Versehen eine falsche Leitung im Rohrgraben angeflext. Fünf Menschen starben, zwölf wurden verletzt, teils schwer. In einigen Tagen jährt sich das Unglück zum zehnten Mal. Für den Jahrestag hat die BASF eine interne Gedenkfeier geplant.
BASF-Explosion: Falsches Rohr angeschnitten
"Es war eine tragische, irrtümliche Verwechslung der Rohrleitung." Das sagt Helmut Winterling, BASF-Werksleiter Ludwigshafen heute zu dem Unglück vor zehn Jahren. Ein Leiharbeiter hatte am Morgen des 17. Oktobers 2016 im Rohrgraben am Nordhafen noch am richtigen Rohr gearbeitet. Nach seiner Frühstückspause flexte er das falsche Rohr an. Dadurch wurde eine Explosion ausgelöst, die daraufhin weitere Brände und Explosionen auslöste. Vier Werkfeuerwehrkräfte starben und ein Matrose.
Heute ist am Nordhafen des BASF-Stammwerks in Ludwigshafen von der damaligen Katastrophe nichts mehr zu sehen. An der Feuerwehr Nord hatte die BASF schon zum ersten Jahrestag eine Gedenkstele für jeden verstorbenen Feuerwehrmann eingerichtet. Zwei Feuerwehrkräfte waren durch durch die Explosion unmittelbar gestorben. Die anderen beiden starben später durch die Folgen der Brandverletzungen.
Aktive Erinnerungskultur an verstorbene Feuerwehrmänner
Martin Kaller ist Leiter der Werkfeuerwehr der BASF. Schon damals war er bei der BASF, zur Zeit der Katastrophe war er aber in Urlaub. In der Werkfeuerwehr haben sie eine Erinnerungskultur für die vertorbenen Kollegen eingerichtet. Da sind Bilder an der Wand, sagt Kaller. "Wir haben viele Kollegen im Dienst, die die verstorbenen Kollegen noch kennen." Und noch heute sind Kollegen im Dienst, die Brandverletzungen von damals erlitten haben. Einige fahren aber keine Einsätze mehr. Nach der Explosionskatastrophe gab es psychologische Unterstützung, so Kaller.
"Die Kollegen haben sich einsatztaktisch absolut richtig verhalten", sagt Kaller über den Feuerwehreinsatz von 2016. Bei der ersten Explosion hatte die Feuerwehr zunächst eine vergleichsweise kleine Flamme gesehen. "Dass es dann zu der nächsten Explosion kam, diese Dynamik konnte man nicht vorhersehen."
Sicherheitsvorkehrungen bei der BASF wurden erhöht
Wir glauben, dass so etwas in dieser Form nicht mehr auftreten kann.
Die Sicherheitsvorkehrungen entsprachen den damaligen Standards, sagt Kaller. "Wir glauben, dass so etwas in dieser Form nicht mehr auftreten kann." Damals hatte eine Verkettung von verschiedenen Ursachen zu dem Katastrophenszenario geführt. "Diese Ereigniskette hatten wir so nicht vorausgesehen." Mit den Maßnahmen von heute sollte so eine Verkettung nicht mehr vorkommen, so Kaller.
Thomas Hill, Leiter der Arbeitssicherheit in der BASF, sagt, dass die BASF das Verwechslungsrisiko bei Rohren minimiert habe. Deswegen gibt es neue Kennzeichnungen an den Rohren. Weiter wird der Rohrgraben der BASF besser überwacht, unter anderem mit hochauflösenden Kameras. Die Leitung, die damals explodierte, hat heute eine spezielle Brandschutzbeschichtung.
Schuld an Explosion lag bei Leiharbeiter
Das Landgericht Frankenthal urteilte im August 2019, dass die Schuld an dem Unglück bei dem Leiharbeiter lag. Er wurde zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr verurteilt. Der Bundesgerichtshof Karlsruhe bestätigte das Urteil im Oktober 2021.
Zu dem wirtschaftlichen Schaden der BASF will sich heute niemand konkret äußern. Helmut Winterling, BASF-Werksleiter Ludwigshafen, spricht von einem niedrigen dreistelligen Millionenbereich - also mehr als 100 Millionen Euro. Nach dem Unglück wurden beide Steamcracker heruntergefahren und 20 Anlagen gestoppt. Dabei kam es zu Produktionsausfällen.
Gedenkzeremonie für Opfer des Unglücks
Für das zehnjährige Gedenken an die Opfer des Explosionsunglücks plant die BASF am 17. Oktober eine interne Zeremonie. Um 11:27 Uhr, zur Uhrzeit der Explosion von damals, soll dann fünfmal die Glocke neben den Gedenkstelen geläutet werden - als Gedenken an die Verstorbenen.
Um den Angehörigen der Verstorbenen und den Kolleginnen und Kollegen von damals Raum zu geben, hat sich die BASF zu einer nicht-öffentlichen Gedenkfeier entschieden, sagt Winterling.