Überreste historischer Brückenpfeiler und eiserne Brücken-Provisorien erinnern heute noch an die Wucht der Wassermassen in der Flutnacht 2021 im Ahrtal. Viele der Brücken über die Ahr hielten dem reißenden Strom nicht stand. Entlang des Flusses und seiner Zulauf-Bäche wurden hunderte Brücken beschädigt oder zerstört - von der kleinen Fußgängerbrücke im Sahrbachtal bis zur Ahrtorbrücke in Bad Neuenahr-Ahrweiler. Auch fünf Jahre nach der Katastrophe sind viele Orte im Ahrtal immer noch nur über Provisorien erreichbar.
Mehr als 200 Brücken im Ahrtal von der Flut beschädigt oder zerstört
Nicole Marzi vom Projektbüro Wiederaufbau Ahrtal des Landesbetriebs Mobilität (LBM), wagt mittlerweile keine Prognosen mehr, bis wann alle Brücken in ihrer Zuständigkeit wiederaufgebaut sind. "Am Anfang haben wir immer gerne eine Dekade gesagt. Aber wenn man dann fünf Jahre hinter sich hat, merkt man, das scheint nicht mehr realistisch zu sein."
Der LBM kümmert sich um rund 100 von der Flut betroffene Brücken. Davon sind 40 substantiell beschädigte und insgesamt zehn vollständig zerstörte Brücken an Kreis-, Landes und Bundesstraßen im Ahrtal. Weitere 60 beschädigte oder zerstörte Ahr-Brücken liegen in kommunaler Hand: Bad Neuenahr-Ahrweiler (16), Verbandsgemeinde Altenahr (23), Verbandsgemeinde Adenau (17), Sinzig (4). Hinzu kommen noch mehr als 50 Bachbrücken, wovon drei in Bad Breisig und neun in der Grafschaft liegen.
Behelfsbrücken sind Problem beim Hochwasserschutz
Wie essenziell viele der Ahr-Brücken für den Verkehr und damit auch für den Wiederaufbau sind, war nach der Flut schnell klar. Deshalb wurden beispielsweise durch das Technische Hilfswerk und die Bundeswehr viele Behelfsbrücken errichtet. Genau die sind für die Landrätin des Kreises Ahrweiler, Cornelia Weigand (parteilos), mittlerweile aber eine Achillesferse im Hochwasserschutz.
Denn die Provisorien könnten bei starkem Hochwasser im gesamten weggeschwemmt werden oder wie kleine Bollwerke Flutwellen auslösen. So war es 2021 an den alten Brücken geschehen, an denen sich Treibgut erst meterhoch aufgestaut hatte und die Bauwerke schließlich bersten ließ. In einer Flutwelle schoss das Wasser anschließend weiter in die Dörfer. Um das zu verhindern, brauche es jetzt Geschwindigkeit beim Bau der Brücken, damit die Provisorien möglichst schnell nicht mehr benötigt würden, so Weigand.
Brücken der Ahrtalbahn als erstes wieder aufgebaut
Die Mehrheit aller betroffenen Brücken ist allerdings noch nicht wiederaufgebaut. Ausnahme sind die Brücken der Ahrtalbahn, die als erstes neu gebaut wurden und einem möglichen neuen Ahr-Hochwasser besser standhalten sollen als ihre Vorgänger.
Bei den meisten anderen Brücken ist ein Wiederaufbau innerhalb der nächsten drei Jahre geplant. Einzig die Verbandsgemeinde Grafschaft hat alle Brücken über Swistbach und Altbach bereits wiederaufgebaut. Trotzdem sind Fortschritte sichtbar: In Bad Neuenahr-Ahrweiler wurde im Oktober 2025 die Heppinger Brücke als erste städtische Brücke freigegeben, Landgrafen- und Bachemer Brücke sollen in diesem Jahr folgen.
In Dernau ist die neue Weinbaubrücke seit Juni 2025 fertig, in Hönningen zum Beispiel soll die Brücke "Vor Kiehren" im Herbst folgen.
Vier Jahre nach der Flutkatastrophe Fehlende Brücke: Jugendherberge Altenahr bleibt vorerst geschlossen
Seit der Flut ist die Jugendherberge Altenahr im Langfigtal außer Betrieb. Eine Brücke soll den Weg zur Wiedereröffnung ebnen - doch wo die stehen soll, ist immer noch unklar.
Der Brücken-Wiederaufbau im Ahrtal zieht sich
Gerade auch bei den Brücken in Zuständigkeit des LBM läuft der Wiederaufbau aber schleppend: Der Baustart ist für viele für dieses oder nächstes Jahr angesetzt. Zum Beispiel sollen die Arbeiten für die neue Ahr-Brücke Liers an der K28 oder die Ahr-Brücke Insul an der K25 erst 2027 starten.
Die Gründe für die lange Wiederaufbaudauer seien vielfältig, sagt Nicole Marzi vom LBM. Da seien die Unmengen an Baustellen auf engstem Raum: Gewässerwiederherstellung, Bahnaufbau, Versorgungsleitungen, Firmen und Häuser. Unterschiedliche Zuständigkeiten und Behörden müssten koordiniert werden. Hinzu komme der Fachkräftemangel. "Leider haben wir auch nicht die Personalstärke, um alles gleichzeitig zu machen", sagt Marzi.
Fachkräftemangel und Hochwasserschutz Gründe für Verzögerungen
Außerdem mache der Hochwasserschutz die Planungen aufwendiger. Die neuen Brücken müssen größere Wassermengen aushalten und durchlassen können. Für Bad Neuenahr-Ahrweiler ist die Menge zum Beispiel auf 500 Kubikmeter pro Sekunde fast verdoppelt worden.
Daneben sollen Bohrpfähle die neuen Brücken gegen Unterspülung sichern, Klappgeländer legen sich bei Strömungsdruck um und können keine Bollwerke bilden. Einzelne Fußgängerbrücken sollen künftig Hubbrücken werden, die vor einem Hochwasser vom Fluss genommen werden können.
Optisch sollen die Neubauten an die zerstörten, ortsprägenden Bogenbrücken erinnern. Für Nicole Marzi ein wichtiger Faktor für das Tal, denn Brücken seien ja nicht nur etwas Technisches. "Brücken verbinden Menschen und man hat es nach der Flut gesehen, was es bedeutet, wenn sie nicht da sind."