Biologin und Würfelnatterexpertin Sigrid Lenz markiert eine der fast 70 kleinen Würfelnattern mit einem weißen Lackstift. Für das Tier ist das ungefährlich. Lenz hofft, dass sie die jungen Schlangen so in den kommenden Wochen an der Lahn wiedererkennt, nachdem sie ausgewildert wurden. Um zu verstehen, wie weit die Tiere in dem Gebiet schwimmen.
Eigentlich sollten die Tiere kleine Sender bekommen, das hat aber nicht funktioniert. "Wir haben das mit zwei Schlangen im Zoo getestet. Durch den kleinen Sender konnten sich die Schlangen aber nicht vollständig häuten", so Lenz. Sender waren somit keine Option, zu gefährlich für die jungen Tiere. Mit so kleinen Schlangen sei das vorher auch noch nicht ausprobiert worden.
Fast 70 junge Schlangen sind gutes Ergebnis
Sigrid Lenz hatte letztes Jahr zwölf trächtige Würfelnattern an der Lahn gefangen. Die wurden dann im Zoo in eigens gebaute Terrarien gesetzt, wo sie ihre Eier ablegten. Die Muttertiere wurden danach wieder freigelassen. Die Mitarbeiter im Zoo haben die Eier mit Hilfe eines speziellen Brutschranks dann ausgebrütet und die jungen Schlangen großgezogen.
Thorben Maur vom Zoo Neuwied hat das Zuchtprojekt mitbetreut. Er ist sehr zufrieden, dass sie so viele junge Schlangen großziehen konnten. Denn für den Zoo war diese Schlangenart Neuland, so Maur. "Wir züchten hier viele exotische Tiere und tun so zum Beispiel etwas für den Artenschutz in den Tropen. Für uns war das jetzt was Besonderes, weil wir mit der Würfelnatter-Zucht zum heimischen Artenschutz beitragen konnten."
Schlangenzucht wegen geplanter Bauarbeiten an der Lahn
Der Grund für die Zucht der Schlangen sind anstehende Bauarbeiten an der Lahn. In den kommenden Jahren plant das für die Lahn zuständige Wasserstraßen-Neubauamt Heidelberg sechs Stauwehre an der Lahn zwischen Limburg und Lahnstein zu erneuern: in Dausenau, Nassau, Hollerich, Scheidt, Cramberg und Diez.
Als erstes ist 2027 die Schleuse Hollerich bei Nassau dran. Dort lebt die seltene und geschützte Würfelnatter. Das Amt ist daher gesetzlich verpflichtet, den Bestand der Schlangen zu erhalten. "Da die Würfelnatter streng geschützt ist, müssen wir im Vorfeld dafür sorgen, dass die Population erhalten bleibt", erklärt Nikolai Goll vom Wasserstraßen-Neubauamt Heidelberg.
Denn es könne passieren, dass bei den Bauarbeiten einige Schlangen ums Leben kommen. Die Zucht soll also schon jetzt ein Ausgleich für mögliche Verluste sein. Denn die Würfelnatter kommt nur noch an drei Flüssen in ganz Deutschland vor, an der Lahn, der Mosel und der Nahe.