Kinder dürfen mitbestimmen

Kita St. Nikolaus in Kirchen für Deutschen Kita-Preis nominiert

Beim Deutschen Kita-Preis 2025 hat es die Kindertagesstätte "St. Nikolaus" in Kirchen im Landkreis Altenkirchen unter die letzten acht geschafft - dank ihres besonderen Konzepts.

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Von Autor/in Sarah Mauer

In dem hellen, kindgerecht gestalteten Neubau wimmelt es nur so: Rund 140 Kinder spielen und toben hier auf mehreren Stockwerken in Gruppen-, Bewegungs-, Kunst- und Entdeckerräumen. Das Besondere: Es gibt zwar feste Gruppen, aber nach den Morgenkreisen startet die "freie Entdeckerzeit", sagt die stellvertretende Leiterin Sarah Schneider-Polichnei: "In der Zeit von halb zehn bis viertel vor zwölf öffnet sich das ganze Haus und die Kinder können dann ihren Interessen nachgehen." Dann können sie sich die Bereiche, auf die sie gerade Lust haben, also aussuchen.

Talente und Interessen von Kita-Personal, Eltern und Kindern stehen im Mittelpunkt

Dieses Konzept wurde hier vor etwas mehr als vier Jahren erarbeitet, erklärt Kita-Leiterin Andrea Braun: "Uns ist es so wichtig, dass hier Leidenschaft auslebbar ist. Dass hier Talente ausgelebt werden können und Interessen - auch der Erwachsenen." Denn auch Erzieherinnen und Erzieher, ebenso wie Eltern dürfen sich mit einbringen. So habe kürzlich ein technisch interessierter Vater mit den Kindern in der Tüftler-Werkstatt eine Sirene gebaut.

Uns ist es so wichtig, dass hier Leidenschaft auslebbar ist.

Die Impulse dafür, was die Kinder lernen, sollen laut Kita-Leitung von den Kindern selbst kommen. "Ich komme nicht als Fachkraft hier rein und überlege: Was mache ich heute mal? Was biete ich den Kindern an? Sondern wir lassen uns treiben von dem, was gerade dran ist", sagt Andrea Braun. Wenn ein Kind beispielsweise neue Schuhe habe und lernen wolle, wie es sie selbst binden kann, dann werde das eben gemacht.

Erzieher und Erzieherinnen der Kita St. Nikolaus in Kirchen und Eltern sowie zwei Vertreterinnen des Deutschen Kita-Preises.
Doreen Wenig-Schimanski (2.v.li.) und Sarah Bors (3.v.li) vom Berliner Kita-Institut haben die Kita "St. Nikolaus" in Kirchen besucht. Die Kita ist unter den acht Finalisten für den Deutschen Kita-Preis.

Kinder sollen früh Demokratie und ihre Rechte kennenlernen

Außerdem ist das Thema Demokratie ein wichtiger Teil des Konzepts, sagt Theresa Ouamba Diffo, deren Kinder die Kita besuchen: "Die Kinder dürfen ganz viel mitentscheiden und dürfen auch selbst wählen." Es gebe verschiedene Kinder-Parlamente, sowohl in den einzelnen Gruppen als auch eines für die gesamte Kita. Die Mutter sagt: "Die Kinderrechte werden hier sehr stark gelebt. Da lernen die Kinder schon spielerisch kennen: Was ist überhaupt so eine UN-Kinderrechtskonvention?"

Das ist Demokratie ja auch: Dass man miteinander verhandelt. Und das macht mir als Mama auch total viel Spaß.

Darum hängen im Flur der Kindertagesstätte Schautafeln, auf denen die einzelnen Kinderrechte stehen. Darunter befindet sich jeweils ein Knopf, mit dem die Kinder sich ihre Rechte automatisch vorlesen lassen können. Das führe auch dazu, dass die Kinder ihre Rechte auch zuhause einforderten, erzählt Ouamba Diffo. Da müssten Eltern dann eben auch erklären, warum Kinder manche Dinge nicht dürfen: "Das ist Demokratie ja auch: Dass man miteinander verhandelt. Und das macht mir als Mama auch total viel Spaß."

Malecke in einem der Gruppenräume der Kita "St. Nikolaus" in Kirchen.
In den Atelier-Räumen können die Kinder sich kreativ austoben.

Stadt Kirchen hat viel in Sanierung und Neubau investiert

Auch die Familie von Jacqueline Ramos fühlt sich in der Kita sehr wohl: "Hier stimmt einfach alles. Allein das Gebäude, die Einrichtung, das Außengelände - wenn man hier herumläuft, dann hat man das Gefühl: Hier wäre ich als Kind selbst gerne gewesen." Auch das Personal sei sehr einfühlsam und beziehe die Eltern in die Entscheidung mit ein, wie mit ihren Kindern umgegangen werde. Bei der großen Zufriedenheit scheint es kein Wunder, dass die Kita voll ausgelastet ist. Bis 2027 seien alle Plätze schon ausgebucht, sagt Leiterin Braun.

Wenn man hier herumläuft, dann hat man das Gefühl: Hier wäre ich als Kind selbst gerne gewesen.

Nachdem die Stadt vor sechs Jahren die Trägerschaft für die Kita übernommen habe, sei viel Geld in die Sanierung und einen neuen Anbau investiert worden. Aber auch schon bevor sie und ihre rund 40 Mitarbeitenden "diesen Luxus" gehabt hätten, sei das neue Konzept umgesetzt worden. Ihrer Ansicht nach könnten das auch kleinere Kindergärten mit weniger Geld, Personal und altmodischeren Gebäuden tun, wenn das Konzept zu ihnen passe. Wichtig sei, dass die Mitarbeitenden mit Leidenschaft dabei seien und sich auf einen Perspektivwechsel einließen - von einer anleitenden hin zu einer mitlernenden Rolle.

Konzept begeistert Eltern und Fachleute

Das besondere Konzept der Kita St. Nikolaus begeistert aber nicht nur die Eltern, sondern auch die Fachleute vom Deutschen Kita-Preis. Von 560 Kindergärten, die sich aus ganz Deutschland beworben haben, hat es die Kirchener Kita unter die acht Finalisten geschafft. In der Finalrunde besuchen ausgewählte Expertinnen und Experten die Einrichtungen, um sich selbst ein Bild zu machen.

In einem Raum der Kita können die Kinder mit Licht und Schatten experimentieren.
In diesem Raum können die Kinder mit Licht und Schatten experimentieren.

Doreen Wenig-Schimanski und Sarah Bors vom Berliner Kita-Institut sollen für die Fachjury einen Bericht schreiben, die den Preis im November vergeben wird. "Wir sind begeistert. Glücklicherweise bin ich nicht diejenige, die es am Ende entscheiden muss. Ich wäre wahrscheinlich voreingenommen", sagt Bors und lacht. "Ich bin dankbar, hier sein zu dürfen und gehe mit vollem Herzen und ganz vielen Erfahrungen wieder zurück nach Berlin." Sie werde sicher noch oft von dieser Kita erzählen.

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Autor/in
Sarah Mauer
Foto von Multimediareporterin Sarah Mauer

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