Großes Sanierungsprojekt in der Altstadt

Sanierung statt Stillstand: So geht es am historischen Florinsmarkt in Koblenz weiter

Nach langem Leerstand nimmt die Sanierung von drei denkmalgeschützten Gebäuden am Florinsmarkt in Koblenz Fahrt auf. Sie sollen bis Ende 2027 zu neuem Glanz finden. Das ist geplant.

Teilen

Stand

Von Autor/in Pia Nicoley

Wer derzeit auf dem Florinsmarkt nach dem berühmten Augenroller sucht, schaut nur auf ein Baugerüst. Das Kopfrelief am Alten Kaufhaus aus dem Mittelalter, das zu jeder vollen Stunde die rote Zunge herausstreckt, ist eines der bekanntesten Wahrzeichen der Koblenzer Altstadt. Doch hinter den Gerüst passiert gerade etwas, das den gesamten Platz verändern soll: Die Sanierung des historischen Gebäudeensembles nimmt endlich Fahrt auf.

Touristen stehen auf der Baustelle auf dem Florinsmarkt mitten in der Koblenzer Altstadt und warten darauf, dass der Augenroller seine rote Zunge heraussteckt.
Diese Touristen auf dem Florinsmarkt mitten in der Koblenzer Altstadt warten darauf, dass der Augenroller pünkltich zum Glockenschlag der Turmuhr seine rote Zunge heraussteckt.

Investor Jan Leis steckt dort einen zweistelligen Millionenbetrag in die Restaurierung und den Umbau von drei denkmalgeschützten Gebäuden. Wie viel genau, sagt er aber nicht. Schon Ende 2027 soll der Florinsmarkt nach Jahren des Leerstands wieder zu einem Anziehungspunkt für die Koblenzerinnen und Koblenzer und für Touristen werden.

Historisches Ensemble soll wieder ein Glanzstück sein

Die Rückbauarbeiten im Inneren sind weitgehend abgeschlossen, sagt Leis. Es sei alles entfernt worden, was man für die künftige Nutzung nicht mehr braucht. Entstehen sollen ein neues Restaurant mit Dachterrasse im ersten Stock und eine Art Brauhaus im Erdgeschoss.

Geplant ist außerdem ein Boardinghouse mit 64 Apartments für Gäste, die einige Tage, Wochen oder sogar mehrere Monate in Koblenz bleiben möchten. Auch historische Räume wie der Gewölbesaal und das Schöffenstübchen sollen künftig wieder für Veranstaltungen genutzt werden.

Eröffnung ist für Ende 2027 geplant

Zu dem Millionenprojekt gehören das Alte Kauf- und Danzhaus, das viele Jahre das Mittelrhein-Museum beherbergte, das angrenzende gotische Schöffenhaus sowie auf der linken Seite der Bürresheimer Hof, in dem zuletzt die Jugendbibliothek untergebracht war. Verbindendes Element soll künftig ein moderner Glasbau mit Treppenhaus sein, der die Gebäude miteinander verknüpft.

Bis zur geplanten Fertigstellung Ende 2027 ist allerdings noch einiges zu tun. Seit dieser Woche werden die Dächer instand gesetzt und nach heutigen Standards gedämmt. Anschließend folgen Brandschutz und Innenausbau.

Die Turmuhr und der Augenroller am Alten Kaufhaus am Koblenzer Florinsmarkt sind echte Highlights, aber gerade für die Sanierung abgedeckt.
Die Turmuhr und der Augenroller am Alten Kaufhaus am Koblenzer Florinsmarkt sind echte Highlights, aber gerade für die Sanierung abgedeckt. Bild in Detailansicht öffnen
Blick auf den Florinsmarkt in der Koblenzer Altstadt: Hier wird nach jahrelangem Stillstand bis Ende 2027 ein historischer Gebäudekomplex umgebaut und saniert.
Im Inneren ist alles entfernt worden, was man für die künftige Nutzung mit Gastronomie und Boardinghouse nicht mehr braucht. Jetzt müssen die Fassaden saniert, die Dachflächen repapiert und der Innenausbau fertiggestellt werden. Bild in Detailansicht öffnen
Touristen stehen auf der Baustelle auf dem Florinsmarkt mitten in der Koblenzer Altstadt und warten darauf, dass der Augenroller seine rote Zunge heraussteckt.
Diese Touristen auf dem Florinsmarkt mitten in der Koblenzer Altstadt warten darauf, dass der Augenroller pünkltich zum Glockenschlag der Turmuhr seine rote Zunge heraussteckt. Bild in Detailansicht öffnen
Blick in den ersten Stock im denkmalgeschützten Gebäude am Florinsmarkt: Hier sollen einige Boarding-Appartments entstehen.
Hier sollen in Zukunft Gäste mehrere Tage, Wochen oder sogar Monate in einem Appartment im Boardinghouse übernachten können - mit Blick aus den Fenstern auf die Mosel. Bild in Detailansicht öffnen
Blick auf die römische Stadtmauer unter dem historischen Gebäudeensemble auf dem Florinsmarkt in der Koblenzer Altstadt.
Die römische Stadtmauer verläuft unter dem historischen Gebäudeensemble und soll in dem geplanten Boardinghouse entsprechend präsentiert werden. Bild in Detailansicht öffnen
Der Investor Jan Leis saniert als Eigentümer das historische Gebäudeensemble am Florinsmarkt in der Koblenzer Altstadt.
Der Investor Jan Leis saniert als Eigentümer das historische Gebäudeensemble am Florinsmarkt in der Koblenzer Altstadt. Bild in Detailansicht öffnen
Blick auf die geplante Dachterrasse im denkmalgeschützten Gebäudeensemble am Florinsmarkt in der Koblenzer Altstadt, die noch im Rohbau ist.
Sobald die Sanierung zu Ende ist, sollen sich die Gäste in den restaurierten Gebäuden am Florinsmarkt hier auf einer Dachterrasse entspannen können. Bild in Detailansicht öffnen
Blick in das historische Schöffenstübchen in einem Gebäude am Koblenzer Florinsmarkt in der Altstadt: Hier soll man künftig private Feste feiern können.
Im sogenannten "Schöffenstübchen" soll man künftig private Feste feiern können. Bild in Detailansicht öffnen

Leis erwartet "keine großen Überraschungen" mehr

Noch in diesem Jahr sollen neue Fenster eingebaut werden. Ziel ist es, die Umbauarbeiten bis Mitte kommenden Jahres abzuschließen, damit danach der eigentliche Innenausbau beginnen kann. Alle Maßnahmen erfolgen in enger Abstimmung mit der Stadt und der Denkmalpflege.

Größere Überraschungen erwartet Leis nicht mehr. Wichtige Fragen wie die Statik seien bereits vom früheren Eigentümer Martin Görlitz geklärt worden. Auch der Hochwasserschutz wurde bereits verbessert. Zudem wurden die bei den Bauarbeiten freigelegten Überreste der römischen Stadtmauer gesichert und restauriert.

Investor kommt gebürtig aus Koblenz

Für Jan Leis ist das Projekt in der Koblenzer Altstadt ein Herzensprojekt. Er ist in Koblenz geboren worden und hier zur Schule gegangen. Der Bauingenieur hat sich 2008 im Süden von Deutschland mit der JL Gruppe selbstständig gemacht.

Der Investor Jan Leis saniert als Eigentümer das historische Gebäudeensemble am Florinsmarkt in der Koblenzer Altstadt.
Der Investor Jan Leis saniert als Eigentümer das historische Gebäudeensemble am Florinsmarkt in der Koblenzer Altstadt.

Im Oktober 2023 hat Jan Leis die Mehrheitsanteile am Projekt Florinsmarkt von Martin Görlitz erworben. Dieser hatte die Gebäude 2013 gekauft und selbst schon mehrere Millionen Euro in die Sanierung gesteckt. Ursprünglich wollte Görlitz den Komplex als Bildungs- und Seminarzentrum nutzen. Dieses Konzept hat der neue Investor aber nicht übernommen.

Münzmeisterhaus und Koblenzer Hof - weiter ungewisse Zukunft

Läuft alles nach Plan, gibt es in Koblenz dann ab Ende 2027 ein Baudenkmal weniger, an dem nichts passiert. Aktuell ist unklar, wie es mit dem Münzmeisterhaus in der Koblenzer Altstadt weitergeht, oder mit dem Koblenzer Hof, der früher vom Beschaffungsamt der Bundeswehr genutzt wurde. Das markante Gebäude am Rheinufer war zu Beginn des 20. Jahrhundert ein luxuriöses Grandhotel. Es steht ebenfalls seit Jahrzehnten leer, weil es erhebliche statische Probleme aufweist.

Koblenz
Das historische Münzmeisterhaus in Koblenz.

Jahrelanger Streit um denkmalgeschütztes Gebäude Gerichtsurteil: Koblenz darf Münzmeisterhaus zurückkaufen

Seit über 20 Jahren steht das Haus aus dem 18. Jahrhundert leer und verfällt. 2004 hatte die Stadt es verkauft. Weil der Investor seitdem nur wenig gemacht hat, darf die Stadt es zurückkaufen.

Lahnstein
Blick auf die markante Aussenfassade der Stadthalle Lahnstein: Sie ist wegen Mängeln beim Brandschutz ab sofort gesperrt.

Bis auf weiteres keine Veranstaltungen Stadthalle in Lahnstein wegen Mängeln sofort geschlossen

Es ist ein Paukenschlag für Lahnstein: Die Stadthalle kann ab sofort nicht mehr für Veranstaltungen genutzt werden. Grund dafür ist eine dringend notwendige Überprüfung.

Boppard
Die Fassade des leerstehenden Hotels im Bopparder Stadtteil Bad Salzig, in dem es zu einem zweiten Teileinsturz gekommen ist.

Gebäude teilweise abgerissen Einsturzgefahr im leerstehenden Hotel in Bad Salzig vorerst beseitigt

In Bad Salzig ist die Einsturzgefahr in dem ehemaligen Hotel laut Rhein-Hunsrück-Kreis vorerst beseitigt. 19 Anwohner mussten nach einem zweiten Einsturz ihre Häuser verlassen.

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Pia Nicoley
Foto von Multimediareporterin Pia Nicoley aus dem SWR-Studio Koblenz

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir Ihnen, woher wir unsere Infos haben!