Solidarisches Wohnen im Eigentum, ökologisch und bezahlbar - das war die Utopie, die sich Anni und Christian erträumt hatten. Sie ist inzwischen Wirklichkeit geworden, in einem Haus in bester Innenstadtlage in Lahnstein. Sie bewohnen 270 Quadratmeter auf drei Etagen. Obwohl sie bereits im April zu zehnt eingezogen sind, ist noch nicht alles fertig: Noch immer stehen die Flure voll mit Arbeitsmaterial, Kabel und Schläuche hängen aus der Decke.
Kernsanierung in Eigenleistung
Noch vor dem Winter wollen sie mit der Kernsanierung fertig werden. Sehr viel haben sie selbst gemacht: Gemauert, Wände verputzt, die Elektrik erneuert, Böden gedämmt, Fenster eingebaut, das Dach gedeckt und Solaranlagen installiert. Inzwischen liebt Anni diese Arbeiten: "Das macht mir alles richtig Spaß!"
Für die "Kolibris" und ihre vielen Helferinnen und Helfer war das eine spannende Zeit, berichtet Anni: "Die letzten Jahre waren ein großes Abenteuer: Vom Gruppe finden, übers Bauen, Entscheiden und Diskutieren. Und ich kann's mir einfach nicht schöner vorstellen." Die Herausforderungen seien die Gleichen wie in jeder anderen WG auch. "Das heißt: Es ist verdammt viel Arbeit. Aber die mach ich auch gerne."
Die Kolibris haben einen Verein gegründet, dem das Haus gehört
2024 hatten sie sich zum ersten Mal getroffen. Damals waren es noch 35 interessierte Menschen. Daraus kristallisierte sich schließlich eine Gruppe von zehn heraus. Demnächst soll der elfte einziehen. Um das Haus zu kaufen, haben sie eine eigene GmbH gegründet, die ihrem Hausverein gehört. Wer hier im Kolibri-Hausprojekt wohnt, der ist auch Mitglied im Hausverein. Dadurch gehöre das Haus allen, die darin wohnen, sagt Anni: "Das heißt, wir entscheiden alles." Ganz anders als in einer Mietswohnung. Alle zwei Wochen treffen sich die "Kolibris" im Plenum, um alles Wichtige gemeinsam zu besprechen.
Kolibri finanziert sich durch Direktkredite und einen Bankkredit
Das Haus hat die Vereinsmitglieder nach eigenen Angaben 530.000 Euro gekostet. Manche seien auch ohne Eigenkapital eingestiegen. Neben einem Kredit bei der Bank haben sie auch von Freunden, Freundinnen und Familie sogenannte Direktkredite erhalten. Die gelten bei der Bank als Eigenkapital. 220.000 Euro seien so zusammengekommen von 60 Menschen.
Höhe der Miete richtet sich nach dem Einkommen
Um das Projekt zu finanzieren, zahlen Anni, Christian und die anderen Miete - aber eben solidarisch, erklärt Christian: "Wir schauen, wie viel können die Menschen geben und entsprechend sind auch die Mieten dann aufgeteilt." Er zahle beispielsweise etwas mehr als andere, weil er als Bauingenieur mehr Geld zur Verfügung habe. "Leute, die in Berufen arbeiten, die weniger gut bezahlt sind, zahlen dann einfach weniger."
Wohnen unabhängig von Vermietern oder Mietpreisspiegel
Weil sie nicht abhängig von einem Vermieter sind, müssen sie sich auch keine Sorgen um Mieterhöhungen machen. Ziel des Ganzen sei, dass das Haus nicht zum Profit wird und sich niemand daran bereichere, stellt Anni klar. Die Mieten seien nur dazu da, die Direktkredite und den Bankkredit zurückzuzahlen und die laufenden Kosten zu bezahlen. Und ein Puffer sei noch einkalkuliert, falls mal etwas kaputt gehe.
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Anni betont, für so ein Projekt sei es wichtig, sich im Vorfeld alles ganz genau zu überlegen und nicht blind reinzustolpern. Das sieht auch Christian so. Es gehöre Mut dazu, ein Haus zu kaufen und zu sanieren: "Ich glaube, man muss auch vorher nicht wissen, wie krass es wird. Weil es wird auf jeden Fall krasser, als man sich denkt. Aber das gehört zu dem ganzen Prozess auch dazu."